Dienstag, 24. Juli 2018

„Müssen Vergleich mit Kliniken nördlich der Alpen nicht scheuen“

Am vergangenen Freitag hat STOL mit dem Anästhesisten und Intensivmediziner Dr. Kurt Hohenstein aus Neumarkt gesprochen, warum er nach dem Studium in Deutschland bleiben wird: „Die Kohle stimmt einfach nicht“, erklärte er im Telefongespräch. Nun meldet sich der geschäftsführende Generaldirektor und Sanitätsdirektor Dr. Thomas Lanthaler zu Wort: „Wir müssen den Vergleich mit Kliniken nördlich der Alpen nicht scheuen“, widerspricht er Dr. Hohenstein gegenüber STOL.

Der geschäftsführende Generaldirektor und Sanitätsdirektor Dr. Thomas Lanthaler. - Foto: DLife
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Der geschäftsführende Generaldirektor und Sanitätsdirektor Dr. Thomas Lanthaler. - Foto: DLife

„Uns sind die Probleme in Bezug auf den Ärztenotstand durchaus bewusst“, erklärt Lanthaler. „Und es stimmt auch – Südtirol hat ein geringeres Gehaltsniveau als Österreich und Deutschland, von der Schweiz ganz zu schweigen. Dennoch: Wenn Dr. Hohenstein von 3300 Euro spricht, sind Bereitschaftsdienst, Wachdienst, Nachtdienstzulage und Notarztdienst noch nicht dazugerechnet, genauso wenig der Leistungslohn. Auch muss die Berufserfahrung in der Gehaltsberechnung berücksichtig werden.“

Dr. Lanthaler spricht sich im Namen der Verantwortlichen des Südtiroler Sanitätsbetriebes aus: „Im Unterschied zu Dr. Hohenstein glauben wir, dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb trotz allem ein attraktiver Arbeitgeber ist. Wir müssen den Vergleich mit Kliniken nördlich der Alpen nicht scheuen.“   

Lanthaler: „Pauschalurteile sind immer schlecht“

Doch der Generaldirektor räumt ein: „Natürlich gibt es Universitätskliniken und Arbeitgeber, die mehr zu bieten haben, aber Pauschalurteile sind immer schlecht. Beinahe alle Südtiroler Ärzte, die Arbeitserfahrungen im Ausland gesammelt haben, berichten von einem enormen Leistungsdruck, einer viel stärkeren Ökonomisierung der Medizin und ähnlichen Schwierigkeiten in der Gesundheitsversorgung, wie wir sie hier in Südtirol haben.“

„Und dass es in Deutschland, insbesondere im ehemaligen Osten, Landstriche gibt, die hinsichtlich der ärztlichen Versorgung zu verwaisen drohen, ist auch allgemein bekannt“, widerspricht er Dr. Kurt Hohenstein.

Schwierig, wenn Lebensmittelpunkt im Ausland ist

Abschließend betont Dr. Thomas Lanthaler vom Sanitätsbetrieb: „Das Hauptproblem liegt vor allem in der aktuell fehlenden Möglichkeit, selbst Fachärzte ausbilden zu können. Als Sanitätsbetrieb hoffen wir, dass es diesen ,Südtiroler Ausbildungsweg‘, der in enger Zusammenarbeit mit Uni-Kliniken im benachbarten deutschsprachigen Ausland und italienischen Einrichtungen erfolgt, demnächst wieder geben wird. Denn wenn Ärzte erst einmal ihren Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt haben, ist es tatsächlich schwierig, sie zum Heimkehren zu bewegen.“

stol/ape

stol