Sonntag, 22. Dezember 2019

Modeschöpfer Emanuel Ungaro 86-jährig gestorben

Er war den Frauen zugetan, manche nannten ihn den „Casanova der Pariser Mode“. Nun trauert die glitzernde Fashion-Hauptstadt um einen ihrer legendären Couturiers.

Emanuel Ungaro wurde 86 Jahre alt.
Emanuel Ungaro wurde 86 Jahre alt. - Foto: © APA (dpa) / Bettina Schwarzwälder

Der Modeschöpfer Emanuel Ungaro ist tot. Der Designer sei bereits am Samstag in Paris im Alter von 86 Jahren gestorben, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf seine Familie.

Ungaro hatte 2004 sein Haute-Couture-Haus, das er 1965 in Paris gegründet hatte, verlassen. „Er entwirft Kleider, als würde er die Frauen umarmen und ihnen sagen: Ich liebe Dich“ – so umschrieb der japanische Designer Issey Miyake die Arbeit seines Kollegen Ungaro. Dieser machte keinen Hehl daraus, den Frauen zugetan zu sein. Manche nannten ihn den „Casanova der Pariser Mode“. Er war verheiratet und hatte eine Tochter.

Ungaro galt in der Modehauptstadt Paris als ein Couturier der alten
Schule. Er zeichnete keine Skizzen, sondern arbeitete den Stoff
direkt auf den Körper eines Models. Aus den Lautsprechern in seinen
Ateliers klangen Opern von Verdi, Beethoven oder Mozart. Er kleidete
laut AFP berühmte Stars wie Gena Rowlands, Catherine Deneuve oder
Isabelle Adjani ein.

Den italienischen Namen verdankte Ungaro seinem Vater, einem
Schneider aus Apulien, der nach Südfrankreich ausgewandert war. In Aix-en-Provence erblickte Emanuel am 13. Februar 1933 als zweites
von 6 Kindern das Licht der Welt. Zwischen den Nähmaschinen der väterlichen Werkstatt spielend, erfasste ihn schon bald eine
Leidenschaft für die Mode.

Mit 22 verließ er seine Heimatstadt. Der Traum einer Anstellung
bei Cristobal Balenciaga, einem der bedeutendsten Couturiers jener
Zeit, zog ihn nach Paris. Insgesamt sechs Jahre blieb Ungaro im
„spanischen Kloster“, wie Balenciagas Atelier genannt wurde. Der
Baske duldete nur Männer um sich, alle trugen weiße Kittel. Frauen
durften bei ihm allenfalls nähen und verkaufen. Zwei Jahre nach der
Eröffnung seines eigenen Hauses konnte Ungaro 1967 an die mondäne
Avenue Montaigne umziehen.

Das Unmögliche möglich zu machen, bestimmte seinen Stil. So
kühn und opulent mischte wohl kein anderer die Muster, niemand wagte
diese Farbtiefen oder nahm mit ähnlichem Schwung die Drapierungen.
Diese mediterrane Leidenschaft prägte Ungaros Mode bis zuletzt.

In den 1990er Jahren schien sein Stern allerdings zu sinken. Die von Purismus und Sport geprägte Epoche ließ seine Muster plötzlich altbacken wirken. Er brauchte finanzielle Unterstützung und verkaufte 1996 die Mehrheitsanteile an das italienische Modeunternehmen Salvatore Ferragamo, blieb aber zunächst Herr im Haus.

apa

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