Freitag, 30. Juli 2021

Mord in Bruneck: Eine Tatversion und viele offene Fragen

Die Autopsie am Mordopfer Maxim Zanella könnte am heutigen Freitag klären, ob Oskar Kozlowski bislang die Wahrheit gesagt hat oder nicht.

Das Mordopfer Maxim Zanella.
Badge Local
Das Mordopfer Maxim Zanella. - Foto: © FB
Seinen Verteidigern gegenüber bestätigte der 23-Jährige – er steht unter dringendem Verdacht, in der Nacht auf Mittwoch Maxim Zanella (30) in dessen Wohnung in Bruneck getötet zu haben – am Donnerstag im Gefängnis jene Version, die er kurz nach der Bluttat den Carabinieri gegenüber ausgesagt hatte. Über Motiv und Verbleib der Tatwaffe und des Mobiltelefons des Opfers herrscht aber weiter Unklarheit.

Er sei ins Krankenhaus gegangen und habe dem Portier dort erzählt, er habe seinen Bekannten verletzt und wo dieser zu finden sei. So lautet die Version, die der aus Polen gebürtige 23-Jährige seinen Verteidigern bestätigt haben soll.

Er habe zu keinem Zeitpunkt geglaubt, dass er Maxim Zanella getötet habe. Wiederholt habe er sich nach dem Befinden seines Bekannten erkundigt, bis man ihm mitgeteilt habe, dass der gestorben sei, soll Kozlowski seinen Verteidigern gegenüber berichtet haben.

Zugestochen habe er mit einem Taschenmesser, das er immer bei sich trage. Ob es zwischen ihm und dem Opfer zum Streit gekommen sei, bestätigte Kozlowski nicht. Laut Ermittlern soll weder der 23-Jährige Verletzungen aufweisen, noch seien in Zanellas Wohnung, in der sich die Bluttat abgespielt hat, Spuren einer Auseinandersetzung gefunden worden.

Oskar Kozlowskis Hang zum Satanismus

Warum er zugestochen hat, darüber soll Oskar Kozlowski bislang keine Angaben gemacht haben. Wie berichtet, gehen die Ermittler davon aus, dass Drogenkonsum mit eine Rolle gespielt haben könnte.

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Tat im Zusammenhang mit einem satanistischen Ritual stehen könnte. Kozlowski dürfte Anhänger des Satanismus sein. Ein Tattoo am Oberarm mit 666 (das Zeichen für den Antichristen, Anm. d. Red.) lässt auf die Gesinnung des jungen Mannes schließen. Auch sollen bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung Kozlowskis Gegenstände sichergestellt worden sein, die auf einen Hang zum Satanismus schließen lassen.

Haftprüfung am Samstagvormittag

Bleibt abzuwarten, ob Kozlowski bei der Haftprüfung – sie findet voraussichtlich am Samstagvormittag im Bozner Gefängnis statt – Aussagen zum Tatmotiv macht. Laut Verteidigung will der 23-Jährige dem Richter ausführlich Rede und Antwort stehen. So zumindest hat er es beim Treffen mit den Anwälten angekündigt. Bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am Tag nach dem Mord hatte er noch jegliche Aussage verweigert.

Klarheit schaffen könnte er dem U-Richter gegenüber über den Verbleib der Tatwaffe und des Mobiltelefons des Opfers. Laut Kozlowski habe er Messer und Handy beim Verlassen von Zanellas Wohnung in die Rienz geworfen. Wie berichtet, verlief eine Suche am und im entsprechenden Flussabschnitt durch Freiwillige Feuerwehr und Wasserrettung ergebnislos.

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen



Der genaue Todeszeitpunkt und die Todesursache sollte die Autopsie ergeben, die der Veroneser Pathologe Dr. Dario Raniero am Freitagvormittag an Maxim Zanellas Leiche durchgeführt hat.

Die Verteidigung verzichtet auf einen eigenen Gutachter. Der genaue Todeszeitpunkt könnte Aufschluss darüber geben, ob Kozlowski bisher die Wahrheit gesagt hat. Immerhin hat er den Carabinieri gegenüber angegeben, er habe den späten Dienstagabend mit dem Opfer in dessen Wohnung verbracht.

Zu klären ist, wieso er ins Krankenhaus gegangen ist und nicht den Notruf gewählt hat, nachdem er zugestochen hatte. Laut eigenen Angaben habe er für seinen verletzten Bekannten Hilfe holen wollen. Ob diese Aussagen stimmen, dürfte ebenfalls die Autopsie klären, bei der festgestellt werden soll, ob der Stich in den unteren Halsbereich sofort tödlich war.

Möglicherweise versucht, Tat zu verschleiern

Eine der Kernfragen, die die Ermittler zu lösen haben, ist zudem, wieso der junge Mann, nachdem er laut eigenen Angaben zugestochen hatte, Messer und Mobiltelefon des Opfers entsorgt hat. Dies könnte darauf schließen lassen, dass er versucht haben könnte, die Tat zu verschleiern.

Auch diese Frage könnte geklärt werden, sobald der genaue Todeszeitpunkt feststeht. Derzeit lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Kozlowski, der in U-Haft sitzt, auf vorsätzlichen Mord. Die Ermittlungen müssen nun zeigen, ob noch weitere erschwerende Punkte gegeben sind.

Der Vater des Mordopfers, Carlo Alberto Zanella, hat auf Facebook Abschied von seinem Adoptivsohn genommen.

Seit Jänner 2020 haben 7 Morde Südtirol erschüttert. Zwar konnten alle Tatverdächtigen ausgeforscht werden, aber in keinem einzigen der Mordfälle gibt es bislang ein Urteil. Mehr dazu lesen Sie im s+ Artikel.

em