Sonntag, 1. Mai 2022

Nach 2 Jahren Pandemie wieder feiern: Das sagt Clubbetreiber Felix Taschler

Seit ein paar Wochen ist Feiern in den Südtiroler Clubs wieder erlaubt. Die Südtiroler Diskotheken haben ihren Betrieb wiederaufgenommen. STOL hat mit dem Vorsitzenden der Fachgruppe der Diskotheken im HGV, Felix Taschler vom Club Max in Brixen, über die aktuelle Lage in der Clubszene gesprochen.

Der Club Max in Brixen hat seit Februar wieder geöffnet: Das freut nicht nur zahlreiche Jugendliche und Partygänger, sondern auch DJs wie DJ Shany (links) und Rudy Mc (rechts). - Foto: © Club Max

Von:
Armin Pichler
STOL: Wie waren die letzten 2 Jahre für Sie als Clubbetreiber?

Felix Taschler: Die letzten 2 Jahre waren sehr schwierig und ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Im März 2020 waren wir dazu gezwungen, den Club Max bis auf weiteres zu schließen: Für uns war das natürlich die pure Hiobsbotschaft. Wir versuchten optimistisch zu bleiben und auch bei uns fielen Sätze wie: „Bald ist das alles wieder vorbei. In einem Monat können wir sicher wieder öffnen.“ Allerdings kam es ja bekanntlich anders. Über 18 Monate später, am 15. Oktober 2021, konnten wir den Clubbetrieb dann endlich wiederaufnehmen. 5 Tage zuvor wurde uns erst mitgeteilt, dass das möglich sei, deshalb wurden in kürzester Zeit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Diskothek auch wieder im feiertauglichen Zustand präsentieren zu können – das gelang. Wir waren äußerst zufrieden und voller Euphorie. Im Dezember gab es dann die kalte Dusche: Erneute Schließung. Geduld war gefragt und diese wurde dann auch belohnt: Seit Februar haben wir nun wieder geöffnet und das Geschäft läuft sehr gut. Die Stimmung ist seither bei allen Beteiligten positiv und man blickt bereits jetzt mit viel Freude in die Zukunft.

STOL: Welche Vorschriften müssen Clubbetreiber derzeit noch einhalten?

Taschler: Bei uns herrscht noch die 2G-Regel: Heißt, dass wir lediglich geimpften oder genesenen Personen Zutritt in unser Lokal gewähren (Stand: April 2022). Was mich sehr freut, ist, dass wir in Sachen Kapazität mittlerweile wieder die vollen 100 Prozent an Auslastung nutzen können. Eine volle Auslastung sorgt schon gleich für eine ganz andere Atmosphäre. Eine weitere Regel, die derzeit noch eingehalten werden muss, ist die Maskenpflicht im Lokal (Auf der Tanzfläche kann die Maske abgenommen werden – Anm. d. Red.). Ansonsten können wir mittlerweile recht frei arbeiten. Ab Mai wird es dann ja bekanntlich weitere Lockerungen geben und das stimmt mich zusätzlich positiv.

STOL: Das Nachtleben, das sich so viele Südtiroler schon lange sehnsüchtig zurückgewünscht haben, scheint nun endlich wieder Realität zu sein. Wie haben Sie die vergangenen Wochen, seit Wiederaufnahme des Clubbetriebs, erlebt?

Taschler: Die vergangenen Wochen habe ich sehr gute Schlüsse ziehen können: Die Nachfrage ist groß. Wir haben seit Februar durchgehend super gearbeitet und die Stimmung im Club ist wirklich hervorragend. Besonders schön ist auch, dass die Jugendlichen auf einen zukommen und sich bedanken und uns positives Feedback vermitteln. Das gibt zusätzliche Motivation und ist eine Bestätigung für die verrichtete Arbeit. Ich würde mich sogar fast trauen zu sagen, dass die Jugendlichen, die während des Lockdowns 16 geworden sind, jetzt besonders motiviert sind, das Nachtleben kennenzulernen, da sie es in den letzten 2 Jahren kaum auskosten konnten.


Besonders schön ist auch, dass die Jugendlichen auf einen zukommen und sich bedanken und uns positives Feedback vermitteln. Das gibt zusätzliche Motivation und ist eine Bestätigung für die verrichtete Arbeit.
Felix Taschler



STOL: Gibt es Dinge, die aktuell besonders anspruchsvoll zu bewältigen sind?

Taschler: Bei gewissen Events ist der Andrang an Besuchern oft ein wenig chaotisch, speziell vor dem Lokal. Glücklicherweise hält sich dieser, mit Hilfe des Ticket-Vorverkaufs, meistens in Grenzen. Ein besonders negativer Punkt sind die wenigen Jugendbanden, die nicht ausgehen um Spaß zu haben, sondern um zu provozieren und Schlägereien anzuzetteln. Speziell in Bozen kommt es leider öfters zu solchen Fällen. Ein weiteres Problem gibt es für Anrainer, die sich in den letzten 2 Jahren an die doch sehr umfangreiche Ruhe gewöhnt haben, denn besonders jetzt in den warmen Monaten wird es auf den Straßen wieder etwas lauter werden und bei vielen Personen, die ihre nächtliche Ruhe haben wollen, ist die Sensibilitätsgrenze in Sachen Lärm mittlerweile doch sehr gesunken. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Behörden eine arbeitsintensivere Zeit zukommen, da vor allem Jugendliche beim „Vorglühen“ in Parks usw. dazu neigen, lauter zu werden und womöglich auch die ein oder andere dumme Aktion zu bringen. Das gab es in den vergangen 2 Jahren kaum mehr: Für uns ist es daher von enormer Bedeutung, im ständigen Austausch mit der Stadtpolitik und den zuständigen Behörden zu stehen. Somit kann man sich untereinander helfen, Lösungen finden und anschließend präventiv handeln, um gewissen Problemen weitestgehend aus dem Weg zu gehen.

STOL: Wie sieht es mit dem Personal aus? Ist es derzeit schwierig, für diese Branche Arbeitskräfte zu finden?

Taschler: Es ist definitiv nicht einfach, Arbeitskräfte zu finden. Es gibt einige Leute, die Lust haben, am Wochenende zu arbeiten; diese stellen sich aber oftmals leider nur für einen Tag zur Verfügung. Natürlich sind wir froh darüber, allerdings gab es früher gleich mehrere Personen, die auf der Suche nach einem zweiten Job waren und sich deshalb dazu bereit erklärt haben, das gesamte Wochenende über bei uns zu arbeiten; dieser Teil an Arbeitskräften ist in den letzten Jahren leider sehr stark zurückgegangen. Der Großteil will heutzutage einmal die Woche oder dreimal pro Monat arbeiten. Besonders die Suche nach gutem Personal gestaltet sich als schwierig, denn in dieser Branche muss man Stress verarbeiten können und über soziale Fähigkeiten und besonders viel Geduld verfügen. Nicht jeder Mensch ist für diese Branche geschaffen.

STOL: Boomt das Nachtleben bereits auf dem gleichen Niveau wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie?

Taschler: Ich würde schon sagen, dass das so ist. Speziell, seitdem wir die Erlaubnis erhalten haben, unser Lokal wieder voll auszulasten. Die Corona-Lockerungen, die uns ja jetzt ab Mai erwarten werden, werden sich auch sehr positiv auf unsere Branche auswirken. Ich blicke daher sehr optimistisch in die Zukunft.

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