Freitag, 14. Januar 2022

Mordversuch am Bahnhof: 12 Jahre Haft

Ihm wurde vorgeworfen, im Oktober 2019 am Branzoller Bahnhof seine Ex-Freundin fast tot geprügelt zu haben. Nach dem Verzicht der Verteidigung auf die Berufungsgründe wurde für den 25-Jährigen am Donnerstag am Oberlandesgericht in Bozen eine Einigung über die Senkung des Strafmaßes um ein Jahr und 4 Monate erzielt: Übrig blieben 12 Jahre Haft.

Der Tatort am Branzoller Bahnhof.
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Der Tatort am Branzoller Bahnhof.
Dem Nigerianer wurde Mordversuch vorgeworfen. In erster Instanz war er im verkürzten Verfahren zu 13 Jahren und 4 Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden. Sein Verteidiger Nicola Nettis legte Berufung ein. Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Strafsenat (Vorsitz Richterin Silvia Monaco, Richter Michele Paparella und Oswald Leitner) unterbreitete die Verteidigung den Vorschlag für eine Einigung auf ein Strafmaß von 12 Jahren Haft.

Möglich ist dieser „concordato“ genannte Vergleich in zweiter Instanz im Sinne von Art. 559bis (StPO), eingeführt wurde das Rechtsinstrument mit der Orlando-Justizreform: Die Verteidigung verzichtet dabei auf einzelne, mehrere oder alle Berufungsgründe. Dadurch kann die Einigung mit der Generalanwaltschaft auf eine Senkung der Haftstrafe erzielt werden, die das Gericht – falls es sie für angemessen einstuft – absegnet. Das ist gestern passiert.

Die Urteilsbegründung soll in 30 Tagen vorliegen. Kassationsbeschwerde ist nur zu potenziellen Formfehlern möglich. Der 25-Jährige sitzt seit dem 2. Oktober 2019, dem Tag des Übergriffs auf seine Ex-Freundin, hinter Gittern und bleibt auch dort.

Wie berichtet, wurde dem Mann vorgeworfen, die 28-Jährige am Bahnhof von Branzoll lebensgefährlich verletzt zu haben, indem er auf sie eingeschlagen, eingetreten und ihr mit einer abgebrochenen Glasflasche tiefe Schnittwunden zugefügt hatte. Augenzeugen griffen ein und schützten die Frau.

Ihnen zufolge habe der Angreifer wie entfesselt gewirkt. Später erklärte der 25-Jährige, er sei überzeugt, in seiner Heimat mit einem „Juju-Zauber“ belegt worden zu sein, weshalb er „Stimmen gehört“ habe. Und diese hätten ihm auch eingeflüstert, seine Ex-Freundin anzugreifen. Laut psychiatrischem Gutachten, dem der Mann in der Folge unterzogen wurde, war er aber zur Tatzeit voll einsichts- und willensfähig.

rc

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