Montag, 03. Dezember 2018

Mordfall Riffeser: Verteidigung geht von einem „Black-out“ aus

Wusste Johannes Beutel (38), was er tat, als er am 24. September in Gratsch bei Meran – wie ihm vorgeworfen wird – seine Frau Alexandra Riffeser (34) mit einem Messer getötet hat? Das wird jetzt im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens abgeklärt. Richter Peter Michaeler will mittels psychiatrischem Amtssachverständigen die Zurechnungsfähigkeit des Tatverdächtigen überprüfen.

War Johannes Beutel (r.) zurechnungsfähig, als er gemäß Vorwürfen seine Frau Alexandra Riffeser getötet hat?
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War Johannes Beutel (r.) zurechnungsfähig, als er gemäß Vorwürfen seine Frau Alexandra Riffeser getötet hat?

Johannes Beutel sitzt seit seiner Festnahme im September im Bozner Gefängnis. Laut Rechtsanwalt Alessandro Tonon (er vertritt Beutel zusammen mit seinem Kollegen Marco Ferretti) habe Beutel keine Erinnerung mehr an die Bluttat selbst – ihm wird bekanntlich zur Last gelegt, auf dem Huber-Hof in Gratsch 43 Mal auf seine Ehefrau eingestochen zu haben. Er erinnere sich nur an einen Messerstich, den er seiner Frau in die Magengegend versetzt habe. Dann habe er – wie er auch vor dem U-Richter ausgesagt hatte – sie ins Spital bringen wollen.

Alexandra Riffeser sei aber von der Treppe aus noch einmal in die Wohnung zurückgekehrt, um ihre Mutter anzurufen. Den Rekonstruktionen der Ermittler zufolge dürfte Beutel ihr gefolgt und dann in schneller Abfolge auf sie eingestochen haben. Davon weiß Beutel aber – wie er sowohl dem Richter als auch seinen Anwälten versichert habe – nichts mehr. Als er am Tatort festgenommen wurde, soll er wie in Trance in den Himmel gestarrt haben. „Er hatte ein Black-out“, ist Rechtsanwalt Ferretti überzeugt. Auch die Verteidigung wird einen psychiatrischen Gutachter ernennen, der Beutels Einsichts- und Willensfähigkeit zur Tatzeit feststellen soll.

Unterdessen mehren sich die Hinweise, wonach Beutel im Vorfeld der Tat unter starkem seelischen Druck stand. Das sollen seine engsten Verwandten, die von den Beamten der Fahndungseinheit der Polizei angehört wurden, bestätigt haben.

Zum einen habe er bei seiner Arbeit als Informatiker unter großem Stress gestanden, zum anderen sei die private Krise in seiner Beziehung hinzugekommen. Beutel habe Antidepressiva genommen. Er soll sie wenige Tage vor der Familientragödie in Meran aber abgesetzt haben. Ob dies möglicherweise einen Einfluss auf Beutels Verhalten gehabt haben könnte, ist auch ein Punkt, den die Gutachter im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens abklären werden. Sollte Beutel für voll zurechnungsfähig befunden werden, droht ihm bei einem Schuldspruch lebenslange Haft.

stol/rc

stol