Samstag, 04. April 2020

Mundschutz: „Noch Empfehlung, bald schon Pflicht“

Auf der virtuellen Pressekonferenz am Samstagnachmittag stand vor allem der psychische Aspekt im Vordergrund: Was macht die aktuelle Situation mit uns als Gesellschaft? Wie kann man mit seinen Sorgen und Ängsten umgehen? Zum Abschluss räumte Landeshauptmann Arno Kompatscher zudem endgültig mit einer Unklarheit auf.

Bettina Meraner vom Netzwerk Psychische Gesundheit, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Gesundheitslandesrat Thomas Widmann bei der Pressekonferenz am Samstag.
Wie jeden Tag seit mehreren Wochen hat Landeshauptmann Arno Kompatscher auch am Samstagnachmittag die Bevölkerung aus dem Palais Widmann zur virtuellen Pressekonferenz Covid-19 begrüßt.

Diesmal, so erklärte er in seinen Begrüßungsworten, gehe es um uns als Gesellschaft und auch den psychischen Aspekt dieser Krise.

Zunächst aber stellte Gesundheitslandesrat Thomas Widmann die aktuellen Zahlen vom Samstag vor.

Vor allem eine Zahl lag ihm am Herzen: Jene der verfügbaren Betten auf den Intensivstationen des Landes. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Kurve abgeflacht, es kommen immer weniger Menschen auf die Intensivstation. Aber das bedeutet nicht, dass wir aufgeben dürfen“, so Widmann.

Derzeit habe man landesweit 18 freie Krankenbetten auf den Intensivstationen, die für Covid-19-Patienten frei gehalten werden.

„Die Betreuung der Intensivpatienten ist eine besondere. Es braucht mehrere Pfleger, um nur ein solches Bett zu betreuen, die Patienten verbringen meist 2 bis 3 Wochen darin. Die Betten werden also nur sehr langsam leer. Wir müssen daran arbeiten, dass die Kurve weiter abflacht, ansonsten erreichen wir die Grenze unserer Kapazitäten.“

Nur 4 Intensivbetten in ganz Südtirol frei für Nicht-Covid-19-Patienten

Noch weniger Plätze stehen für Nicht-Covid-19-Patienten zur Verfügung, die ein Bett auf einer Intensivstation brauchen.

„Wir haben derzeit nur 4 Betten frei für alle anderen Intensivpatienten, für schwere Freizeit- oder Arbeitsunfälle“, unterstrich Widmann. „Das ist sehr wenig.“ Man solle also wenn möglich zu Hause bleiben und sich nicht in Gefahr begeben.

Auch im Falle einer Entwarnung in Sachen Coronakrise müsse man weiterhin diszipliniert sein und sämtliche Maßnahmen und Hygienevorschriften einhalten, so Widmann. „Wir brauchen mindestens 2 Monate, wenn nicht länger, bevor wir wieder zum Normalbetrieb übergehen können.“

„Scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen“

Bettina Meraner vom Netzwerk Psychische Gesundheit rief alle Bürger auf, sich in diesen Zeiten an das Netzwerk zu wenden. „Es wird immer schwieriger, zu Hause zu bleiben. Das schöne Wetter lockt nach draußen, die Zeit wird lang. Aber genau jetzt müssen wir Disziplin wahren, damit unsere Anstrengungen nicht umsonst waren.“

Das Netzwerk hat eine Seite eingerichtet, auf der alle notwendigen Telefonnummern und Ansprechpartner zu finden sind, unter dubistnichtallein.it.

„Mit dieser Seite wenden wir uns nicht nur an Menschen, die sich bereits in der Vergangenheit an uns gewandt haben, sondern auch an Ärzte und alle aus dem Gesundheitswesen, die derzeit so hart arbeiten. An Trauernde, die Unterstützung und Zuwendung brauchen. An Paare, die plötzlich jeden Tag in eine Wohnung gesperrt sind ohne Möglichkeit, sich auch einmal abzusondern. An Unternehmer, die sich um ihre Betriebe sorgen und nachts nicht mehr schlafen“, so Meraner.

„Wir sind rund um die Uhr erreichbar. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.“

„Wenn wir jetzt stark sind, kehren wir früher zur Normalität zurück als andere“

Abschließend ergriff Landeshauptmann Arno Kompatscher noch einmal das Wort. Er hat am Freitagabend gemeinsam mit den Präsidenten der Regionen an einer Videokonferenz mit Premierminister Giuseppe Conte teilgenommen: „Wir haben erneut betont, dass man jetzt schnellstens Pläne und Strategien entwickeln muss, um den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu regeln. Wir haben uns auch darüber unterhalten, womit wir beginnen und welche Maßnahmen es in dieser 2. Phase braucht.“

Grundsätzlich gelte es, immer die Nase und den Mund zu schützen, wenn man in Kontakt mit Menschen trete.

„Wenn wir jetzt gemeinsam durchhalten, den Kontakt mit Menschen meiden, mit denen wir nicht zusammenwohnen und uns stets schützen, wenn wir mit anderen in Kontakt treten, dann können wir eine jener Regionen sein, die früher als andere wieder zur Normalität zurückkehren“, so Kompatscher.

Deshalb habe man es zur Regel gemacht, sich mit einem Mundschutz – das kann auch ein Schutztuch oder ein Schal sein – zu schützen: „Der Mundschutz ist auch ein Zeichen der Nächstenliebe, ich schütze nicht nur mich selbst, sondern auch alle anderen“, so Kompatscher.

Mundschutz: Erst Empfehlung, dann Pflicht

Am Ende der Pressekonferenz präzisierte Landeshauptmann Kompatscher auf Nachfrage von STOL nochmals, ob die Bedeckung von Nase und Mund beim Verlassen des Hauses nun Pflicht oder Empfehlung sei.

„Wir haben zunächst eine Empfehlung ausgestellt, diese wird aber in den kommenden Tagen zur Pflicht. Wir wollten den Menschen die Zeit geben, sich an den Mundschutz zu gewöhnen, bevor man mit dem Strafen beginnt“, so Kompatscher.

Im ersten Moment werde also nicht gestraft, aber schon in der kommenden Woche soll der Mundschutz zur Pflicht werden. Man werde auch weitere Schlauchtücher in den Lebensmittelgeschäften zur Verfügung stellen.

Allerdings sollte, so schloss Landeshauptmann Kompatscher, klar sein: Wenn etwas Bürgerpflicht ist und dem Wohle aller dient, sollte man sich eigentlich als verantwortungsvolle Bürger sofort daran halten, und nicht erst, wenn es strafbar wird.

liz

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