Montag, 31. Mai 2021

„Monsterprozess“ gegen Stahlkonzern Ilva: Hohe Haftstrafen

In der süditalienischen Stadt Tarent ist am Montag ein „Monsterprozess“ wegen schwerer Umweltverschmutzung und fahrlässiger Tötung mit hohen Strafen zu Ende gegangen. Ein Schwurgericht verurteilte den Ex-Eigentümer des Stahlkonzerns Ilva, Fabio Riva, zu 22 Jahren Haft und seinen Bruder Nicola zu 20 Jahren Haft. Weitere 2 hochrangige Ex-Manager der Stahlkonzerns wurden zu 21 Jahren Haft verurteilt.

Ein Hochofen des Ilva-Werks.
Ein Hochofen des Ilva-Werks. - Foto: © ANSA / WWW.ILVATARANTO.COM


44 Personen und 3 Gesellschaften des Stahlkonzerns Ilva mussten sich bei den 2016 begonnenen Prozess verantworten. Unter den Angeklagten war auch Nichi Vendola, Ex-Präsident der Region Apulien, zu der Tarent gehört. Er wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.



Ilva steht seit 2012 wegen schädlicher Emissionen aus dem Stahlwerk in Taranto im Visier der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft wirft den Ex-Eigentümern des Stahlwerks vor, Giftstoffe in der größten Fabrik im Süden des Landes emittiert zu haben, die zu überdurchschnittlich vielen Krebserkrankungen geführt haben sollen. 15 Mitarbeiter der Fabrik sollen zwischen 2004 und 2010 an den Auswirkungen von Asbest sowie weiterer krebserregender Stoffe gestorben sein.



Der inzwischen verstorbene Firmengründer Emilio Riva, sein Sohn Nicola und 6 Manager waren im Juli 2012 verhaftet worden. Ilva war 2013 unter Sonderverwaltung gestellt worden, nachdem die Behörden von der Eignerfamilie Riva 8,1 Milliarden Euro beschlagnahmt hatten.



Im Jänner 2016 hatte die italienische Regierung die Kontrolle über den Konzern übernommen, um rund 16.000 Arbeitsplätze zu retten.

Branchenprimus Arcelor Mittal hatte mit der italienischen Regierung im Oktober 2018 vereinbart, das verlustreiche Stahlwerk zunächst zu mieten, dann zu kaufen und einschließlich Kaufpreis 4,2 Milliarden Euro zu investieren. Im November 2019 hatte Arcelor Mittal jedoch mitgeteilt, aus dem Übernahmevertrag für Ilva auszusteigen. Dies hatte eine empörte Reaktion der italienischen Regierung ausgelöst, die die Jobs bei Ilva retten will.

Das Stahlwerk Ilva liegt im süditalienischen Apulien und ist für die Beschäftigung in der Region besonders wichtig. Mit Milliardeninvestitionen steigt der italienische Staat jetzt in den Aktionärskreis ein. Ab heuer soll der Staatsanteil bei Ilva 50 Prozent betragen, 2022 dann 60 Prozent. Mit staatlichen Geldern und Mitteln aus dem europäischen Aufbaufonds soll das Werk erneuert und umweltfreundlicher gestaltet werden.

apa