Auf der Alm in der Nähe des Col di Lana war es bereits finster, als die Hirtin Katharina die Pferde aufgeregt wiehern und die Kühe muhen hörte. Sofort rannte sie mit ihrem Freund aus der Hütte und sah nach ihrer Herde. Es war aber bereits zu spät: Eselin Lilli lag regungslos am Boden mit raushängenden Innereien – die Wölfe hatten sie erwischt.<BR /><BR />Besonders traurig ist Katharinas Vater, der Lilli zu seinem 40. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Damals war die Eselin 10 Monate alt und noch nicht ausgewachsen. „Sie ist an meiner Seite groß geworden und mir in der Zeit richtig ans Herz gewachsen“, sagt Hansjörg Lunger, Vater von Hirtin Katharina und von Extrembergsteigerin Tamara Lunger. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="930892_image" /></div> <BR /><h3> Bekannt als Türsteherin am Latzfonser Kreuz</h3>„Damals führten wir noch die Hütte am Latzfonser Kreuz. Die Eselin folgte mir aufs Wort und ging mir immer nach. Bei schlechtem Wetter kam sie in das Haus und wartete an der Türschwelle. Einige haben einen Hund, ich hatte die Eselin“, erzählt Lunger. Viele Wanderer kannten sie als Türsteherin am Latzfonser Kreuz. Bis 2018 führte die Familie das Schutzhaus. <BR /><BR />„Weil meine Tochter Hirtin auf der Alm unterm Col di Lana ist, beschlossen wir, die Eselin und weitere Weidetiere für diesen Sommer dorthin zu bringen“, sagt der Vater. Am vergangenen Sonntag wurde Lilli dann von den Wölfen zerfleischt. „Es geht mir nicht um den wirtschaftlichen Schaden. Es war eine innige, emotionale Beziehung zwischen uns und Lilli. Das einzig Positive ist, dass Lilli schnell verendet ist und nicht lange leiden musste“, sagt Lunger.<BR /><BR />Die Wölfe hatten am Sonntag in der rund 60 Tiere großen Herde nur die Eselin gerissen. Die anderen Tiere blieben verschont. In besagter Nacht kamen die Wölfe nach dem Riss vermutlich wieder zurück. „Als meine Tochter am Tag danach nochmals zur toten Eselin ging, fehlte ein noch größeres Stück von ihrem Körper“, so Lunger. Natürlich habe die Tochter jetzt Angst, dass die Wölfe wieder zurückkommen und weitere Tiere reißen könnten. Die Herde sei in den vergangenen Nächten immer unruhig und in Bewegung gewesen. <h3> „Bin enttäuscht, dass nichts gemacht wird“</h3>„Auf dieser Alm wurde voriges Jahr bereits ein Kalb gerissen“, erzählt der Vater. Er finde es enttäuschend, dass man einen Problemwolf nicht einfach erlegen dürfe. <BR /><BR />„Die Bauern haben eine emotionale Beziehung zu ihren Tieren. Immer öfter müssen sie mitansehen, wie sie von Wölfen zerfleischt werden. Wenn es schlecht geht, müssen sie ein vom Wolf tödlich verletztes Tier mit eigenen Händen erlegen. Das ist eine große Zumutung“, sagt Lunger. „Tierschutz ist gut und recht. Meiner Meinung nach fehlt den Tierschützern aber der Bezug. Sie wissen einfach nicht, wie sich das anfühlt, wenn ein Bauer seine Schafe verliert. Ich möchte sehen, wie sie reagieren würden, wenn sie ihr Schoßhündchen entzweit vorfinden würden. Ich glaube, sie würden umdenken.“<BR /><BR />Lunger lässt seine Tiere für diesen Sommer noch auf der Alm, bevor er sie für den Winter zurück nach Hause nach Gummer holt. „Ich finde es traurig und schade, dass nichts weitergeht. Wenn man zwischendurch einen Problemwolf abschießen könnte, würde das andere Wölfe womöglich abschrecken und sie würden nicht mehr so schnell über eine Herde herfallen“, sagt Lunger.