Mittwoch, 01. Juli 2020

Mordfall Obrist: Pochen auf Psycho-Gutachten

Die Verteidiger von Badr Rabih, der in 2 Instanzen wegen Mord an seiner Lebensgefährtin Marianne Obrist verurteilt worden ist, haben das Kassationsgericht angerufen. Kernpunkt ihrer Beschwerde ist, dass ihr Mandant keinem psychiatrischen Gutachten unterzogen worden sei.

Badr Rabihs Anwälte pochen auf das Fehlen eines psychologischen Gutachtens.
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Badr Rabihs Anwälte pochen auf das Fehlen eines psychologischen Gutachtens. - Foto: © DLife/Fiorentino
Das Berufungsschwurgericht hatte im Dezember vorigen Jahres ein entsprechendes Gutachten als nicht unerlässlich für die Urteilsfindung eingestuft, der Antrag der Verteidigung wurde abgelehnt.

In der Folge bestätigte das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Silvia Monaco im Wesentlichen das Urteil aus erster Instanz, in der Badr Rabih von Richter Peter Michaeler im verkürzten Verfahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war.

Er wurde für schuldig befunden, seine Lebensgefährtin Marianne Obrist am 21. August 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Milland getötet zu haben. Zuerst habe er sie mit einem Besenstiel, dann mit einem Baseballschläger und schlussendlich mit einem Messer so schwer verletzt, dass die 39-Jährige noch am Tatort starb. Badr Rabih hatte immer beteuert, dass er keine Tötungsabsicht gehegt habe. Und das ist der zweite Punkt, auf den Verteidiger Flavio Moccia und Nicola Nettis in ihrer jetzt eingereichten Kassationsbeschwerde setzen.

Nicht Mord, sondern schwere Körperverletzung mit Todesfolge

Marianne Obrist sei vornehmlich an Armen und Beinen verletzt worden. Die Schläge seien gegen keinen Bereich des Körpers gerichtet gewesen, an dem sich lebenswichtige Organe befinden. Deshalb sei das Vergehen nicht als Mord, sondern als schwere Körperverletzung mit Todesfolge einzustufen, betont die Verteidigung.

In erster Linie zielt die Beschwerde aber darauf ab, das Höchstgericht davon zu überzeugen, dass das Urteil aufgehoben werden sollte, damit ein anderes Gericht über eine Prüfung von Badr Rabihs Einsichts- und Willensfähigkeit entscheiden könne.

Der Verteidigung zufolge lägen sowohl medizinische Unterlagen aus Marokko als auch ein Parteiengutachten und Aufzeichnungen aus dem Gefängnis vor, die auf eine maßgebliche Persönlichkeitsstörung ihres Mandanten hindeuteten.

Nur ein psychiatrisches Gutachten könnte schlussendlich Klarheit über die Zurechnungsfähigkeit von Badr Rabih bringen. Der 35-Jährige sitzt im Bozner Gefängnis. Der Verhandlungstermin vor dem Höchstgericht ist noch offen.

rc

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