Montag, 27. Juli 2020

Muslimische Pilgerfahrt Hadsch coronabedingt auf Sparflamme

Ganz anders als gewohnt findet heuer die muslimische Pilgerfahrt Hadsch (Hajj) statt. Statt mehreren Millionen Gläubigen werden nämlich ab Mittwoch nur rund tausend Gläubige im saudi-arabischen Mekka erwartet. Die Behörden des Königreichs haben darüber hinaus drakonische Schutzmaßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung des Coronavirus unter den Pilgern zu verhindern.

Bei der Umrundung der Kaaba in Mekka ist in diesem Jahr vieles anders.
Bei der Umrundung der Kaaba in Mekka ist in diesem Jahr vieles anders. - Foto: © APA/afp / KARIM SAHIB
Erstmals in der modernen Geschichte des Landes dürfen außerhalb des Königreichs lebende Gläubige nicht bei der Pilgerfahrt dabei sein. So heißt es auf der Homepage des Islamischen Zentrums Wien: „Im Moment gibt es keine Hajj/Umra Reisen“. (Die Umra, die kleine Pilgerfahrt, kann im Gegensatz zur großen Pilgerfahrt, dem Hadsch, jederzeit im Jahr durchgeführt werden).

Um trotzdem den globalen Charakter der Pilgerfahrt gerecht zu werden, wurden im Königreich ansässige ausländische Muslime bei der Vergabe der Hadsch-Tickets bevorzugt. Lediglich 30 Prozent der Teilnehmer sollen Bürger Saudi-Arabiens sein.

Bei der Pilgerfahrt gilt zudem eine Maskenpflicht. Außerdem sollten die Gläubigen noch vor ihrer Ankunft in der heiligen Stadt Mekka auf das Coronavirus getestet werden. Nach dem Ende der Pilgerfahrt am Sonntag sollten sie sich in Quarantäne begeben. Das 33-Millionen-Einwohner-Land Saudi-Arabien zählt mit mehr als 260.000 Infektionen und offiziell 2635 Toten zu den am schwersten von der Coronakrise betroffenen Staaten der Welt.

Teilnehmer per Lotterie ausgesucht

Die Hadsch-Interessenten konnten sich bis Anfang Juli für eine Lotterie im Internet registrieren. Nach Behördenangaben nahmen Bürger von 160 Ländern daran teil. Die Freude bei den Auserwählten war so groß wie die Frustration derjenigen, die leer ausgingen.

Die einheimischen Teilnehmer wurden nach Regierungsangaben unter Beschäftigten im Gesundheitswesens und Militärs ausgewählt, die das Coronavirus bereits überstanden haben. Doch an dieser Darstellung gab es Zweifel. Die saudi-arabischen Teilnehmer müssen außerdem unter 65 Jahre alt sein und dürfen keine chronischen Erkrankungen haben.

Die Pilgerfahrt beginnt am Mittwoch damit, dass 7 Mal das würfelförmige Gebäude der Kaaba im Hof der Großen Moschee von Mekka umrundet wird. Zu den Höhepunkten der Pilgerfahrt zählt die Besteigung des Bergs Arafat, wo Bittgebete an Gott zur Vergebung der Sünden gesprochen werden, sowie die symbolische Steinigung des Teufels am heiligen Ort Mina, rund 5 Kilometer östlich der Großen Moschee von Mekka. Dabei werfen die Pilger Kieselsteine auf eine Säule, die den Satan symbolisiert. Dieses Ritual markiert den Beginn des muslimischen Opferfests Eid al-Adha.

Ein Mal im Leben nach Mekka

Der Hadsch gehört zu den 5 Grundpflichten des Islam. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben in die für Muslime heilige Stadt Mekka pilgern. Zum Auftakt der Wallfahrt treten die Gläubigen in einen Weihezustand. Dafür tragen Männer etwa nahtlose weiße Gewänder. Die einheitliche Kleidung soll die Gleichheit aller Muslime vor Gott symbolisieren.

Die Wallfahrt bringt normalerweise Millionen von Menschen nach Saudi-Arabien und ist insofern auch eine wichtige Einnahmequelle für den Golfstaat. Im vergangenen Jahr pilgerten 2,5 Millionen Gläubige nach Mekka.

apa/afp

Schlagwörter: