Dienstag, 22. März 2016

Mögliche Kindsentführung: Mädchen sagt aus

Der Mann habe sie im Eingangsraum des Unterlandler Supermarkts an der Jacke gepackt und versucht, mitzuzerren. Dabei habe er auf Italienisch gesagt, er wolle ihr ein Geschäft zeigen. Sie sei erschrocken und habe sich losreißen können.

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Foto: © shutterstock

So schilderte die 9-Jährige am Montag den Vorfall, dessentwegen ein Einwanderer seit Anfang März im Bozner Gefängnis sitzt. Der 30-Jährige riskiert eine Anklage wegen versuchter Kindesentführung, der Vorwurf könnte aber auch – merklich abgeschwächt – auf Nötigung lauten.

 Darauf zielt zumindest Verteidiger Nicola Nettis nach der Anhörung des Mädchens am Montag im geschützten Raum mit Einweg-Spiegel am Landesgericht ab. Der Rechtsanwalt des nigerianischen Migranten meint nämlich auf einige Ungereimtheiten im Vergleich zu bisherigen Schilderungen gestoßen zu sein.

Mann spricht kaum Italienisch

Während der Vorfall sich Zeugen zufolge vor dem Supermarkt abgespielt habe, soll das Mädchen erklärt haben, der Mann habe sich ihr im Eingangsraum des Geschäftes genähert und sie an der Jacke gepackt. Ihre Aussage, er habe sie in Italienisch angesprochen, werfe Fragen auf, da der Einwanderer kaum Italienisch kann.

Er verfolgte gestern mit der Bibel in der Hand und hinter dem Einweg-Spiegel – für das Opfer unsichtbar – dessen Aussage. Der Mann war auf einen Englisch-Übersetzer angewiesen, um zu verstehen, was das Mädchen sagte. Rechtsanwalt Nettis räumt ein, dass sein Mandant das Kind an der Jacke gezerrt habe; seine Handlung stelle aber eher den Straftatbestand der Nötigung dar als den eines Entführungsversuchs. Sollte Anklage auf Nötigung erhoben werden, strebe man einen Vergleich an.

rc

stol