Die Antworten der 3 Fachleute zusammengefasst in 7 Punkten:<BR /><BR />GRENZENLOSES MOBBING: Als Mobbing werden absichtliche, gezielte und wiederholte Angriffe auf Einzelpersonen oder auch Gruppen bezeichnet. Das Phänomen sei nicht neu, weder in der Schule, noch in der Erwachsenenwelt, sagt Wolfgang Grüner. „In der Schule ist es immer wieder Thema“, ergänzt Angelika Plank. Im Vergleich zu früher habe das Phänomen grundsätzlich nicht zugenommen, auch nicht, was die Gewalt angehe, sagt Marlene Kranebitter. Das Leid der Betroffenen sei aber größer. Grund dafür sei der fehlende geschützte Raum für den einzelnen – in zeitlicher wie in örtlicher Hinsicht. „Früher war man zu Hause vor Mobbing sicher, jetzt spielt sich vieles digital ab – und damit hat Mobbing keine Grenzen mehr“, sagt Plank. Zum Unterschied von früher ziehe Mobbing heute auch viel weitere Kreise; die Zahl der Beteiligten und derer, die wortlos mitmachen und mit-wissen, sei durch die Sozialen Medien enorm gewachsen. „Damit wird Mobbing oft als äußerst grausam erlebt“, meint Plank.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1014837_image" /></div> <BR />HEIMLICHE AUSGRENZUNG: „Mobbing ist kein Massenphänomen“, stellt Grüner fest. Für Betroffene sei es aber ein furchtbarer Zustand – auch deshalb, weil Mobbing oft heimlich geschehe. Viel passiere auf dem Schulweg, beim Stundenwechsel, wenn keine Lehrperson in der Klasse ist, oder auch in einem Eck des Pausenhofes, meint Kranebitter. „Nehmen Lehrpersonen aber etwas wahr, haben sie die Pflicht einzugreifen – und zwar unmittelbar.“ Und es müsse auch klare Botschaften der Lehrpersonen geben. Etwa: „Das wird an unserer Schule nicht geduldet“, sagt Kranebitter. Das sei wichtig, denn gemobbte Kinder und Jugendliche würden sich in der Regel selbst keine Hilfe holen, erklärt Plank, „weil sie nämlich Angst haben, dass es nur noch schlimmer wird.“ Leider würden sich Lehrpersonen angesichts von Mobbing teils ohnmächtig oder gar hilflos fühlen, meint Plank. Die Folge könne sein, dass manches geduldet oder ganz weggeschaut werde.<BR /><BR />FEHLENDE SCHUTZKONZEPTE: Es gebe in der Schule flankierende Maßnahmen und Präventionsprogramme, um Schülerinnen und Schüler zu stärken und zu schützen, sagt Grüner. „Richtige Schutzkonzepte für Betroffene fehlen aber“, ergänzt Kranebitter. „Da haben wir ganz klar ein Defizit. Wir können Opfer insgesamt zu wenig schützen.“ Und das Leiden der Betroffenen werde oft zu wenig oder gar nicht aufgearbeitet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1014840_image" /></div> <BR />„VERKOPFTE“ SCHULE: In dieser Frage sind sich Plank, Grüner und Kranebitter einig: Schule sei zu viel Wissensvermittlung und zu wenig Einübung sozialer Kompetenzen. „Dabei sind soziale Kompetenzen die Basis für gemeinsames Leben und Arbeiten“, sagt Grüner. Was die Prävention in Sachen Ausgrenzung und Mobbing angehe, müsse diese fixer Bestandteil des schulischen Unterrichts sein. <BR /><BR />GUTE VORBILDER: Ein Thema sei in diesem Zusammenhang die Schulhauskultur, sagt Grüner. Man müsse sich fragen: Wie gehen wir miteinander um? Und sind wir Erwachsenen für die jungen Leute Vorbilder? Letztere Frage könne leider nicht immer mit Ja beantwortet werden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1014843_image" /></div> <BR />VERROHTE SPRACHE: Die Corona-Pandemie sei in vielfacher Hinsicht ein Einschnitt gewesen. Das betreffe vor allem den Umgang miteinander und die Sprache, die wir verwenden. „Es ist zwischenmenschlich allgemein rauer geworden, nicht nur bei Jugendlichen“, ist sich Plank sicher. Die Frage, was normal sei, habe sich verschoben, ergänzt Grüner. Schuld daran seien die digitalen Welten, in denen wir alle uns zu oft aufhalten. Besonders schlimm sei das in der Corona-Zeit gewesen. „Hier sind manche Grundwerte völlig verloren gegangen“, sagt Grüner, weil es im Digitalen keine direkte Rückmeldung gebe und keine Konsequenzen zu befürchten seien. „Nahezu alles ist erlaubt.“ <BR /><BR />FEHLENDE BEGLEITUNG: Kinder und Jugendliche brauchen Begleitung – auch darin sind sich alle 3 Fachleute einig. Es brauche Erziehung und Beziehung zwischen Eltern und Kindern von klein auf – und beides dürfe nicht aufhören, wenn Jugendliche in die Oberschule kommen. Fehle das eine wie das andere, und das komme immer wieder vor, könne das die Schule nicht wettmachen.