Donnerstag, 27. Juni 2019

Mordfall Oberhollenzer: Von hinten erdrosselt

Maria Magdalena Oberhollenzer wurde mit dem Gürtel ihres Bademantels erdrosselt – die Person, die den Gürtel hielt, stand hinter ihr. Zu diesem Schluss ist der Gutachter der Staatsanwaltschaft gekommen. Der Tatverdächtige Patrick Pescollderungg hatte von einem tragischen Unfall bei einvernehmlichem Sex gesprochen; die Ermittler stellen diese Einvernehmlichkeit in Frage.

Laut dem Gutachten stand die Person, die Oberhollenzer den Gürtel um den Hals geschlungen und zugezogen hatte, hinter ihr.
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Laut dem Gutachten stand die Person, die Oberhollenzer den Gürtel um den Hals geschlungen und zugezogen hatte, hinter ihr.

Laut medizinischem Gutachten habe Maria Magdalena Oberhollenzer am Tag ihres Todes reichlich Alkohol getrunken, sie hatte 3,7 Promille im Blut. Angesichts des durch Alkohol getrübten Zustandes ist für die Ermittler fraglich, ob man von einvernehmlichem Sex sprechen kann bzw. ob sich die Frau wirklich vollkommen bewusst war, was mit ihr passierte. Wie berichtet, war die 54-Jährige am 27. Dezember vorigen Jahres leblos auf ihrem Bett in ihrer Wohnung in St. Georgen aufgefunden worden. Sie trug nur einen Bademantel. Angesichts dieser Tatsache gingen die Ermittler sofort davon aus, dass die Frau den Täter gut kannte und ihn wohl freiwillig hereingelassen haben dürfte.

Der Verdacht, wonach Oberhollenzer mit dem Gürtel des besagten Bademantels erdrosselt wurde, hat sich jetzt bestätigt. Allerdings hat der Gutachter den Hergang anders rekonstruiert, als es der wegen Mordverdachts verhaftete Patrick Pescollderungg (34) getan hatte. Er soll betont haben, dass der Tod der 54-jährigen, zu der er in regelmäßigem Kontakt gestanden habe, ein tragischer Unfall während eines erotischen Spiels gewesen sei. Der Sex sei einvernehmlich gewesen, und er habe vor der Frau gestanden.

Vor 2 Tagen hat der Richter der Tatsache Rechnung getragen, dass Pescollderunggs Familie ihn aufnehmen wollte und dem 34-Jährigen den Hausarrest zugestanden. - Foto: Facebook

Laut Gutachten wurde Oberhollenzer von hinten erdrosselt, nicht von vorne

Laut dem Gutachten stand die Person, die Oberhollenzer den Gürtel um den Hals geschlungen und zugezogen hatte, aber hinter ihr. Auch im Falle potenzieller Einvernehmlichkeit, von der die Ermittler angesichts von Oberhollenzers Blutalkoholgehalt nicht überzeugt sind, sei das Risiko derartiger Sexspiele ungleich schwerer kalkulierbar, wenn man dem Partner nicht ins Gesicht sehen könne: Man habe weniger Chancen, rechtzeitig zu reagieren, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen sollten.

Und das sind sie offensichtlich am fatalen Abend des 26. Dezember. Im Jänner war Pescollderungg unter dringenden Tatverdacht geraten, die Ermittler sollen auch sein Telefon abgehört haben. Als ein Gespräch den Verdacht aufkommen ließ, dass der 34-Jährige sich absetzen könnte, wurde er verhaftet. Obwohl er sich geständig zeigte – von Anfang an mit der Beteuerung, dass Oberhollenzers Tod ein Unglück war – entschied der U-Richter, dass aufgrund potenzieller Fluchtgefahr das Gefängnis der sicherste Aufenthaltsort sei. Vor 2 Tagen hat der Richter der Tatsache Rechnung getragen, dass Pescollderunggs Familie ihn aufnehmen wollte und dem 34-Jährigen den Hausarrest zugestanden. Nun ist noch die DNA-Analyse vom Tatort, die das RIS in Parma durchführt, ausständig, dann dürften die Ermittlungen abgeschlossen sein.

D/rc

stol