<h3> Mehr Stechmücken in Südtirol</h3>„Wir Allgemeinmediziner beobachten seit einigen Jahren, dass Patient häufiger über ausgeprägte lokale Reaktionen nach Mückenstichen berichten. Die Einstichstellen sind oftmals stärker geschwollen, gerötet und jucken intensiver als früher“, erklärt Dr. Doris Hager-Prainsack, Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen.<BR /><BR />Ein Grund dafür sei die Ausbreitung neuer Mückenarten wie der Asiatischen Tigermücke, die durch mildere Winter und wärmere Sommer begünstigt werde. „Doch es besteht kein Anlass zur Beunruhigung. Das Risiko lässt sich durch Präventionsmaßnahmen deutlich verringern“, so Hager-Prainsack.<h3> Nach einem Stich: Kratzen vermeiden</h3>Die häufigste Reaktion auf einen Mückenstich sind Juckreiz, Rötung und eine kleine Quaddel. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst.<BR /><BR />Zur Erstbehandlung empfiehlt Dr. Hager-Prainsack, die Einstichstelle möglichst rasch zu kühlen. „Juckreizstillende Gele oder Cremes können die Beschwerden zusätzlich lindern. Entscheidend ist jedoch, die Haut nicht aufzukratzen. Durch Kratzen gelangen Bakterien leicht in die Haut. Dadurch kann sich der Stich entzünden und eine sogenannte Superinfektion entstehen“, erklärt die Ärztin für Allgemeinmedizin.<BR /><BR />Breitet sich die Rötung aus, wird die Haut heiß oder beginnt die Einstichstelle zu pochen, sollte die Ärztin bzw. der Arzt für Allgemeinmedizin kontaktiert werden. Bei stark ausgeprägten Hautreaktionen kann eine niedrig dosierte Hydrokortison-Creme kurzfristig helfen. Ringelblumensalben wirken gegen den akuten Juckreiz hingegen nur eingeschränkt, können aber die Regeneration gereizter Haut unterstützen.<h3> Thermische Stichheiler können Beschwerden lindern</h3>Immer häufiger kommen sogenannte thermische Stichheiler, etwa „Bite away“, zum Einsatz. Sie arbeiten mit einem kurzen Wärmeimpuls von wenigen Sekunden und können den Juckreiz deutlich vermindern.<BR /><BR />„Bei sachgemäßer Anwendung gelten diese Geräte als sicher. Wichtig ist jedoch, sie möglichst früh nach dem Stich anzuwenden und nicht auf bereits aufgekratzter oder verletzter Haut einzusetzen“, erläutert Institutspräsidentin Dr. Doris Hager-Prainsack.<h3> Wann sollte man zum Arzt?</h3>In den meisten Fällen genügt eine Behandlung zu Hause. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75900382_listbox" /><BR /><BR />Anders als bei einem Mückenstich kann ein Bienen- oder Wespenstich im Mund- oder Rachenraum aufgrund einer Schwellung der Atemwege lebensbedrohlich sein. In diesem Fall sollte umgehend der Notruf 112 verständigt werden.<BR /><BR />Das gilt auch bei Anzeichen einer allergischen Reaktion, etwa Quaddelbildung am ganzen Körper, Atemnot, Schwindel oder Kreislaufproblemen.<h3> Tigermücke: Ärgerlich, aber derzeit keine große Gefahr</h3>Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat sich mittlerweile in den wärmeren Tallagen Südtirols etabliert. Sie gilt grundsätzlich als mögliche Überträgerin verschiedener Tropenkrankheiten wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber.<BR /><BR />„Das tatsächliche Risiko für die Bevölkerung in Südtirol ist derzeit allerdings sehr gering“, sagt Allgemeinmedizinerin Dr. Doris Hager-Prainsack.<BR /><BR />Eine Übertragung setze voraus, dass eine Tigermücke zuvor eine infizierte Reiserückkehrerin oder einen infizierten Reiserückkehrer gestochen habe. Wer nach einer Reise in tropische Regionen Fieber entwickelt, sollte deshalb unverzüglich die Ärztin bzw. den Arzt für Allgemeinmedizin informieren und sich konsequent vor weiteren Mückenstichen schützen.<h3> Was zieht Stechmücken an?</h3>Der weitverbreitete Glaube an „süßes Blut“ hält sich hartnäckig, ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Entscheidend sind vielmehr der individuelle Körpergeruch, Stoffwechselprodukte der Hautbakterien, Schweißbestandteile und das ausgeatmete Kohlendioxid.<BR /><BR />Auch mögliche Unterschiede zwischen den Blutgruppen werden wissenschaftlich diskutiert. „Es gibt einzelne Studien, die eine stärkere Anlockung von Menschen mit Blutgruppe 0 vermuten lassen. Dieser Zusammenhang ist jedoch deutlich weniger gesichert als der Einfluss von Körpergeruch und Kohlendioxid“, erklärt Hager-Prainsack.<h3> Was schützt wirklich vor Mücken?</h3>Am zuverlässigsten schützen wissenschaftlich geprüfte Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen Icaridin oder DEET. Für Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit empfindlicher Haut wird häufig Icaridin bevorzugt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75900383_listbox" /><BR /><BR /><BR />Ätherische Öle oder Citronella-Produkte bieten hingegen nur einen zeitlich begrenzten Schutz.<h3> Spinnenbisse sind selten gefährlich</h3>Bisse von Spinnen werden häufig vermutet, sind in Südtirol jedoch selten. Sie verursachen meist eine lokale Hautrötung, Schwellungen und Schmerzen. Anhand der Hautveränderungen allein lässt sich ein Spinnenbiss jedoch in der Regel nicht sicher von anderen Ursachen unterscheiden.<BR /><BR />„Auch hier gilt: Die Bissstelle sollte gereinigt, desinfiziert und gekühlt werden“, informiert Dr. Doris Hager-Prainsack.<BR /><BR />Breitet sich die Hautrötung in den folgenden Tagen aus oder treten starke Schmerzen, Fieber oder allergische Beschwerden auf, sollte eine allgemeinmedizinische Praxis aufgesucht werden.<h3> Zecken: Rasches Entfernen schützt vor Borreliose</h3>Besondere Aufmerksamkeit verdienen Zecken. Sie können sowohl die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) als auch Borreliose übertragen.<BR /><BR />Gegen FSME steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung, gegen die bakterielle Infektionskrankheit Borreliose hingegen gibt es bislang keinen Impfstoff.<BR /><BR />Beide Erkrankungen unterscheiden sich zudem in der Art der Übertragung: Während das FSME-Virus bereits unmittelbar nach dem Zeckenstich übertragen werden kann, sitzen die Borrelien im Darm der Zecke. Das Risiko einer Übertragung steigt daher mit der Dauer des Saugvorgangs.<BR /><BR />„Je früher eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose. Deshalb sollte sie möglichst rasch mit einer Zeckenkarte oder einer feinen Pinzette hautnah gefasst und gerade herausgezogen werden. Auf das Auftragen von Öl, Klebstoff oder anderen Hausmitteln sowie auf das Quetschen der Zecke sollte unbedingt verzichtet werden“, sagt Hager-Prainsack.<BR /><BR />Charakteristisch für eine Borreliose ist eine sogenannte Wanderröte – eine sich langsam ausbreitende, ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle. Sie sollte immer ärztlich abgeklärt werden.<h3> Die wichtigsten Empfehlungen</h3>„Die meisten Stechmücken- und Zeckenstiche sowie Spinnenbisse verlaufen harmlos und heilen ohne Komplikationen ab“, fasst Dr. Hager-Prainsack zusammen.<BR /><BR />Nach einem Stechmückenstich hilft es, die Haut zu kühlen und das Kratzen zu vermeiden. Nach einem Zeckenstich sollte die Zecke möglichst rasch und sachgerecht entfernt werden, um das Risiko einer Borreliose zu verringern.<BR /><BR />Spinnenbisse sind in Südtirol selten gefährlich, sollten aber bei zunehmender Hautrötung, Schwellungen oder Schmerzen medizinisch abgeklärt werden.<BR /><BR />Gegen Stechmücken schützen wissenschaftlich geprüfte Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen Icaridin oder DEET, lange Kleidung und das Beseitigen von Brutstätten.<BR /><BR />Wer Warnzeichen wie starke Schwellungen, Atemnot, Fieber oder sich ausbreitende Hautveränderungen frühzeitig erkennt und ärztlich untersuchen lässt, kann Komplikationen in den meisten Fällen vermeiden. „Vorbeugung ist folglich die wirksamste Maßnahme gegen Stiche und Bisse“, bekräftigt Dr. Hager-Prainsack.