Denn dass der kleine Teppich in Fischform nicht mehr an seiner ursprünglichen Position lag, könnte die Spurensicherer irregeführt haben. Schließlich war es der Angeklagte Avni Mecja (27) selbst, der dem Schwurgericht schilderte, was sich am Abend des 22. Oktobers 2022 in der gemeinsamen Wohnung in Bozner Trieststraße ereignet hatte.<BR /><BR />Und diese Schilderung unterscheidet sich wesentlich vom Tathergang, den die Anklage ihm vorwirft. Wie berichtet, wird Mecja zur Last gelegt, er habe Mocanu, während sie auf dem Bett lag, 2 Mal mit einem Maurerhammer auf den Kopf geschlagen. Der Schädelbruch war tödlich. Die Rekonstruktion fußt nicht zuletzt auf den Erkenntnissen der Spurensicherer aus Padua, die gestern vor dem Schwurgericht aussagten.<h3> Warum keine Blutspur in der ganzen restlichen Wohnung?</h3>Die Beamten erklärten, dass sie auf Mocanus – linker – Seite des Doppelbettes rund 70 kleine Blutspritzer am Boden gefunden hätten – ausgenommen im Bereich neben dem Kopfteil. Da der vom Blut verschonte Bereich eine unregelmäßige Form hatte, schlossen sie, dass dort der Täter gestanden haben musste. <BR /><BR />Der beisitzende Richter Walter Pelino fragte nach, wie es möglich sei, dass in der ganzen restlichen Wohnung keine Blutspur gefunden wurde, wenn Spitzer auch auf dem Täter gelandet sein dürften und er, um das Haus zu verlassen, über die anderen Spritzer am Boden gegangen sein musste. Mecjas Verteidiger Massimo Dal Ben legte nach und fragte, ob dort nicht ein Teppich gelegen haben und der Täter woanders gestanden sein könnte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="989086_image" /></div> <BR /><BR />Der Spurensicherer im Zeugenstand erklärte, bei ihrer Ankunft hätten sie an der Stelle keinen Teppich gesehen, was auch die von ihnen gemachten 3-D-Aufnahmen belegten. Aber: Ein Foto, das unmittelbar nach dem Leichenfund gemacht wurde, zeigte dann den besagten kleinen, grünen Bettvorleger in Form eines Fisches. Wer ihn von seinem angestammten Platz entfernt und aufs Bett gelegt hatte, war gestern nicht mehr nachzuvollziehen.<h3> Auch das Geständnis von Mecja könnte stimmen</h3> Der springende Punkt ist aber, dass durch den grünen Fisch die These, wonach Mecja neben Mocanu stehend auf die am Bett liegende Frau eingeschlagen habe, nicht in Stein gemeißelt zu sein scheint – womit auch Mecja Geständnis stimmen könnte, das er gestern spontan vor dem Schwurgericht wiederholte: Mocanu sei im Bett gesessen, als er auf seiner eigenen – rechten – Bettseite vom Nachtkästchen sein Ladegerät holen wollte. <BR /><BR />Da habe er unter dem Kissen den Maurerhammer gesehen. Als er Mocanu gefragt habe, was das solle, habe sie gesagt: „Der ist für dich“ und den Hammer nach ihm geworfen. Er habe ihn abgefangen und nur mehr „rot gesehen“, als er zugeschlagen habe. <h3> Im Keller das Bett und die erwähnte Telefonnummer</h3>Auf Mecjas mögliche Verfassung zu dem Zeitpunkt deutet eine Whatsapp-Nachricht hin, die er nach dem Mord an die Stadtpolizei geschickt hatte. Darin forderte er die Beamten auf, in den Keller zu gehen, wo sie den Schlüssel zur Wohnung finden würden. Mocanus Leichnam hatte Mecja – mit Decken und Teppichen bedeckt – im Schlafzimmer zurückgelassen. Wie er weiter schrieb, sei auf der Lampe im Keller auch ein Zettel mit dem Namen und der Telefonnummer des Mannes, mit dem ihn seine Freundin seit 2 Monaten betrogen habe. <BR /><BR />Sie habe ihn – Mecja – wiederholt geschlagen und ihn aus der gemeinsamen Wohnung geworfen, er habe im Keller schlafen müssen. „Ich habe das gestern Abend getan, weil sie mich zuerst geschlagen hat, ich habe die Kontrolle verloren und dann auch zugeschlagen“, schrieb Mecja. Als die Nachricht in die Hände der Ermittler gelangte, fanden sie im Keller das Bett und auch die erwähnte Telefonnummer.<h3> Geplatztes Treffen zwischen Mocanu und seinem Nebenbuhler</h3>Anhand der Auswertung von Überwachungskameras konnten die Fahnder die letzten Stunden in Alexandra Mocanus Leben nachzeichnen: Die Frau war um 19.30 Uhr von ihrem Arbeitsplatz im Einkaufszentrum Centrum bis in die Gebrüder-Franzetti-Straße gefahren und habe dort geparkt, Mecja habe sie auf dem Fahrrad bis dorthin verfolgt. <BR /><BR />Als ein Mann im gelben Hemd auftauchte und ihn bemerkte, habe dieser auf seinem Handy offenbar eine Nachricht verschickt, berichtete ein Ermittler im Zeugenstand. Kurz darauf sei Mocanu heimgefahren. Mecja dürfte überzeugt gewesen sein, ein wegen seiner Anwesenheit geplatztes Treffen zwischen Mocanu und seinem Nebenbuhler beobachtet zu haben. Dieser Mann ist auch als Zeuge vors Schwurgericht geladen.