Sonntag, 31. Januar 2016

Mord nach Ehe-Hölle: Frankreichs Präsident lässt Gnade walten

Sie wurde geschlagen, ihre Kinder wurden missbraucht. Nach 47 Jahren Pein erschoss sie ihren Mann. Nun hat Frankreichs Staatschef die Frau, die zur Ikone im Kampf gegen eheliche Gewalt geworden ist, begnadigt.

Umstrittener Akt: Francois Hollande hat eine Mörderin begnadigt.
Umstrittener Akt: Francois Hollande hat eine Mörderin begnadigt. - Foto: © LaPresse

Wird der Präsident die Mörderin begnadigen? Das fragten sich nicht nur bangend die Kinder von Jacqueline Sauvage seit ihrem Bittbesuch bei François Hollande. Halb Frankreich wartete auf die Antwort des Staatschefs.

Hollande gab nun dem Gesuch der Familie und dem Druck der Straße nach. Der Fall der 66-Jährigen, die nach 47 Jahren Ehe-Hölle ihren Mann erschossen hatte, bewegte seit Wochen die Nation. Politiker, Künstler und Frauenvereinigungen setzten sich für ihre Entlassung ein. Nun hat der Präsident von seinem Recht Gebrauch gemacht und die zu zehn Jahren Gefängnis verurteilte Frau begnadigt.

2012 griff die Frau zur Waffe

Die Begnadigung erlaube ihr, umgehend einen Antrag auf Haftentlassung unter bestimmten Bedingungen zu stellen, teilte der Präsidentenpalast am Sonntagabend mit. Der Präsident wollte angesichts einer außergewöhnlichen menschlichen Situation die Rückkehr von Frau Sauvage in den Kreis ihrer Familie ermöglichen.

Jacqueline Sauvage soll 47 Jahre lang von ihrem Mann brutal behandelt worden sein, auch ihre Töchter wurden misshandelt und geschlagen, heißt es.

Am 10. September 2012 tötete die Frau ihren Peiniger mit drei Schüssen in den Rücken. Der Tat ging anscheinend ein handgreiflicher Streit um ihren Sohn voraus, der in dem Transport-Familienunternehmen nicht mehr Chauffeur sein wollte. Was die Frau zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Ihr Sohn hatte sich in seiner Wohnung erhängt.

dpa

stol