Der Staatsanwalt Andrea Petroni hat am gestrigen Montag am Ende des Anklageplädoyers im Prozess um den Mord an Giulia Cecchettin vor dem Schwurgericht von Venedig eine lebenslange Haftstrafe für Filippo Turetta gefordert. Der 22-jährige Ingenieurstudent wird beschuldigt, im November 2023 seine Ex-Freundin erstochen und ihre Leiche in einer Schlucht nahe eines Sees in der friulanischen Provinz Pordenone entsorgt zu haben.<BR /><BR />Der Staatsanwalt bestritt in seinem zweieinhalb Stunden langen Plädoyer einige Argumente der Verteidigung. Insbesondere machte er geltend, dass Turetta alle Möglichkeiten gehabt habe, die Wahrheit zu sagen, aber wiederholt vor den Ermittlern gelogen habe.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100745_image" /></div> <BR /><BR />„Es ist schwierig, an etwas anderes glauben zu können, als an einen vorsätzlichen Mord, der durch alle gesammelten Elemente bezeugt wird. Diese wurden nicht etwa von Filippo zur Verfügung gestellt, sie wurden durch die Untersuchungstätigkeit aus den Speichern seiner verschiedenen elektronischen Geräte gewonnen “, so Petroni bei der Anklageerhebung im Prozess. <h3> 75 Stichwunden zeugen von verzweifeltem Überlebenskampf</h3>Am Körper Giulias wurden mindestens 75 Stichwunden gefunden, davon 25 an den Armen, was den verzweifelten Verteidigungsversuch der Frau bezeuge. Der tödliche Messerstich durchtrennte eine Arterie am Hals und einen Wirbel. <BR /><BR />Der Staatsanwalt beschrieb Turettas Flucht in Richtung Piancavallo in Friaul, wo er die Leiche entsorgte. Als er dann nach einer Fahrt über Südtirol und Österreich Deutschland erreichte, stellte sich Turetta nicht etwa der Polizei. Er hatte kein Benzin mehr und bevor er um Hilfe rief, löschte er alle seine Computerdaten, warf Giulias Telefon und PC weg, wechselte seine Kleidung und entsorgte alles, was mit dem Mord in Verbindung gebracht werden konnte. <h3> Selbstmordabsichten bestritten</h3>Der Staatsanwalt berichtete, dass die Untersuchung mit äußerster Vorsicht durchgeführt worden wurde. Die Anklage stütze sich nur auf klare Tatsachen. Petroni bestritt auch die angeblichen Selbstmordabsichten Turettas auf der Grundlage psychiatrischer Untersuchungen, die zwischen September und Oktober 2023 durchgeführt wurden. Aus seinem Verhalten bei der Verhaftung in Deutschland sei klar hervorgegangen, dass er keine Selbstmordabsichten hatte. <BR /><BR /> Turetta verfolgte im Gerichtssaal das Anklageplädoyer des Staatsanwalts mit gesenktem Kopf. Er sass zwischen seinen Anwälten. Im Gerichtssaal herrschte totale Stille, als die Anklageschrift verlesen wurde. Turetta war bereits am 28. Oktober zur Vernehmung vor den Richtern erschienen.