Samstag, 08. August 2020

Mordfall Barbara Rauch: Prozessfähigkeit am Prüfstand

Ist Lukas Oberhauser (25) imstande, einem Strafverfahren zu folgen, und war er zu dem Zeitpunkt, als er – wie ihm vorgeworfen wird – Barbara Rauch (28) getötet hat, zurechnungsfähig? Mit der Beantwortung dieser beiden Fragen wird U-Richter Andrea Pappalardo am 16. September einen psychiatrischen Gutachter betrauen, wie das Tagblatt „Dolomiten“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

Am Morgen des 10. März wurde Barbara Rauch im „Bordeauxkeller“ in Eppan tot aufgefunden.
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Am Morgen des 10. März wurde Barbara Rauch im „Bordeauxkeller“ in Eppan tot aufgefunden. - Foto: © DLife/DF
Lukas Oberhauser steht unter dem dringenden Verdacht, Barbara Rauch in der Nacht auf den heurigen 10. März in ihrem Lokal „Bordeauxkeller“ in Eppan mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Oberhauser sitzt im Bozner Gefängnis in U-Haft.

Sein Verteidiger Karl Pfeifer hat ein psychiatrisches Gutachten im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens beantragt – ein Antrag, dem jetzt stattgegeben wurde. Voraussichtlich wird der U-Richter Dr. Ivano Simioni, Facharzt für Psychiatrie am Krankenhaus Bruneck, mit der Erstellung des Amtsgutachtens beauftragen.

Den psychischen Zustand des Tatverdächtigen prüfen zu lassen, erhält durch die Vorgeschichte des Mordes eine besondere Relevanz. Wie berichtet, hatte Barbara Rauch Oberhauser wegen Stalking angezeigt. Über ein Jahr lang soll Oberhauser sie belästigt haben.

Infolge der Anzeige wurde er mit einem Kontakt- und Annäherungsverbot belegt. Die Schutzmaßnahmen wurden sofort verschärft, nachdem er im Sommer 2019 gegen die Auflagen verstoßen hatte.

Durch diese Verschärfung war es möglich, die einstweilige Verfügung länger als 6 Monate lang aufrecht zu erhalten. Gelockert wurden die Auflagen erst, nachdem sich Oberhauser monatelang ruhig verhalten hatte – die Eskalation vom heurigen 10. März kam völlig unerwartet. Bezeichnend ist, dass zwischen Rauch und Oberhauser nie eine Beziehung bestanden, er sich aber allem Anschein nach auf sie fixiert hatte. Inwieweit auch dies auf eine potenzielle Einschränkung der Einsichts- und Willensfähigkeit des 25-Jährigen hinauslaufen könnte, ist einer der beiden Punkte, den der Amtsgutachter abklären soll.

Der zweite Punkt betrifft Oberhausers Prozessfähigkeit. Ihm droht ein Schwurgerichtsverfahren. Ein verkürztes Verfahren, das eine automatische Reduzierung des Strafmaßes von einem Drittel vorsehen würde, ist seit Mai vorigen Jahres für Kapitalverbrechen nicht mehr möglich.

rc

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