Der stille Pilgerzug vor dem Haus in Muggia nahe Triest, in dem sich die Tragödie ereignet hat, reißt nicht ab. Mitschüler und Freunde des Kindes sowie zahlreiche Bürger legen Blumen, Spielzeug und kleine Botschaften nieder - ein Zeichen der tiefen Anteilnahme einer erschütterten Gemeinschaft. Der Vater des Kindes soll noch heute von den Ermittlern einvernommen werden. Für den Abend ist im Dom von Muggia eine Gebetswache geplant.<BR /><BR />„Ich bin verbittert, dass der Mutter erlaubt wurde, das Kind ohne Schutz zu sehen“, sagte Giovannis Vater laut Angaben des Pfarrers von Muggia, Andrea Destradi. Die ukrainische Mutter, Olena Stasiuk, hatte dem Kind an jenem Abend, an dem ein Besuch ohne Aufsicht stattfand, die Kehle durchschnitten. Bereits früher soll sie ihren Sohn am Hals gepackt und ihm Verletzungen zugefügt haben. Die damals festgestellten Hämatome wurden ärztlich dokumentiert und als innerhalb von drei Tagen heilbar eingestuft. Der Vorfall liegt rund zwei Jahre zurück. Die Ehe der Frau mit einem 58-Jährigen aus Triest soll stark belastet gewesen sein; das Zusammenleben sei praktisch schon kurz nach Giovannis Geburt gescheitert.<BR /><BR />„Merke dir gut: Wenn ich sterbe, stirbt auch Giovanni mit mir!“, soll die Frau ihrem Ex-Mann gedroht haben. Sie stand unter Betreuung des Zentrums für psychische Gesundheit. Nach dem Mord wurde sie von der Polizei den Sanitätern übergeben, ins Krankenhaus von Cattinara gebracht, heute entlassen und anschließend ins Gefängnis überstellt. Das Gericht in Triest hatte entschieden, dass der Bub beim Vater leben sollte; dennoch wurden - wie üblich - regelmäßige Kontakte zur Mutter gewährt.<BR /><BR />Der Vater erwartete seinen Sohn um 21 Uhr zurück. Als Giovanni nicht erschien, versuchte er mehrfach, seine Ex-Frau zu erreichen - ohne Erfolg. Besorgt informierte er die Polizei, die ebenfalls vergeblich Kontakt aufzunehmen versuchte. Schließlich wurde das Schlimmste Gewissheit: Polizisten und Feuerwehrleute begaben sich zur Wohnung der Frau an der Piazza Marconi im Zentrum von Muggia. Mit einer Drehleiter gelangten Feuerwehrleute durch ein Fenster hinein und entdeckten die Tragödie.<BR /><BR />Die Gemeinde steht unter Schock. Ein Trauertag wurde ausgerufen. Auch der Fußballverein, dem Giovanni angehörte, setzte seine Aktivitäten aus. Der Bub besuchte die vierte Klasse einer slowenisch-sprachigen Volksschule und begeisterte sich vor allem für Fußball. „Es gibt keine Worte für das Geschehene. Ruhe in Frieden“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurde.