Dabei ist sie in einer gut bezahlten Branche tätig. Mit ihrem Problem ist sie in Südtirol längst nicht mehr allein: Eine STOL-Umfrage ergab, dass rund 70 Prozent der Befragten Schwierigkeiten haben, mit ihrem Gehalt bis zum Monatsende zu kommen – und das in einem Wohlstandsland wie Südtirol. Wir wollen einige dieser Geschichten veröffentlichen. <BR /><BR />2100 Euro pro Monat. Auf den ersten Blick scheint das viel Geld zu sein. „Für Südtirol ist das tatsächlich ein guter Lohn – besonders für eine Frau“, sagt S.Z.. Doch trotz dieser Summe plagen die 31-Jährige täglich finanzielle Sorgen. Diese hohe Zahl erzielt sie nur, weil sie das 13. und 14. Gehalt in ihrem Lohn hat. Der eigentliche Fixgehalt liegt jedoch deutlich darunter – auch Überstunden, Abendschichten und Wochenenddienste sind fest eingeplant. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67061827_quote" /><BR /><BR />Die alleinerziehende Mutter hat 2 Kinder im Alter von 8 und 12 Jahren und ist seit 2019 von ihrem Ex-Partner getrennt. Seitdem ist sie zu 100 Prozent für ihren Lebensunterhalt verantwortlich, und Unterhalt für die Kinder gibt es keinen. Die Eltern haben eine 50/50-Regelung vereinbart: Die Kinder wohnen die Hälfte der Woche bei der Mutter und die andere Hälfte beim Vater, auch die Kosten teilen sich die Eltern.<BR /><BR />S.Z. träumt von einem „normalen“ Job mit regulären Bürozeiten, ohne Wochenend-Dienste oder Arbeit an Feiertagen. „Das wäre einfacher, um die Schulzeiten meiner Kinder zu vereinbaren. Doch finanziell scheint das unmöglich. In einem Büro würde ich nie genug verdienen, um für mich und meine Kinder zu sorgen. Ich befinde mich in einem Kreislauf, aus dem ich nicht weiß, wie ich herauskommen soll. Und das in Südtirol. Im Jahr 2024. Es ist wirklich schlimm!“<h3> „In Südtirol läuft etwas falsch“</h3>Von finanzieller Unterstützung durch das Land kann die Mutter aus Deutschnofen nur träumen. „Dafür ist mein Gehalt zu hoch“, erklärt sie im Interview. „In Südtirol läuft etwas falsch. Einen Mietbeitrag erhält man nur, wenn man weniger als 1.000 Euro pro Monat verdient. Da frage ich mich, wie ich einen Job annehmen soll, bei dem ich weniger als 1.000 Euro verdiene, wenn allein meine Wohnung schon so viel kostet?“<BR /><BR />Aufgrund ihrer finanziellen Schwierigkeiten hat S.Z. eine App heruntergeladen, um ihre Ausgaben genau zu dokumentieren. „Monatlich komme ich immer auf mindestens 1700 Euro: Meine Wohnung kostet 1.000 Euro, mein Auto etwa 300 Euro, Lebensmittel zwischen 200 und 300 Euro. Hinzu kommen Strom, Versicherungen und natürlich Ausgaben für die Kinder“, berichtet sie. Unvorhergesehene Rechnungen, Reparaturen und Arzttermine sind dabei noch nicht eingerechnet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67061828_quote" /><h3> „Manchmal gehe ich auch ins Minus“</h3>Hobbys kann sich die 31-Jährige nicht leisten – weder finanziell noch zeitlich. „Ich mache keinen Sport, gehe nie shoppen, und von Sommerurlauben ganz zu schweigen“, sagt sie. Als ihr Auto zuletzt kaputtging und Reparaturen von knapp 1.000 Euro notwendig waren, war sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. „Ich hätte die Kosten nicht decken können, wenn meine Eltern mich nicht unterstützt hätten.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-67061829_quote" /><BR /><BR />Von ihrem Gehalt bleiben ihr monatlich nur etwa 300 bis 400 Euro übrig. „Manchmal gehe ich auch ins Minus“, sagt die 31-Jährige, obwohl sie Vollzeit in einem Hotel arbeitet. „Eigentlich müsste man in Südtirol einen 2. und 3. Job annehmen, um ordentlich leben zu können.“<h3> „Schlaflose Nächte wegen finanzieller Sorgen sind keine Seltenheit“</h3>Zusätzlich muss sie sich ein finanzielles Polster erarbeiten, denn aufgrund der Saisonverträge im Gastgewerbe ist sie jedes Jahr 2 bis 3 Monate arbeitslos. Das Arbeitslosengeld, das sie in Höhe von 800 Euro erhält, deckt nicht einmal die monatliche Miete, geschweige denn ein ausgewogenes Essen für sie und ihre Kinder. Schlaflose Nächte aufgrund finanzieller Probleme sind für die 31-Jährige keine Seltenheit. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67065160_quote" /><h3> Vom Wohlstandsland keine Spur</h3>S.Z. denkt auch an die Zukunft und legt monatlich 50 Euro für ihre Rente zurück. „Mehr ist nicht drin“, sagt sie. Die Situation in Südtirol sei traurig. Vom Wohlstandsland keine Spur. „Wie soll ich mir in meiner Situation – ohne Unterstützung – etwas zur Seite legen, geschweige denn in den Urlaub fahren?“<h3> „Ich bin echt sehr enttäuscht, wie schwer es ist als Frau, wenn man allein lebt!“</h3><BR />Nicht nur die fehlende finanzielle Unterstützung vom Land ist ein Problem, sondern auch das mangelnde Verständnis der Arbeitgeber. „Für die nächste Saison haben meine Arbeitgeber eine neue Rezeptionistin eingestellt, eine, die keine Kinder hat und somit flexibler ist. Das ist eine Frechheit, denn ich habe meine Situation von Anfang an klar kommuniziert, und es schien am Anfang auch kein Problem zu sein.“<BR /><BR />Die nächsten Wochen werden für S.Z. entscheidend. In kürzester Zeit muss sie einen neuen Job finden. „Meistens scheitert es am Lohn. An dem Geld, das meine Kinder und ich zum Leben brauchen. So ist das in Südtirol und nicht anders! Ich bin echt sehr enttäuscht, wie schwer es ist als Frau, wenn man allein lebt!“