Donnerstag, 06. Februar 2020

Mobbing und Cybermobbing: Wenn Schule und Netz zur Last werden

Südtirols Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller ruft anlässlich des internationalen Tages gegen Mobbing und Cybermobbing und des ebenfalls bald anstehenden internationalen „Internet Safer Day“ am11. Februar zu Vorsicht im Umgang mit dem Internet auf. Sie sind selbst Opfer von Mobbing oder jemand in Ihrem Umfeld wird gemobbt? STOL zeigt die nötigen Schritte auf, um das Mobbing zu beenden.

Für Mobbingopfer wird das Leben oft zur Hölle.
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Für Mobbingopfer wird das Leben oft zur Hölle. - Foto: © shutterstock
„Es handelt sich bei Mobbing und Cybermobbing um ein Thema, das junge Menschen stark bewegt, weshalb wir bei den Vorträgen, die wir in den Schulen im ganzen Land organisieren, immer auch darüber sprechen. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche dieses Phänomen kennen und wissen, wie sie sich am besten davor schützen können„, so die Kinder- und Jugendanwältin.

Ausgrenzung und Schikanen

Mobbing wird als ein Zusammenspiel von verbalen, nonverbalen und physischen Handlungen definiert, die unfair sind und wiederholt von einer Person oder einer Gruppe von Personen gegen schwächere Personen ausgeübt werden. Man spricht beispielsweise von Mobbing, wenn das Opfer ständig schikaniert, beleidigt, ausgegrenzt oder sogar geschlagen wird. Bei Cybermobbing handelt es sich um eine spezielle Form von Mobbing: Diese Handlungen erfolgen nämlich auf telematischem Weg, das heißt über das Internet und soziale Medien. Cybermobbing äußert sich unter anderem durch Verleumdung, Belästigung, Identitätsdiebstahl, Erpressung und der Online-Verbreitung von Inhalten.



2 sehr unterschiedliche Phänomene

Obwohl die Folgen von Mobbing und Cybermobbing ähnlich sind, ist es dennoch sehr wichtig, die beiden Phänomene auseinanderzuhalten, da es große Unterschiede gibt, nicht nur was die Mittel anbelangt, die die Täter einsetzen, um ihren Opfern zu schaden. Der Cybermobber fühlt sich in seinem Tun anonym und unauffindbar. In Wirklichkeit handelt es sich dabei aber nur um eine scheinbare Anonymität, da die gesamte elektronische Kommunikation immer rückverfolgt werden kann, auch wenn das Opfer selbst Schwierigkeiten haben sollte, die Identität seines Peinigers alleine ausfindig zu machen. Gerade das Gefühl, nicht gesehen und nicht erkannt zu werden, verleitet manch einen Cybermobber, sich ungehemmt zu verhalten: Das ethische Bedenken wird geschwächt und es kommt vor, dass man online etwas sagt oder tut, was man im realen Leben nicht machen würde.

Schule hat wichtige Rolle

Während ein Opfer von Mobbing außerdem normalerweise zu einer bestimmten Tageszeit und an einem bestimmten Ort ins Visier genommen wird, z.B. in der Schule, leidet das Opfer von Cybermobbing jedes Mal unter dem Verhalten seines Peinigers, wenn dieser einen Computer oder ein Smartphone in die Hand nimmt. Besonders wichtig war daher die Verabschiedung des Gesetzes Nr. 71 vom 29. Mai 2017 „Bestimmungen zum Schutz von Minderjährigen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Cybermobbing“, das auch die Rolle der Schule hinsichtlich der Prävention, Erziehung und Umerziehung gestärkt hat.

Es gibt nämlich in jeder Schule eine Bezugslehrperson, die Initiativen zur Prävention und Bekämpfung dieses Phänomens koordiniert, während der Schulleiter die Aufgabe hat, die Eltern der betroffenen Minderjährigen zu kontaktieren und sowohl Bestrafungen als auch Erziehungsmaßnahmen für Cybermobber festzulegen.

Was tun, wenn man Opfer von Mobbing ist

Sie sind selbst Opfer von Mobbing oder jemand in Ihrem Umfeld wird gemobbt? Dann helfen die folgenden Schritte, das Mobbing zu beenden.


Nicht allein bleiben


Auch wenn die Sorgen und Ängste anfangs vielleicht nicht ernst genommen werden und es Überwindung kostet: Mobbing-Opfer sollten sich der Familie oder Freunden anvertrauen. Vielleicht gibt es auch Mitschüler und Arbeitskollegen, die einem den Rücken stärken können.

Mobbing-Tagebuch führen

Ein Mobbing-Tagebuch dokumentiert alle verbalen und nonverbalen Angriffe. Wer hat wann wie was gemacht? Es hilft dem Opfer, die Mobbing-Vorfälle zu belegen und die Schuld eindeutig von sich weisen zu können. Bei Cyber-Mobbing können zudem Screenshots von den Angriffen gemacht werden.

Selbstvertrauen aufbauen

Der private Rückhalt durch Familie und Freunde pusht das Selbstwertgefühl. Darüber hinaus helfen professionelle Kurse, in denen die Selbstbehauptung trainiert wird. Weiterer Vorteil: Man lernt andere Betroffene kennen und kann sich mit ihnen austauschen und gemeinsam Strategien gegen die Mobber überlegen.

Mobber gezielt ansprechen

Mit genug Selbstbewusstsein können sich Opfer gegen die Mobber zu Wehr setzen. Mit einer lauten Frage wie „Was soll der Quatsch?“ oder der deutlichen Ansage „Lasst mich in Ruhe, ich will das nicht!“ rechnen die Mobber nicht. Zudem machen Betroffene das Mobbing damit öffentlich. Direkte Fragen an den Mobber bringen ihn womöglich aus dem Konzept, und er lässt von selbst ab.

Autoritätspersonen einweihen

Lehrer, Vertrauenspersonen an der Schule, zu Hause oder bei der Arbeit sollten ebenfalls über das Mobbing Bescheid wissen. Bisweilen kann nur eine Autoritätsperson den Mobbern Einhalt gebieten und Konsequenzen ziehen.

stol

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