Von Thomas Hörmann <BR /><BR />Nach dem mutmaßlichen Mord an einer Innsbrucker Syrerin und deren zehnjähriger Tochter ist die Erschütterung groß. Auch in einem Wohnblock im Innsbrucker Osten, in dem an einer Wohnungstür das rote Polizeisiegel klebt. „Da passiert so etwas Schreckliches und dann auch noch so nahe“, sagt eine Nachbarin gegenüber tt.com. Nur wenige Meter von ihrer Eingangstür entfernt entdeckten Polizeibeamte am Freitag in der Nachbarwohnung in zwei Kühltruhen hinter einer eigens errichteten Rigipswand die Leichen der 34-Jährigen und ihrer Tochter. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/mutter-und-tochter-10-tot-in-innsbrucker-wohnung-aufgefunden-mordverdacht" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet</a>, wurden bereits im Juni ein 55-jähriger Tiroler und sein Bruder (53) festgenommen. Die Gründe: Verdacht des zweifachen Mordes bzw. Beihilfe bei der Verschleierung.<h3> Versteckte Stromleitung</h3>So war es die Wohnung des 53-Jährigen, die 16 Monate lang als Versteck für die beiden Leichen diente. In der Nachbarschaft ist der angebliche Komplize kaum bekannt: „Der war nie da. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren vielleicht zwei- oder dreimal im Stiegenhaus gesehen“, so die Zeugin. Wie ausgeklügelt das Versteck für die Kühltruhen mit den beiden Leichen war, verriet am Mittwoch Julia Klingenschmid, Sprecherin der Innsbrucker Staatsanwaltschaft.<BR /><BR />Es wurden eigene Leitungen gelegt, um die Tiefkühlschränke mit Strom zu versorgen. Dazu wurden vom Boden bis zur Decke reichende Trockenbauwände aufgebaut und diese dann „schön verputzt und geweißelt“, so Klingenschmid: Von außen sei der Bereich unauffällig gewesen, habe wie ein „normales Eck“ gewirkt. So ist es auch verständlich, dass die Kühltruhen mit den Toten bei einer Hausdurchsuchung im Juni unentdeckt blieben.<BR /><BR />Der Bruder des Wohnungsbesitzers, für die Staatsanwaltschaft der Hauptbeschuldigte, ist längst polizeibekannt. Allerdings nicht als Täter, sondern als Opfer: Vor rund zehn Jahren verlor der heute 55-Jährige bei einem brutalen Überfall beinahe sein Leben. Mehrere maskierte Täter prügelten ihn bewusstlos. Drei Monate war der Mann außer Gefecht. Der Überfall blieb ungeklärt.<h3> Geschenke vom Chef</h3>Zuletzt arbeitete der Hauptbeschuldigte als Filialleiter in einem Supermarkt. Dort lernte er auch die syrische Mitarbeiterin kennen. Eine „fleißige und zuverlässige Frau“, hieß es am Dienstag bei der Pressekonferenz der Polizei. Wie ein Freund der Opfer-Familie erzählt, fand der Chef offenbar Gefallen an der hübschen Mitarbeiterin: „Er machte ihr viele Geschenke, gab sich als väterlicher Freund, wollte aber offenbar mehr.“ Mehr, als die junge Mutter zu geben bereit gewesen sei, vermutet der Zeuge. <BR /><BR />Nachsatz: „Da starben ganz liebe Menschen, die niemandem etwas zuleide getan haben. Ein zehnjähriges Kind wurde auf der Flucht in ein besseres Leben geboren, jetzt ist es tot.“ Mit leicht zynischem Unterton verweist der Freund der Familie darauf, dass sich der Chef den Gegenwert für die Geschenke zurückgeholt habe: „Er hat ja den Schmuck der Frau und wohl auch andere Wertgegenstände verkauft.“<BR /><BR />Das war nach dem 21. Juli 2024, an dem die Mutter samt Tochter zunächst spurlos verschwand. Tatsächlich bemerkten die LKA-Ermittler damals, dass der Filialleiter ein Willhaben-Konto eröffnet und dort Möbel der Vermissten inseriert hatte. Allerdings löschte er die Anzeige rasch wieder. „Ein paar Möbel hat er dennoch veräußert“, heißt es aus dem Umfeld der Opferfamilie. Außerdem wechselte laut Polizei ein vierstelliger Eurobetrag vom Konto der Syrerin auf das des Hauptbeschuldigten. Das war nach dem Verschwinden der Syrerin.<h3> Suche nach Todesursachen</h3>Obwohl die Ermittler bereits zahlreiche Indizien für den Mordverdacht zusammentrugen, fehlen noch zwei vielleicht entscheidende Teile im Puzzle: Die Ursachen für den Tod der Mutter und ihrer Tochter. Diese sind aufgrund der Verwesung der Leichen noch ungeklärt. „Das macht die Aufgabe für unseren Berufsstand nicht leichter“, erklärt ein erfahrener Gerichtsmediziner im TT-Gespräch. Dennoch ließen sich in einer solchen Situation noch Befunde erheben. „Selbst wenn nur mehr ein Skelett vorhanden ist, kann bei einer Obduktion ein Erwürgen nachgewiesen werden, weil dabei meist der Kehlkopf bricht. Schlagverletzungen lassen sich ebenso erkennen. Oder Stiche, zumindest dann, wenn dabei Knochen getroffen werden.“<BR /><BR />Die starke Verwesung ist vermutlich die Folge eines Stromausfalls, der seit August die Kühlung der Leichen verhinderte. Für die Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.