Dienstag, 09. Juni 2020

Mordprozess zu Fall Lucile in Innsbruck: Angeklagter bekennt sich nicht schuldig

Mehr als 6 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der französischen Austausch-Studentin Lucile K. in Kufstein hat sich am Dienstag am Landesgericht Innsbruck der tatverdächtige 43-jährige Fernfahrer aus Rumänien wegen Mordes verantworten müssen. Der Rumäne, der 2017 nach dem Sexualmord an einer 27-Jährigen in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, bekannte sich nicht schuldig.

Der Angeklagte am Dienstag vor Beginn des Prozesses am Landesgericht in Innsbruck. Mehr als 6 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Lucile K. in Kufstein muss sich der tatverdächtige 43-jährige Fernfahrer aus Rumänien am Landesgericht Innsbruck wegen Mordes verantworten.
Der Angeklagte am Dienstag vor Beginn des Prozesses am Landesgericht in Innsbruck. Mehr als 6 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Lucile K. in Kufstein muss sich der tatverdächtige 43-jährige Fernfahrer aus Rumänien am Landesgericht Innsbruck wegen Mordes verantworten. - Foto: © APA / BRIGITTE FORSTER
Dem Angeklagten werde die „allerschwerste Kriminalität“ zur Last gelegt, erklärte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer. Er soll Lucile getötet und dann ihre Leiche sexuell geschändet haben. Die Obduktion habe ergeben, dass Lucile durch zwei Schläge auf den Kopf getötet worden war.

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GPS-Daten des Lkw des Rumänen und an Luciles Leiche gefundene DNA-Spuren des 43-Jährigen würden seine Schuld belegen. Zudem hätte der Angeklagte die Tat an Lucile in Deutschland vor einem Psychiater indirekt gestanden.


Die Verteidigerin führte indes andere mögliche Täter ins Treffen - nämlich Luciles ehemalige beste Freundin und deren damaligen Freund. Dieser Ansatz sei von der Polizei dann jedoch nicht mehr weiterverfolgt worden. Auch die DNA-Spuren, die an der 27-Jährigen in Deutschland gefunden worden waren und die mit den DNA-Spuren an Luciles Leiche übereinstimmten, seien nicht vollständig gewesen. Vielmehr handelte es sich dabei um kleine DNA-Fragmente, also sogenannte Merkmalmuster.


Verteidigung: DNA neu berechnen

„Die DNA musste berechnet werden“, betonte die Verteidigerin. Dieses gefundene Merkmalmuster könne auf 158.000 Personen passen. „Also so viele Personen, wie Innsbruck Einwohner hat“, erklärte die Rechtsanwältin. Außerdem habe ihr Mandant in Deutschland kein Geständnis abgelegt.

Der Angeklagte beschwerte sich, dass er in Deutschland ungerecht behandelt worden wäre. Man habe ihm keine Gelegenheit gegeben, sich zu äußern, sagte der Rumäne. Richter Norbert Hofer konfrontierte ihn daraufhin mit mehreren Einvernahmeprotokollen der deutschen Behörden. „Es war erschreckend unmenschlich, was ich in Deutschland erlebt habe“, meinte der 43-Jährige. Er habe Angst gehabt und deshalb den Mord in Deutschland gestanden.

Der Richter konfrontierte den Beschuldigten mehrmals mit DNA-Spuren, die von ihm bzw. zumindest aus seiner Familie stammen müssen und die sowohl an der 27-jährigen Deutschen, als auch an Lucile gefunden worden waren. „Ich habe dazu keine Erklärung“, meinte der angeklagte Rumäne wiederholt auf den Vorhalt des Richters. Er blieb bei seiner Verantwortung, die beiden jungen Frauen nicht getötet zu haben. Sein Geständnis beim Verfahren in Deutschland habe er lediglich auf Druck seines damaligen Verteidigers abgelegt. Auch seine damaligen Mithäftlinge hätten ihm geraten, zu gestehen und zu sagen, dass er getrunken hatte. „Sie haben gesagt, dass ich dann nicht die maximale Strafe bekomme“, sagte der 43-Jährige.


Psychiater: Hohe Wiederholungsgefahr

Der als Zeuge geladene deutsche Psychiater, der den Angeklagten untersucht hatte, wiederholte jedoch vor dem Geschworenengericht in Innsbruck, dass der Rumäne ihm gegenüber indirekt die Tat an Lucile gestanden habe. „Er hat mir gegenüber nicht explizit zwei Tötungsdelikte eingestanden, das Kufsteiner Delikt hat er mir gegenüber aber indirekt eingeräumt“, so der Psychiater. Der Beschuldigte habe von Träumen gesprochen, die sich auf beide toten Frauen beziehen würden. Von dem 43-Jährigen gehe jedenfalls eine hohe Gefahr für weitere Delikte aus, meinte der Psychiater. „Es spricht aus psychiatrischer Sicht einiges dafür, dass der Angeklagte ein klassischer Serienmörder ist“, erklärte er.

Die 20 Jahre alte französische Austausch-Studentin, die aus Lyon stammte und im Rahmen eines Auslandssemesters in Kufstein studiert hatte, war im Jahr 2014 getötet worden. Ihr Leiche war am 12. Jänner von Polizisten am Ufer des Inns entdeckt worden. Die Tatwaffe, eine Hubstange, wie sie zum Beispiel zum Anheben eines Lkw-Führerhauses genutzt wird, wurde schließlich im Inn gefunden. Der Lkw-Fahrer war 2017 in Deutschland, nach dem Mord an der 27-Jährigen, verhaftet und dort zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

apa/stol