Nach ihren bisherigen Erkenntnissen wurden im September 2007 im Labor der Carabinieri-Spezialeinheit RIS in Parma zwei weitere Tests mit dem Material von den Pedalen durchgeführt - beide mit negativem Ergebnis. In den damaligen Ermittlungsakten sollen diese Untersuchungen jedoch nicht dokumentiert worden sein.<BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit knapp zwei Jahren erneut im Mordfall Garlasco, bei dem es um den Mord an der Wirtschaftsstudentin Chiara Poggi geht. Nach ihrer aktuellen Rekonstruktion könnte die DNA von Poggi entgegen der damaligen Darstellung überhaupt nicht auf den Pedalen von Stasis Fahrrad vorhanden gewesen sein. Die Ermittler stützen sich dabei unter anderem auf elektronische Rohdaten der Laborgeräte, die erst später gesichert wurden.<BR /><BR />Im Mittelpunkt steht eine Probe, die am 11. September 2007 von den Pedalen eines beschlagnahmten Herrenfahrrads genommen wurde. Einen Tag zuvor waren an dem Fahrrad Untersuchungen auf Blutspuren mit Luminol durchgeführt worden. Beide Tests waren negativ. In den Ermittlungsakten habe sich davon jedoch keine Spur gefunden.<BR /><BR />Entscheidend für die neue Rekonstruktion sind sogenannte „Raw Data“ - die unveränderten Rohdaten der Laborgeräte. Die Staatsanwaltschaft Pavia erhielt diese Unterlagen nach eigenen Angaben am 6. November 2025 vom RIS. Darin fanden die Ermittler Hinweise auf die beiden negativen Kontrollanalysen vom 20. September 2007.<BR /><BR />Auch genetische Experten der Verteidigung Stasis und von der Staatsanwaltschaft beauftragte Sachverständige sollen bei der Auswertung zu übereinstimmenden Ergebnissen gekommen sein: Die beiden negativen Untersuchungen seien in keinem der damaligen Verfahrensdokumente zu finden.<BR /><BR />Die neuen Erkenntnisse beschäftigen inzwischen auch die damaligen Verantwortlichen des RIS. Mehrere Carabinieri, die 2007 an den Untersuchungen beteiligt waren, wurden von den Ermittlern befragt. Am Freitag wurde auch der damalige RIS-Kommandant Luciano Garofano vernommen.<BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft Pavia untersucht nun, wie die widersprüchlichen Analyseergebnisse zustande kamen und warum die beiden negativen Tests nicht in den damaligen Akten auftauchten. Damit steht ein zentraler Baustein der Beweisführung im Fall Garlasco erneut im Mittelpunkt der Ermittlungen,die am Montag offiziell abgeschlossen wurden. Nun muss ein Gericht über die Eröffnung eines Verfahrens gegen des des Morden angeklagten Andrea Sempios entscheiden.