Samstag, 10. April 2021

Mordfall Barbara Rauch: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Bozner Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Lukas Oberhauser habe vorgehabt, Barbara Rauch zu ermorden, als er zu ihr fuhr. Eine der beiden Tatwaffen – ein Messer, das seine Initialen trage – habe er selbst mitgebracht, und er habe den günstigsten Moment abgepasst, um zuzuschlagen. Sollte Oberhauser in diesem Sinne für schuldig befunden werden, droht lebenslange Haft.

Im „Bordeauxkeller“ in Eppan war Barbara Rauch im März 2020 getötet worden.
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Im „Bordeauxkeller“ in Eppan war Barbara Rauch im März 2020 getötet worden. - Foto: © DLife/DF
Lukas Oberhauser (25) habe den Angriff auf Barbara Rauch (28) sorgfältig vorbereitet, indem er sich ein Bild von ihren Alltagsgewohnheiten gemacht habe. Als er am 9. März 2020 sein Haus verließ, um zu ihr nach Eppan zu fahren, habe er ein Küchenmesser mitgenommen und habe dann den Moment abgewartet, bis alle Gäste den „Bordeauxkeller“ verlassen hatten, um seine Tat auszuführen. Ein Tötungsdelikt mit Vorbedacht also – so schaut es für die Staatsanwaltschaft aus, die am gestrigen Freitag Anklage gegen Oberhauser erhoben hat.

Bei Vorliegen dieses Erschwernisgrundes sieht der Gesetzgeber eine lebenslange Haftstrafe vor und schließt die Möglichkeit, ein verkürztes Verfahren zu beantragen, aus. Dies ginge nur bei „entschärfter“ Anklage.




Im Raum stehen aber noch 3 weitere Erschwernisgründe: Oberhauser habe zeitliche, örtliche und persönliche Umstände ausgenutzt, die eine Abwehr hätten verhindern können (es war Nacht, Barbara Rauch war allein im Lokal), er habe mit Grausamkeit gehandelt und das Opfer sei eine Person, die er über einen längeren Zeitraum massiv gestalkt habe.

Das Verfahren wegen Stalking wird am 6. Mai mit dem Mordverfahren zusammengelegt; Vorverhandlungsrichterin Carla Scheidle entscheidet dann über den Antrag auf Einleitung des Hauptverfahrens. Im Zusammenhang mit dem Mord wird Oberhauser, der im Bozner Gefängnis in vorbeugender Verwahrungshaft sitzt, zur Last gelegt, seinem Opfer mindestens 37 Verletzungen zugefügt zu haben – teils mit dem mitgebrachten Küchenmesser, das seine Initialen trug, teils mit einem kürzeren Barmesser. Barbara Rauch erlag einer inneren Blutung. Tödlich war jener Stich, der den rechten Herzvorhof getroffen hatte.

Anklage: Beschimpft, beleidigt, verfolgt

Das Stalking habe laut Anklage im Frühjahr 2018 begonnen und ungefähr ein Jahr lang gedauert, bis Barbara Rauch eine einstweilige Verfügung gegen Oberhauser erwirkte: Er wurde mit einem Kontakt- und Annäherungsverbot belegt, auch unter Hausarrest wurde er gestellt (wie er selbst in einem Schreiben an Rauch beklagte). Gelockert wurden die Auflagen erst, nachdem sich Oberhauser monatelang ruhig verhalten hatte.




Dieser Ruhe, die sich in der Folge als trügerisch erweisen sollte, waren unzählige Nachrichten vorausgegangen, in denen Oberhauser Barbara Rauch und ihren Partner wüst beschimpft und beleidigt hatte. Mehrmals forderte er Geld zurück, das er ihr geliehen habe, und sparte laut Anklage nicht mit Drohungen, sollte er die Summe nicht umgehend erhalten.

Obwohl Barbara Rauch ihm klar zu verstehen gegeben habe, dass sie nicht interessiert sei, habe er sie weiter mit Liebesbezeugungen wie Nachrichten und teueren Geschenken (bis zu 10.000 Euro wert) belästigt. Weiters wird dem 25-Jährigen vorgeworfen, sich falsche Facebook-Profile zugelegt zu haben, um unter diesen Namen negative Rezensionen über den „Bordeauxkeller“ zu hinterlassen, ebenso Beschimpfungen und Anschuldigungen.

Mehrfach habe er bei Barbara Rauchs Wohnung geklingelt, sie bis zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause verfolgt und ihr Nachrichten mit beunruhigenden Bildern geschickt. Nicht zuletzt all diese Verhaltensweisen waren mit ein Grund, dass für Oberhauser eine psychiatrische Beurteilung angesetzt worden war. Wie berichtet, hatte ihn der Amtssachverständige für zum Tatzeitpunkt einsichts- und willensfähig befunden. Die Gutachter der Verteidigung gehen hingegen von einer eingeschränkten Zurechnungsfähigkeit aus.

rc