Der Abriss der Obersten Mühle sorgt vor allem bei Kulturinteressierten für Bedauern und auch deutliche Kritik. Der Gebäudekomplex galt als wichtiges Zeugnis der frühen Industrialisierung im Tauferer Tal.<BR /><BR /> Über Jahrzehnte hinweg prägte das Gebäude das Ortsbild von Mühlen und erinnerte an den Unternehmer Josef Beikircher, der im späten 19. Jahrhundert ein Pionier der Elektrifizierung und wirtschaftlichen Entwicklung im Pustertal war. Die Wasserkraft der Mühlener Wiere wurde dort einst für eine Walkerei, Trocknerei und Spinnerei für die Lodenproduktion sowie für Sägewerke und zur Stromerzeugung genutzt. Übrigens hatte die heutige Brunecker Lodenfabrik Moessmer in der Obersten Mühle in Mühlen im späten 19. Jahrhundert ihren Ursprung.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312044_image" /></div> <BR />Kulturinteressierte haben sich in der Vergangenheit für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Unterstützung erhielten sie unter anderem vom Heimatpflegeverband und vom Landesdenkmalamt. Bereits im Jahr 2024 hatte der Heimatpflegeverband die Oberste Mühle als „wichtiges Zeugnis der Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Mühlen in Taufers“ bezeichnet und deren Erhaltenswürdigkeit betont. Eine Unterschutzstellung konnte aber nicht erreicht werden.<BR /><BR />Der bisherige Bezirksobmann des Heimatpflegeverbands Pustertal, Albert Willeit, übte in einer Stellungnahme deutliche Kritik am Abriss des Gebäudes. „Mit dem Verschwinden des Hauses geht ein Stück Dorfgeschichte verloren“, sagte er.<h3> Eine „alte Ruine“</h3>Der Tauferer Bürgermeister Josef Nöckler bezeichnete das Gebäude als „alte Ruine“ und verwies auf die vor Wochen erteilte Baukonzession. Diese werde nun vom neuen Eigentümer, der Prenn Immobilien GmbH, umgesetzt. Man brauche in der Gemeinde dringend Wohnraum. In Gesprächen mit dem Bauherrn habe die Gemeinde zudem Verbesserungen für die Allgemeinheit erreichen können, etwa bei Zufahrten und Gehsteigen in diesem Ortsteil. Laut Nöckler habe es kostenlose Grundabtretungen vonseiten des Eigentümers gegeben.<BR /><BR />Landeskonservatorin Karin Dalla Torre bedauert den Abriss. Das Denkmalamt habe jahrelang versucht, Zugang zum Gebäude in Privatbesitz zu erhalten. Erst nach dem Eigentümerwechsel sei ein Besichtigungstermin vereinbart worden, der plötzliche Abriss sei diesem jedoch zuvorgekommen. „Es ging von unserer Seite aus nicht in erster Linie darum, das Gebäude unter Schutz zustellen, sondern wir wollten es fotografisch dokumentieren, dass ein Stück Dorfgeschichte für die Nachwelt erhalten bleibt“, erklärte Dalla Torre. Die Oberste Mühle sei nämlich ein wichtiges Beispiel für die Wirtschaftsgeschichte von Mühlen gewesen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312047_image" /></div> <BR />Die Oberste Mühle bestand ursprünglich aus einer Kornmühle, einem Sägewerk und einem Wirtschaftsgebäude. 1885 kaufte Josef Beikircher das Anwesen und richtete dort eine Walkerei, Trocknerei und Spinnerei für die Lodenerzeugung ein. 1890 übernahm der Wiener Fabrikant Josef Moessmer den Betrieb, verlegte ihn bald aber nach Bruneck. 1906 kaufte Beikircher die Oberste Mühle wieder zurück und baute sie zum Elektrizitätswerk um. Ab 1907 versorgte er ganz Mühlen bis zur Pfarre mit Strom. 1983 ging das Gebäude in den Besitz der Familie Huber über.