Nichts tut Moritz, der hochgewachsene sportliche Bursche aus Eppan, lieber, als den Ball möglichst lange jonglieren. Entweder mit der Schulter, mit den Oberschenkeln und natürlich auch mit den Füßen. Jeder Fußballer kennt es von klein auf: Je mehr „palleggi“ jemand zu machen imstande ist, desto versierter gilt er im Umgang mit dem runden Leder. Moritz schafft problemlos mehrere tausend von derartigen „palleggi“, sodass er den Ball mehr als eine Stunde lang jongliert, ohne dass dieser jemals auf den Boden fällt. <BR /><BR />„Meine Rekorde liegen bei 7.270 palleggi mit den Füßen, etwa 7.500 mit den Oberschenkeln und 1.770 mit der Schulter“, spezifiziert der 24-Jährige und zeigt auf seinem Handy ein entsprechendes Video. Die Variante mit der Schulter vollbringt er mittlerweile gerne laufend – es ist Ballakrobatik der Extraklasse. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1246737_image" /></div> <BR />Klar, es handelt sich bei dieser Übung nicht um eine anerkannte sportliche Disziplin, zudem lässt sich dieses artistische Talent wohl kaum zu Geld machen. Aber man erntet dafür auf dem Sportplatz anerkennende Blicke. Und etwas Anerkennung bzw. sportliche Ablenkung tut immer gut. Vor allem dann, wenn es das Schicksal nicht unbedingt gut mit einem gemeint hat – so wie es eben auch bei Moritz der Fall ist. Der Eppaner ist von einer seltenen Krankheit betroffen, die seinen Alltag dominiert und ihn in seiner Selbständigkeit einschränkt. <h3> Familienalltag von seltener Krankheit geprägt</h3>Diese seltene Krankheit geht mit Zysten und Fehlbildungen am ganzen Körper, im Gehirn und den inneren Organen einher. Damit können diverse Störungen zusammenhängen. Die Prävalenz dieser Erkrankung liegt bei Neugeborenen bei 1:8.000 bis 1:10.000, eine Therapie gibt es zurzeit nicht, die Behandlung beschränkt sich auf die Symptome. <BR /><BR />„Wir haben viele Termine bei den Ärzten, immer wieder mal müssen Zysten unter Vollnarkose entfernt werden, aber das Wichtigste ist, dass Moritz relativ stabil bleibt“, schildert Michi, seine Mutter. Untersuchungen, Medikamente, Rückschläge und mitunter Angstzustände gehören zum Familienalltag, man habe sich an Höhen und Tiefe gewohnt. <h3> Starker Zusammenhalt in der Familie</h3>Allerdings macht das Mutter-Sohn-Gespann einen gefestigten Eindruck. Zum einen fühlen sie sich von den Ärzten und Pflegern im Bozner Krankenhaus unter der Leitung von Dr. Werner Passler sehr gut betreut, zum anderen ist die Mutter auch stolz auf den Zusammenhalt in der Familie: „Wir drei sind ein Team, das sehr gut aufeinander eingestellt ist und sich aufeinander verlassen kann“, sagt sie mit festem Blick und lässt dann einen vielsagenden Satz fallen: „Ich bin sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt hat und wie wir heute als cooles Team zusammenspielen.“ Mit der ihr eigenen Zuversicht und Entschlossenheit konnte sie für ihren Jungen bereits vieles möglich machen, so etwa bei Sportveranstaltungen. <BR /><BR />Die dritte Person im Bunde ist Gabriel, der jüngere Bruder von Moritz, der soeben seine Matura gemacht hat und mit dem Start-up Carnethics gerade seinen bemerkenswerten Unternehmergeist unter Beweis stellt. Michi erklärt: „Meine beiden Jungs sind größtenteils ohne ihren schon länger verstorbenen Vater aufgewachsen, was natürlich für niemanden einfach ist. Aber mit vereinten Kräften ist vieles machbar.“ <BR /><BR />So hat Moritz längst seine Rolle in der Familie gefunden – einerseits als älterer Bruder und andererseits, indem er sich im Haushalt überall dort nützlich macht, wo es gerade notwendig ist. Struktur im Tagesverlauf verleiht ihm seine Beschäftigung in der Schule Laimburg in Auer, wo er in der Küche mit anpackt und hervorragend integriert ist. Mit dem Schülerbus kann er täglich hin- und herfahren. Und dann ist da noch Assistenzhündin Abby, die ihm seit über zwei Jahren zur Seite steht und ihm sichtlich guttut. <h3> Dreipunktewürfe als Spezialität</h3>Die Freizeit aber gehört unbestritten den Jonglierübungen mit dem Ball. Außergewöhnliches Geschick hat Moritz auch mit dem Basketball unter Beweis gestellt. Mit traumwandlerischer Sicherheit wirft er Körbe aus großer Distanz – sogenannte Dreipunktewürfe außerhalb der Begrenzungslinie. Diese Übung hat er während der Covid-Zeit für sich entdeckt: Im Innenhof des Wohngebäudes war er oftmals bis zu fünf Stunden am Tag damit beschäftigt und hat so seine Wurftechnik perfektioniert. In punkto Durchhaltevermögen und Trainingsfleiß könnten sich selbst viele Sportler eine Scheibe von Moritz abschneiden. <h3> Lehrstunde für die Profis</h3>In dieser Hinsicht haben die beiden ein Erlebnis in besonders guter Erinnerung, als Moritz im Zuge einer Einladung sein Talent den Profis der Basketballmannschaft aus Aquila zeigen durfte. Beinahe im Sekundentakt traf er den Korb, die gestandenen Basketballer konnten es selbst kaum wahrhaben. Moritz zeigt das entsprechende Video und ein Foto mit dem Starspieler Anthony Lamb auf seinem Handy. Kürzlich hat sich der Präsident des Vereins gemeldet, denn in Trient könnte es für Moritz eine passende Mannschaft geben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1246740_image" /></div> <BR />Fußball spielt der 24-Jährige bereits mit den Special Kickers in Brixen, eine inklusive Fußballinitiative in Südtirol mit regelmäßigen Trainings und Turnieren. <BR /><BR />Die längeren Anfahrtswege machen den beiden nichts aus. „Mit seiner Einstellung und seinen besonderen Fähigkeiten kann Moritz sicherlich auch eine beflügelnde Wirkung auf andere haben“, meint seine Mutter. Moritz selbst zeigt ein Video, während er im Laufschritt den Ball mit der Schulter jongliert. Niemand sonst ist auf dem Platz zu sehen. Dabei könnte er mit seinen Künsten für ein gutes Weilchen wohl ein kleines Stadion füllen.