Samstag, 08. August 2015

Mord in Meran: "Strazzer kann sich an nichts erinnern"

Noch fehlt die Bestätigung, ob der 58-jährige Riccardo Strazzer in der Nacht auf Freitag seinen 43-jährigen Freund Peter Cristina in dessen Wohnung in der 4.-November-Straße in Meran erstochen hat. Der dringend Tatverdächtige sitzt zwar im Bozner Gefängnis, Geständnis hat er aber keines abgelegt. Wie sein Pflichtverteidiger Nicola Nettis am Samstag bestätigte, könne sich Strazzer weiterhin an nichts erinnern.

Das Mordopfer Peter Cristina (links) und der mutmaßliche Täter Riccardo Strazzer (Fotos: Juan Pablo Acero)
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Das Mordopfer Peter Cristina (links) und der mutmaßliche Täter Riccardo Strazzer (Fotos: Juan Pablo Acero)

Alles deutet darauf hin, dass Riccardo Strazzer (58) aus Meran seinen Bekannten Peter Cristina (43) in dessen Wohnung in der IV.-November-Straße in Meran erstochen hat. Der mutmaßliche Täter hatte am späten Donnerstagabend selbst Alarm geschlagen. 

„Oh Gott, oh Gott! Ich habe meinen Freund ermordet!“ Mit diesen Worten hatte sich ein hörbar verwirrter Mann mehrfach bei den Notrufnummern 112 (Carabinieri), 113 (Polizei) sowie bei der Landesnotrufzentrale (118) gemeldet. Sofort hatten sich Carabinieri und Polizei auf die Suche nach dem Anrufer gemacht. Zumal der Mann aber keine genauen Angaben zu seinem Aufenthaltsort gemacht hatte, mussten die Sicherheitskräfte erst den Standort des Anrufers ausmachen.

Mutmaßlicher Täter dank Telefonortung gefunden

Dank einer Telefonortung konnte der Anrufer schließlich ausgemacht werden. Vor der Pizzeria „Stelvio“ in der IV.-November-Straße wurde er von den Carabinieri angehalten. Es handelt sich um den aus Meran gebürtigen Riccardo Strazzer (58). Den Beamten gegenüber soll er erneut angegeben haben, seinen Freund in dessen Wohnung – diese liegt im dritten Stock des direkt an die Pizzeria angrenzenden Gebäudes – erstochen zu haben. Er händigte den Carabinieri die Wohnungsschlüssel aus.

In der Miniwohnung fanden die Beamten in einer großen Blutlache die Leiche eines Mannes. Nur wenig daneben das blutverschmierte Küchenmesser, mit dem der Täter auf sein Opfer eingestochen hatte. Beim Toten handelt es sich um den ebenfalls aus Meran gebürtigen Peter Cristina (43). Dieser soll die Wohnung in dem Gebäude in der IV.-November-Straße gemietet haben.

Strazzer wurde unter dem dringenden Verdacht, Cristina mit dem Küchenmesser ermordet zu haben, in die Carabinieri-Kaserne von Meran gebracht. Dort wurde er noch in der Nacht von Staatsanwalt Andrea Sacchetti verhört.

Strazzer hatte Blutflecken auf der Kleidung 

Erhärtet wird der Verdacht gegen Strazzer, weil sowohl an dessen Kleidung als auch an seinen Schuhsohlen Blutspritzer sichergestellt worden sind. Ebenfalls gegen den 58-Jährigen spricht, dass er die Schlüssel zur Wohnung bei sich trug, in der sich die Bluttat zugetragen hat.

Über den Hergang und das Tatmotiv hat Riccardo Strazzer zu den Ermittlern allerdings noch nichts gesagt. Auch ein Geständnis hat er beim Verhör nicht abgelegt. Aufgrund des völlig verwirrten Zustandes, in dem sich Strazzer befunden haben soll, riet ihm sein Pflichtverteidiger Nicola Nettis, von seinem Recht Gebrauch zu machen, die Aussage zu verweigern. 

Aufgrund der schwerwiegenden Indizien wurde Riccardo Strazzer in der Nacht auf Freitag gegen 2.30 Uhr schließlich auf Anweisung von Staatsanwalt Sacchetti unter dem dringenden Verdacht auf vorsätzlichen Mord festgenommen und noch in der Nacht ins Bozner Gefängnis gebracht. 

Pflichtverteidiger Nettis bestätigte am Samstag auf Anfrage der Sonntagszeitung "Zett", dass sich sein Mandant an nichts erinnert (mehr dazu nachzulesen am Sonntag in der "Zett").

Haftprüfung vermutlich am Montag

Voraussichtlich am Montag wird Riccardo Strazzer dem Richter Emilio Schönsberg zur Haftprüfung vorgeführt und hat dort die nächste Gelegenheit, ein Geständnis abzulegen.

Beamte der Spurensicherung der Carabinieri hatten in der Tatnacht die Miniwohnung akribisch durchsucht. Wie eine erste Leichenschau ergeben hat, soll die Leiche mehrere Messerstiche am ganzen Körper aufweisen. Einen Stich soll Cristina auch am Hals erlitten haben. Welcher Stich zum Tod geführt hat, muss erst noch eine Autopsie zeigen.

stol