Mit ihm verlässt der letzte Vertreter der alten Garde die Hubschrauberflotte – ein Mann, dessen Leben und Beruf untrennbar miteinander verwoben waren. <BR /><BR />„Wer behauptet, in der Luft nie Angst gehabt zu haben, sagt nicht die Wahrheit“, gesteht Näckler offen. Und wer den 64-Jährigen kennt, weiß: Diese Worte kommen von jemandem, der sich der Angst gestellt hat – immer wieder, unter extremen Bedingungen, oft zwischen Leben und Tod.<BR /><BR />Wenn der vierfache Familienvater seine Erinnerungen an Jahrzehnte als rechte Hand der Notärzte der Landesflugrettung zu Papier bringen würde, entstünde vermutlich ein mehrbändiges Werk voller dramatischer Einsätze, menschlicher Tragödien, kleiner, berührender Momente sowie großer Erfolge, die niemand an die große Glocke gehängt hat.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1244220_image" /></div> <BR />Doch wie kam ein gelernter Bäcker überhaupt in die Welt der Flugrettung? „Die Nachtarbeit hatte mich ausgelaugt: Deshalb bewarb ich mich 1988 beim Weißen Kreuz Welschnofen als Saisonangestellter“, erinnert sich Erich Näckler. Bereits drei Monate später wurde er als erster Festangestellter in Welschnofen in den Verein aufgenommen – ein erster kleiner Schritt auf einem beruflichen Weg, der bald alles verändern sollte.<h3> Die Besten der Besten</h3>1992 wechselte Näckler zum Weißen Kreuz nach Bozen. Dort nahm sein Werdegang eine entscheidende Wendung: Nach nur wenigen Monaten fragte ihn Reinhard Mahlknecht, damals Dienstleiter des Bozner Weißen Kreuzes, ob er in die Flugrettung einsteigen wolle. „Flugretter zu werden, war für mich ein Traumberuf. Ich dachte immer, dafür kommen nur die Allerbesten in Frage – und plötzlich wurde ich gefragt, obwohl ich mir nie Hoffnungen gemacht hatte“, erzählt der 64-Jährige. Und natürlich sagte Erich Näckler sofort zu.<h3> Herausfordernde Ausbildung absolviert</h3>Die Ausbildung zum Paramedic in der Schweiz, die Näckler gemeinsam mit einigen Weiß-Kreuz-Kollegen absolvierte, war fordernd – inklusive Rettungsschwimmerprüfung. „Diese Ausbildung war ein harter Brocken, ich habe sehr viel gelernt“, betont er. „Der Paramedic arbeitet in der Schweiz – so wie auch in den USA – alleine, ohne Notarzt.“<BR /><BR /> Parallel zur modularen Ausbildung stieg Näckler in die Flugrettung ein. Was folgte, waren Tage, Wochen, Monate und Jahre voller Einsätze, oft unter extremen Bedingungen. Und dann kam der 7. Jänner 1996: An diesem Tag ereigneten sich die schlimmsten Momente in seiner Karriere als Flugretter: Der Notarzthubschrauber Pelikan 1 stürzte gleich nach dem Start in Bozen ab – in der Nähe des Krankenhauses. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten, doch die Verletzungen waren schwer, auch Erich Näckler war betroffen. „An den Absturz kann ich mich noch erinnern, als wäre er gestern gewesen“, sagt er. „Und nach dem Aufprall war ich bewusstlos.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1244223_image" /></div> Monatelang war Näckler dann außer Gefecht, kämpfte sich zurück ins Leben – und wollte unbedingt wieder fliegen, zunächst sogar mit Korsett wegen seiner Rückenverletzungen. „Der Wiedereinstieg war ein Horror – die Turbinengeräusche, der Kerosingeruch, alles löste Angst aus“, erinnert er sich. Aber der Welschnofner war viel stärker als die Angst und gab nicht auf.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1244226_image" /></div> <BR />Wenn er heute auf seine knapp 32 Jahre in der Flugrettung zurückblickt, sagt Näckler: „Ich habe nicht viel gesehen, sondern zu viel.“ Hunderte Bergtote, schwer verletzte oder tote Kinder, schwere Unfälle, medizinische Notfälle, Tragödien – vieles hat er miterlebt. Besonders der Unfall am 13. April 2008 bei Schloss Juval mit fünf Toten hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. <BR /><BR />Doch genauso prägend waren die Momente, in denen geholfen werden konnte: Bergsteiger aus aussichtslosen Situationen zu retten, ein Kind nach einem Sturz ins Wasser wiederzubeleben, Patienten zurück ins Leben zu holen. „Diese Erlebnisse geben Kraft und Motivation“, sagt Näckler.<h3> In der Bergwelt abschalten</h3>Um nach traumatischen Einsätzen wieder zur Ruhe zu kommen, brauchte er keine professionelle Hilfe. Stattdessen zog es den Bergretter allein in die Berge – stundenlang. „Wenn ich zurückkam, war ich wieder der Alte“, erzählt er. Erich Näcklers Passion für die Natur und die Berge hat ihm geholfen, die seelischen Belastungen seines herausfordernden Berufes zu tragen.<h3> Initiator der Benefizaktion „Flugretter helfen“</h3>Auch abseits der Einsätze hat Erich Näckler Spuren hinterlassen. So initiierte er die Kalenderaktion „Flugretter helfen“ zugunsten des Bäuerlichen Notstandsfonds (BNF) „Menschen helfen“. „Es heißt immer, Südtirol sei reich. Doch wer hinter die Haustüren schaut, sieht viel Armut. Diese Aktion habe ich gestartet, um Menschen zu helfen, die in Not sind“, erklärt er. „Bei Einsätzen habe ich sehr viel Armut gesehen.“ Deshalb verspricht Näckler: „Meine Kalenderaktion wird es weiterhin geben – auch nach meiner Pensionierung. Dafür stehe ich ein und packe mit an.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1244229_image" /></div> Würde der 64-jährige Welschnofner, der seit einigen Monaten auch Großvater ist, seinen beruflichen Weg noch einmal wählen? „Ja, Flugretter ist mein Traumberuf. Die vergangenen Jahrzehnte möchte ich nicht missen“, sagt er mit einem Lächeln.<BR /><BR />Und bei Fahrten mit seiner Frau Maggy durchs Land werden wohl immer wieder Erinnerungen wach – wenn er Gebäude, Wälder, Bergspitzen, Straßenabschnitte und auch andere Orte wiedererkennt, wo er Menschen in Not geholfen hat. Diese Erinnerungen sind für ihn unvergesslich, die Geschichten unauslöschlich – genauso wie die Spuren, die Erich Näckler über Jahrzehnte in der Landesflugrettung hinterlassen hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1244232_image" /></div>