Freitag, 23. Juni 2017

Monika Hauser: „Zum Handeln gibt es keine Alternative“

Die bekannte Südtiroler Ärztin Monika Hauser ist Mitbegründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale, die sich seit 25 Jahren für Frauen und Mädchen in Krisengebieten einsetzt, die körperliche und psychische Gewalt erlebt haben.

Monika Hauser zählt zu den Finalistinnen des Förderpreises „La Donna dell' Anno“. - Foto: DLife
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Monika Hauser zählt zu den Finalistinnen des Förderpreises „La Donna dell' Anno“. - Foto: DLife

Die Ärztin wurde nun vom Landesbeirat für Chancengleichheit für ihren unermüdlichen Einsatz für den Internationalen Förderpreis „Donna dell' Anno“  der Region Valle D'Aosta vorgeschlagen. Als eine der 3 Finalistinnen wurde ihr Schaffen mit einem Geldpreis von 10.000 Euro gewürdigt, der Hilfsprojekten für traumatisierte Frauen und Mädchen aus Kriegs-und Krisengebieten zu Gute kommt. Am Freitag war Monika Hauser in Bozen und hat auf Einladung von Landesrätin Martha Stocker und Ulrike Oberhammer, Präsidentin des Landesbeirates für Chancengleichheit für Frauen über ihre Organisation und über ihre Tätigkeiten berichtet.

In vielen Krisengebieten unterwegs

Monika Hauser wurde 1959 in der Schweiz als Kind Südtiroler Eltern geboren. Ihr Lebensweg hatte bereits in frühen Jahren viele internationale Stationen: Abitur in der Schweiz, Aufenthalte in Israel und Sri Lanka, Medizinstudium in Innsbruck, Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie in Essen. Köln wird schließlich ihr Lebensmittelpunkt.

Ende 1992 erfährt Hauser über die Medien von Massenvergewaltigungen an bosnischen Frauen während des Balkan-Krieges. Sie fährt mitten ins Kriegsgebiet, um zu helfen. Zusammen mit einem Team aus 20 einheimischen Ärztinnen und Psychologinnen errichtet sie in der Stadt Zenica ein Frauentherapiezentrum.

Organisation medica mondiale unermüdlich im Einsatz 

In Köln entsteht zu der Zeit das Büro des Vereins medica mondiale. Die Organisation führt seit dem Hilfsprojekte durch und schafft Unterstützungsnetzwerke vor Ort, die unmittelbar medizinische, psychologische und rechtliche Hilfe für Frauen anbietet und ihnen ermöglichen soll, trotz ihrer Erfahrung entwürdigender und zerstörerischer Gewalt ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.Weitere Therapiezentren folgten im Kosovo und Albanien.

Nach dem Sturz der Taliban folgen 2001 in Afghanistan Projekte zur medizinischen und psychologischer Betreuung von Frauen und Kampagnen gegen die Zwangsverheiratung von Mädchen im Kindesalter. Die Organisation ist außerdem vor allem im Kosovo, Albanien, Burundi, im Kongo, Irak, Kroatien, Liberia, Ruanda, Serbien, in der Türkei und Uganda tätig.

Für ein Leben in Würde und Gerechtigkeit

Über den Projektfond der Hilfsorganisation wurden zwischen 1993 und 2015 weltweit mehr als 48 Millionen Euro für Projekte in 27 Ländern zur Verfügung gestellt, unter teils sehr schwierigen Voraussetzungen wurde auch große Erfolge errungen.  "Wir wollen grundsätzlich weltweit, nachhaltig und hartnäckig Strukturen verändern und zwar auf ganzheitliche Art und Weise unter Kombination der praktischen Unterstützungsarbeit vor Ort und des Engagements auf politischer Ebene. Das ist eine schwierige Arbeit, doch wir haben bereits einiges erreicht. Ich tue diese Arbeit seit langem für die Würde von Frauen und auch für meine eigene Würde", beschrieb Monika Hauser ihre Arbeit. 

150.000 Frauen zurück ins Leben begleitet

Sie berichtete, dass medica mondiale gegründet wurde, weil es damals keine andere Organisation gab, die in diesem Bereich tätig war. Bis heute wurden über die Organisation 150.000 Frauen durch interdisziplinäre Teams  in Kriegsgebieten zurück ins Leben begleitet. Abgesehen von der direkten Arbeit mit den Frauen, die als Opfer einer Menschenrechtsverletzung ein Recht auf empathische Unterstützung haben, engagiert sich die Organisation auch dafür, die stigmatisierende Haltung der Gesellschaft zu verändern.

In den vergangenen Jahren hat sich medica mondiale daher auch verstärkt für die Ausbildung von Fachpersonal eingesetzt. So wurde im Nord-Irak Gesundheitspersonal, das in Flüchtlingslagern tätig ist, auf den professionellen Umgang mit traumatisierten Frauen vorbereitet.

Gewaltfreie Welt für Frauen und Mädchen als Vision

Vieles wurde getan, die Arbeit von medica mondiale und damit von Monika Hauser ist aber noch lange nicht zu Ende: "Unsere Gesellschaft und Politik braucht Visionen: es gibt in Europa derzeit ein fatales Ringen um richtige Wege, die Strukturen sind in Krise.

Einiges von dem, was derzeit geschieht war vorhersehbar, es braucht daher eine vorausschauende Politik. Doch auch die Zivilgesellschaft sollte mutiger und proaktiver sein und sich durch die Abgabe von Verantwortung nicht selbst entmündigen", lautet Hausers Appell an die Öffentlichkeit. 

Geflüchtete Frauen momentan im Fokus

Angesichts der Flüchtlingskrise gilt derzeit der Situation von geflüchteten Frauen besondere Aufmerksamkeit. „Donna dell' Anno“. Auf politischer Ebene setzt sich medica mondiale für die Europäische Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein, die nun endlich von der EU unterzeichnet worden ist. 

Insbesondere setzt sich Monika Hauser mit ihrer Organisation dafür ein, dass Vergewaltigung als System der Kriegsführung anerkannt und damit als Asylgrund zugelassen wird. Bisher war das nur in Ausnahmefällen der Fall.

Hauser mit zahlreichen Preisen geehrt

Die international anerkannte feministische Aktivistin für Frauen und Menschenrechte wurde dieses Jahr bereits mit weiteren Preisen und Auszeichnungen geehrt. Die Universität St.Gallen verlieh ihr die Würde einer Doktorin honoris causa der Staatswissenschaften, der Vorstand der deutschen Bundesärztekammer würdigte sie mit der Paracelsus-Medaille, dafür dass sie dank unermüdlicher Lobby-und Öffentlichkeitsarbeit das Thema der sexualisierten Kriegsgewalt auf die politische Tagesordnung setzt. 

stol

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