Samstag, 26. Juni 2021

Motivsuche nach Messerattacke von Würzburg geht weiter

Der Schock in Würzburg sitzt tief. Auch am Tag nach der Messerattacke, bei der 3 Menschen ihr Leben verloren, geht die Suche nach dem Motiv des Angreifers weiter.

Die Polizei konnte den 24-Jährigen Angreifer mit einem Schuss in den Oberschenkel stoppen.
Die Polizei konnte den 24-Jährigen Angreifer mit einem Schuss in den Oberschenkel stoppen. - Foto: © APA/dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Am gestrigen Freitag ging ein Mann mit einem Messer offensichtlich wahllos auf Menschen los. Mindestens 5 Menschen wurden bei der Messerattacke teils schwer verletzt, für 3 Opfer kam jede Hilfe zu spät. Schlussendlich stellten sich einige mutige Passanten dem 24-jährigen Angreifer in den Weg und verhinderten so womöglich Schlimmeres. Ein Mann ging mit einem Besen auf den 24-jährigen Somalier los, andere stellten sich dem 24-Jährigen mit Stühlen entgegen. ( STOL hat berichtet)

Schließlich konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter mit einem gezielten Schuss in den Oberschenkel stoppen. Der 24-Jährige, der seit 2015 in Würzburg lebt, kam mit einem Oberschenkeldurchschuss in ein Krankenhaus. Dort machte er laut Polizei auch kurze Angaben. Was genau er sagte, war zunächst unklar.

Täter womöglich psychisch krank


Nach der tödlichen Messerattacke rückt nun das Motiv des mutmaßlichen Täters in den Fokus. Auch in der Nacht zu Samstag war die Polizei eigenen Angaben zufolge mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, um die Hintergründe und den Ablauf der Tat zu ermitteln. Noch ist unklar, warum der 24-jährige Angreifer am späten Freitagnachmittag in der Innenstadt 3 Menschen mit einem Messer tötete und mindestens 5 weitere schwer verletzte. Mindestens 2 davon sollen noch in Lebensgefahr schweben.

Womöglich ist der Angreifer, der nach der Tat angeschossen und festgenommen wurde, psychisch krank. Aber auch ein islamistisches Motiv des Angreifers wird den Ermittlern zufolge geprüft. Gekannt haben sollen sich Täter und Opfer nicht.

Bereits in Vergangenheit gewalttätig


Der Verdächtige war laut Polizeiangaben in den vergangenen Monaten bereits gewalttätig gewesen und psychisch aufgefallen. Erst vor einigen Tagen sei er wohl in eine psychiatrische Behandlung eingewiesen worden, sagte ein Polizeisprecher. Nach Polizeiangaben lebte der Mann zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft. Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, sagte, dass der Migrant seit rund 5 Jahren in Deutschland lebte.

Am späten Freitagabend setzte die Polizei auch einen Hubschrauber ein. Die Polizei entkräftete Befürchtungen, der Angreifer könnte Mittäter gehabt haben. Der Hubschrauber unterstütze die Ermittlungen und es werde nicht nach weiteren Personen gefahndet, betonte die Polizei.

Entsetzen in Würzburg

Unter den Verletzten soll auch ein kleiner Junge sein, sein Vater soll tot sein. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte laut „Main Post“, überwiegend seien die Opfer Frauen gewesen, der Täter habe sie wohl wahllos ausgesucht.

In der Mainstadt herrschte am Abend Entsetzen. Menschen stellten in der Nähe des Tatorts brennende Kerzen in Gedenken an die Opfer auf.

„Ein großer Dank und Respekt für das beherzte Eingreifen vieler Bürger, die sich dem mutmaßlichen Angreifer entschlossen entgegenstellten“, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Erinnerungen werden wach

Die Tat erinnert an einen islamistischen Anschlag vor knapp 5 Jahren in Würzburg. Am 18. Juli 2016 waren in einem Zug 4 Menschen schwer verletzt worden.

Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling hatte mit einer Axt und einem Messer in einem Regionalzug auf dem Weg nach Würzburg die Reisenden angegriffen. Anschließend flüchtete er zu Fuß, attackierte eine Spaziergängerin und wurde schließlich von Polizisten erschossen.

apa/dpa/stol