<b>Das Schulgebäude, in dem wir gerade sitzen, muss bis Sommer 2027 energetisch saniert sein. Warum dieser Zeitdruck?</b><BR />Vizebürgermeisterin Kathrin Oberleitner: Wir haben für dieses Projekt einen Beitrag des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE erhalten. Dieser ist an ein Zeitfenster gekoppelt, innerhalb dessen das Projekt abgeschlossen sein muss. Und dieses Zeitfenster ist ‚Sommer 2027‘.<BR /><BR /><b>Wie viel wird hier investiert?</b><BR />Oberleitner: Das Ausführungsprojekt ist mit Gesamtkosten von 4,68 Millionen Euro veranschlagt. Der zugesicherte EFRE-Betrag beträgt drei Millionen Euro. Nächste Woche werden die Arbeiten ausgeschrieben. Im Idealfall wissen wir Ende Oktober, welche Firmen den Auftrag erhalten werden. Danach wird umgehend Baustart sein, weil die Zeit relativ knapp ist. Die Bauzeit ist mit 220 Tagen festgelegt worden.<BR /><BR /><b>Was ist geplant?</b><BR />Oberleitner: Das letzte Stockwerk wird komplett abgetragen und neu errichtet. Im Zuge dessen können auf Wunsch der Schule die Räume neu eingeteilt werden. Es kommt ein neues Dach mit Fotovoltaikanlage. Wärmepumpen werden eingebaut, weshalb auch heizanlagentechnisch etwas umgerüstet wird. Die Außenfassade wird zur Gänze thermisch isoliert, die Fenster werden ausgetauscht. Und eine neue Beschattung wird angebracht. Der Fokus liegt – bis auf das Dachgeschoss – auf der energetischen Sanierung.<BR /><BR /><b>Was bedeutet das für den Schulbetrieb? </b><BR />Monika Leitner: Es wird auf jeden Fall spannend. Wir wissen noch nicht genau, was auf uns zukommt. Vor allem, was den Baulärm betrifft. Die vier Mittelschulklassen im Dachgeschoss wurden bereits in die unteren Stockwerke umgesiedelt. Aber es wird nicht dabei bleiben. Wir werden mehrmals im Jahr umsiedeln müssen, weil die Fenster stockwerkweise ausgetauscht werden. Das heißt, immer vier Klassen, die in einem Stock untergebracht sind, müssen wandern. Wir sind also auf engstem Raum…<BR /><BR /><b>Was bedeutet das für die Grundschule im Erdgeschoss?</b><BR />Leitner: Die Grundschule mit ihren fünf Klassen hat in Container ausgesiedelt werden müssen. Das war überschaubar und machbar, auch von der Aufsicht her, weil die gesamte Schule an einem Ort gebündelt ist. Das Lehrerkollegium wird für Vorbereitungen im Hauptgebäude bleiben.<BR /><BR /><b>Wo stehen die Container?</b><BR />Leitner: Die Container stehen auf dem Platz zwischen Schulmensa und Musikpavillon. Der Platz ist deshalb das ganze Schuljahr über nicht mehr für die Vereine nutzbar. In den Containern sind fünf Klassen und ein Ausweichraum für Kinder mit besonderen Bedürfnissen untergebracht. Rundum erhalten wir vier weitere Ausweichräume, wenn etwa die Klassen geteilt werden oder in kleinen Lerngruppen gearbeitet wird.<BR /><BR />Oberleitner: Ein Ausweichraum befindet sich im Kindergarten, zwei in den Vereinsräumen des KVW und AVS im Graf-Meinhard-Haus. Ein Raum wird in der Mensa zu bestimmten Zeitfenstern am Vormittag zur Verfügung gestellt. Wir haben geschaut, im Umkreis des Containers, der bereits zweistöckig ist, noch Zusatzräume anzubieten. Die Grundfläche war nicht groß genug für weitere Räume, da das Areal auch für die Pausen genutzt wird.<BR /><BR /><b>Wie hoch sind die Kosten für die Container?</b><BR />Oberleitner: Diese betragen 125.000 Euro netto. Angemietet sind sie bis Juni 2027 – für das komplette Schuljahr. Es war uns wichtig, dass der Schulstart für die Grundschule im Container erfolgen kann – um einen zusätzlichen Stressfaktor durch einen Umzug zu vermeiden. Die Begeisterung, in Container zu ziehen, hielt sich anfangs in Grenzen. Aber es war schnell klar, dass es anders nicht geht. <BR /><BR /><b>Was passiert mit der Musikschule, die ebenso im Schulgebäude untergebracht ist?</b><BR />Leitner: Die Musikschule hat auch ausziehen müssen. Sie hat sich mit dem Herz-Jesu-Institut verständigt und kann dort für dieses Schuljahr Räume nutzen.<BR /><BR />Oberleitner: Das hilft uns auch, indem schwere und lärmintensive Arbeiten auf den Nachmittag verlegt werden können.<BR /><BR /><b>Aus Sicht der Schule: Ist die energetische Sanierung ausreichend, um die nächsten 30 Jahre gut arbeiten zu können?</b><BR />Leitner: Nein, definitiv nicht. Das Gebäude stammt aus den 1960er-Jahren, immer wieder wurde dazugebaut. Meine Vorgänger und ich haben jährlich beim Bürgermeister angemerkt, dass wir inzwischen aus allen Nähten platzen. Schule hat sich grundlegend gewandelt. Auch gibt es Schulbaurichtlinien, denen wir nicht mehr entsprechen. Wir haben zum Teil 22 Schüler in 42 Quadratmeter großen, zu kleinen Räumen. In den vergangenen Jahren wurde zwar der Versuch gestartet, intern mehr Räume zu schaffen (indem die Gänge verkleinert wurden; Anm. der Red.). Aber diese entsprechen nicht den Anforderungen eines Klassenraums. Sie haben zum Teil keine Fenster, sind eine Notlösung. Mit Notlösungen leben wir jetzt seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Gerade was Kinder mit speziellen Bedürfnissen betrifft, von denen wir einige haben, haben wir keine Möglichkeiten mehr, auszuweichen. Es gibt eine Machbarkeitsstudie für einen Grundschulneubau. Aber bis dahin vergehen sicher noch zehn Jahre.<BR /><BR />Oberleitner. Zuerst muss die Musikschule (anstelle der ‚Alten Schule‘, Anm. der Red.) gebaut werden. Die Flächenverfügbarkeit ist so geplant, dass morgen ein Zubau für eine neue Grundschule möglich ist. Aber die Zeitfenster werden wohl die sein.<BR /><BR />Leitner: Wir haben zurzeit eine Schülerspitze: 165 Schüler in der Mittelschule, 75 in der Grundschule. Wenn die Anzahl noch steigt, weiß ich nicht, wo wir sie noch unterbringen. Zudem sind auch die Anlagen im Hausinneren zum Teil renovierungsbedürftig, wie Heizkörper, Böden, technische Anlagen… Ich habe die Befürchtung, dass durch die energetische Sanierung der Zustand des Hauses für die nächsten 30 Jahre bleibt. Im Inneren würde es aber noch einige Arbeiten brauchen, um das Gebäude zeitgemäß zu adaptieren.<BR /><BR /><b>Hätte es Alternativen gegeben – etwa, dass zuerst die Musikschule, für die es schon eine Landesfinanzierung gibt, gebaut würde, um sie dann als Ausweichquartier zu nutzen?</b><BR />Oberleitner: Der EFRE-Beitrag wäre dann nicht mehr verfügbar gewesen. Eine neue Schule ist immer der Wunsch, aber nicht immer möglich. Der Plan ist, den Neubau der Musikschule 2027 auszuschreiben und 2029 in Betrieb zu nehmen, danach das Projekt Grundschule voranzutreiben. Und ja, auch in diesem Gebäude werden noch Sachen gemacht werden müssen. Aber man darf nicht vergessen: Eine Komplettsanierung eines so großen Gebäudes kostet viel Geld, und man muss immer schauen, wo es eine Zusatzfinanzierung gibt. Nur über den Gemeindehaushalt wäre sie nicht finanzierbar. In Mühlbach haben wir noch dazu vier Außenschulstellen, von denen auch einige sanierungsbedürftig wären. Deshalb sind Prioritäten zu setzen.<BR /><BR /><b>Die Mittelschüler werden angeleitet werden müssen, wie sie sich auf der ‚Baustelle Schule‘ zu verhalten haben. Sind auch die Eltern informiert?</b><BR />Leitner: Am 14. September ist ein Elternabend für die Grund- und Mittelschule mit Vertretern der Gemeinde und der Planer angesetzt, um umfassend zu informieren. Sobald die Baustelle eingerichtet ist, ist klar, dass der jeweilige Bereich, wo konkret gearbeitet wird, abgesperrt sein muss.