Die Indo-Tibetische Grenzpolizei (ITBP) hat eine offizielle Ausschreibung gestartet. Gesucht wird ein auf Höhenbergungen spezialisiertes Unternehmen, das den Leichnam von „Green Boots“ in Zusammenarbeit mit mindestens sechs erfahrenen Sherpas vom Berg holen soll.<BR /><BR /> Die logistisch und körperlich anspruchsvolle Operation ist für den Zeitraum zwischen Juni und September über die tibetische Seite des Massivs geplant.<h3> Das Unglück der indischen Expedition von 1996</h3>Die Geschichte des Toten geht auf das Jahr 1996 zurück. Am 10. Mai geriet eine sechsköpfige Expedition der ITBP in der Nähe des Gipfels in einen schweren Schneesturm – ein Ereignis, das als Teil der „Everest-Katastrophe von 1996“ in die Alpinismusgeschichte einging.<BR /><BR /> Während drei Mitglieder der Gruppe aufgrund des Wetterumschwungs rechtzeitig umkehrten, setzten die drei verbleibenden Bergsteiger den Aufstieg fort. Keiner von ihnen kehrte lebend zurück.<BR /><BR />Die genaue Identität von „Green Boots“, benannt nach seinen auffälligen, neongrünen Bergsteigerstiefeln, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt: Es könnte sich um den damals 47-jährigen Dorje Morup oder den damals 28-jährigen Tsewang Paljor handeln, die beide Mitglieder dieser Dreiergruppe waren.<BR /><BR />Aufgrund der extremen Kälte und des Permafrosts blieb der Körper über Jahrzehnte nahezu unversehrt an einem Felsüberhang auf rund 8500 Metern Höhe erhalten.<h3> Logistische und diplomatische Hürden</h3>Bergungen in der sogenannten „Todeszone“ oberhalb von 8000 Metern gelten als schwierig und risikoreich. Aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts ist die körperliche Leistungsfähigkeit von Rettungskräften drastisch reduziert. <BR /><BR />Da Hubschrauber in dieser dünnen Luftschicht keine schweren Lasten aufnehmen oder verlässlich landen können, muss der Transport des gefrorenen Körpers zu Fuß durch die Sherpas erfolgen.<BR /><BR />Zusätzlich zu den physischen Gefahren erfordert das Vorhaben einen erheblichen bürokratischen Aufwand. Da die Bergung über die tibetische Flanke erfolgt, müssen die Organisatoren umfassende Genehmigungen der chinesischen Behörden einholen. Geplant ist, die sterblichen Überreste über die tibetisch-nepalesische Grenze nach Kathmandu zu fliegen, um von dort aus die finale Rückführung nach Indien zu veranlassen.<h3> Steigende Opferzahlen und strengere Regeln</h3>Schätzungen zufolge sind seit der Erstbesteigung im Jahr 1953 mehr als 300 Menschen am Mount Everest ums Leben gekommen. Viele der Körper verbleiben dauerhaft am Berg, da der logistische Aufwand einer Bergung oft zu riskant ist. Durch den fortschreitenden Klimawandel und das Abschmelzen der Gletscher treten in jüngster Zeit vermehrt historisch verschollene Leichname wieder an die Oberfläche.<BR /><BR />Gleichzeitig verzeichnet der Tourismus am höchsten Berg der Erde trotz der bekannten Risiken immer neue Höchststände. Um den Massenansturm zu regulieren, hat die nepalische Regierung die Hürden für Genehmigungen verschärft: Solo-Touren auf Achttausender wurden untersagt und ein neues Tourismusgesetz sieht künftig verpflichtende Gesundheitschecks sowie den Nachweis einer bereits absolvierten Besteigung eines 7000er-Gipfels vor.