<b>Von Johanna Torggler</b><BR /><BR />Die zweifache Mutter ist mit ihrem Teilzeitjob zufrieden und kann sich nicht über ihren Lohn beklagen. Viel eher betrachtet sie die hohen Lebenshaltungskosten als Hauptursache für ihre Schwierigkeiten: „Uns zerreißt monatlich das Darlehen für unsere Wohnung, das über mehr als 20 Jahre läuft.“ Ihre Familie hat sich eine 4-Zimmer-Wohnung gekauft, aber die finanziellen Belastungen sind drückend. Zusätzlich wird ihre Situation durch die Tatsache verschärft, dass ihr Mann kürzlich Turnusse verloren hat, was einen Einkommensverlust von 400 Euro pro Monat bedeutet. „Das wird ein Betrag sein, den wir deutlich spüren werden“, sagt sie.<BR /><BR />Da eines ihrer Kinder eine leichte Beeinträchtigung hat, kann die Mutter nur in Teilzeit arbeiten. „Finanzielle Sorgen gehören da schon zum Alltag dazu. Neben dem Druck des Darlehens belasten uns auch die zusätzlichen Ausgaben wie Zahnarztrechnungen und Autoreparaturen. Jeden Monat müssen wir hoffen, dass keine unerwarteten Kosten hinzukommen, denn die können wir nicht stemmen.“<h3> „Also rosig ist es in Südtirol schon lange nicht mehr“</h3>Wenn die Kinder krank sind oder Ferien haben, kann es passieren, dass sie mehrere Wochen pro Jahr nicht zur Arbeit gehen kann. Auch die Therapie für ihren Sohn, die privat finanziert werden muss, ist teuer. „Eine Therapie, die uns empfohlen wurde, kostet 600 Euro pro Monat. Das können wir uns einfach nicht leisten“, sagt die besorgte Mutter.<BR />Trotz der Unterstützung vom Land reicht es oft nicht aus. Die Familie hat darüber nachgedacht, ihren Sohn auf eine private Mittelschule zu schicken, die bessere Unterstützung bietet. „Dafür wollten wir schon jetzt 100 bis 200 Euro monatlich zur Seite legen. Doch keine Chance, das schaut im Moment einfach nicht heraus.“<BR /><BR />„Natürlich möchte man als Eltern den eigenen Kindern etwas bieten“, sagt die Mutter weiter. Um die Kosten zu senken, kauft sie Kleidung oft secondhand oder tauscht mit Nachbarn. „Wenn es möglich ist, möchte ich meinen Kindern auch einen Urlaub ermöglichen, damit sie leben können wie die anderen Kinder.“ Neben Essen und Kleidung kommen auch die Kosten für Freizeitaktivitäten hinzu. „Wenn die Kinder auf Kindergeburtstage eingeladen werden, wollen sie ihren Freunden natürlich etwas schenken. Rechnet man alles zusammen, kommen am Ende des Monats ganz schön hohe Zusatzkosten zusammen.“<BR /><BR />„Also rosig ist es in Südtirol schon lange nicht mehr“, fasst die Mutter abschließend zusammen.<h3> STOL-Umfrage: 70 Prozent der Abstimmenden kommen mit ihrem Gehalt nur schwer bis ans Monatsende</h3>Mit ihren finanziellen Problemen ist die Mutter in Südtirol längst nicht mehr allein. In Südtirol sind die Lebenshaltungskosten so hoch, dass sich immer mehr Südtiroler schwer tun, mit ihrem Gehalt über die Runden zu kommen. Eine STOL-Umfrage ergab, dass rund 70 Prozent der Abstimmenden Schwierigkeiten haben, mit ihrem Gehalt bis zum Monatsende zu kommen – und das in einem Wohlstandsland wie Südtirol.<BR /><BR />Familien, Landwirte, Senioren und alleinstehende Mütter berichten von ihren Sorgen. Einige ihrer Geschichten haben wir bereits veröffentlicht: <BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/landwirt-ein-abendessen-mit-meiner-frau-das-waere-luxus" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Ein Landwirt und Familienvater muss mehreren Arbeiten nachgehen um über die Runden zu kommen. Trotz seiner Anstrengungen bleibt am Ende des Monats kaum etwas übrig.</a></b><BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/mutter-berichtet-eigentlich-muesste-ich-einen-2-und-3-job-uebernehmen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Die 31-jährige S.Z. aus Deutschnofen hat mit uns über die Herausforderungen gesprochen, die das Alleinleben als Mutter in Südtirol mit sich bringt. Trotz eines Vollzeitjobs in einer gut bezahlten Branche reicht ihr Einkommen kaum zum Leben.</a></b>