<BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/patient-geht-auf-rettungskraefte-los-weisses-kreuz-verurteilt-angriff-in-bozen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet</a>, ist in der Nacht vom 26. auf den 27. November ein Rettungseinsatz in Bozen eskaliert: Drei Mitarbeiter des Weißen Kreuzes wurden vor der Ex-Alimarket-Unterkunft von mehreren Personen erst verbal und anschließend körperlich angegriffen. Die Sanitäter sowie ein Patient mussten im Krankenhaus versorgt werden. Erst das Einschreiten der Carabinieri brachte die Lage unter Kontrolle. <BR /><BR /> Während die Ermittlungen laufen und der Landesrettungsverein den Vorfall scharf verurteilt, stellt sich zugleich die Frage, wie häufig solche Übergriffe auf Rettungskräfte in Südtirol vorkommen – und wie das Weiße Kreuz damit umgeht. STOL hat darüber mit dem Präsidenten des Weißen Kreuz, <b>Alexander Schmid</b>, gesprochen.<BR /><BR /><b>Um zunächst ein Bild der Lage zu bekommen: Wie häufig kommt es vor, dass es speziell gegenüber Rettungs- oder Notfallsanitätern zu Übergriffen kommt?</b><BR />Alexander Schmid: Das ist ein Phänomen, das es immer schon gegeben hat und das in den letzten Jahren gefühlt etwas zugenommen hat. Grundsätzlich sehen wir, dass die Art der Angriffe meist sehr ähnlich ist. Wobei hier verbale Angriffe deutlich häufiger vorkommen, als tätliche Angriffe.<BR /><BR /><b>In welchen Einsatzsituationen erlebt ihr am häufigsten Gewalt?</b><BR /> Schmid: Am häufigsten, wenn Alkohol oder andere Substanzen im Spiel sind oder wenn Patienten in einem psychischen Ausnahmezustand sind. Das sind die typischen Szenarien. <BR /><BR /><b>Gibt es bestimmte Regionen in Südtirol, wo Gewalt besonders häufig vorkommt?</b><BR />Schmid: Ich würde sagen, in der Hauptstadt passiert es etwas häufiger – einfach, weil dort viele Kulturen, viele Menschen und ein ausgeprägtes Nachtleben zusammentreffen. Dort haben wir wesentlich mehr Einsätze als anderswo, und entsprechend kommt es dort auch öfter zu Vorfällen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72505775_quote" /><BR /><BR /><b>Wie groß schätzen Sie die Dunkelziffer ein? Gibt es viele Fälle, die gar nicht gemeldet werden?</b><BR />Schmid: Die Dunkelziffer ist sicher hoch. Manche Dinge werden einfach nicht gemeldet – etwa verbale Entgleisungen bei psychischen Patienten. Das wird oft als „Teil des Berufs“ gesehen oder nicht als wirklich verletzend eingeordnet.<BR /><BR /><b>Was wird seitens des Weißen Kreuz unternommen, Sanitäter bei der Meldung solcher Vorfälle zu unterstützen?</b><BR />Schmid: Wir haben ein eigenes Tool entwickelt, das die Meldung extrem einfach macht. Unsere Mitarbeiter müssen ohnehin jeden Einsatz dokumentieren – und im selben System können sie mit einem Klick „Gewalt melden“ auswählen. Ganz einfach und niederschwellig. Somit werden die Fälle zentral erfasst und anschließend gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern besprochen, um weitere Schritte zu definieren. Zudem bieten wir seit etwa 10 Jahren regelmäßig Deeskalationskurse und ähnliche Schulungen an.<BR /><BR /><b>Seht ihr noch Handlungsfelder, in denen es hakt? Oder Bereiche, in denen Politik oder andere Institutionen nachbessern sollten?</b><BR />Schmid: Eigentlich sind wir gut aufgestellt. Wir haben bereits verschiedene Treffen auch mit anderen Organisationen, wie etwa der Feuerwehr gehabt. Wir besprechen die Problematik laufend und versuchen, Eskalationen zu vermeiden. Und wir wissen natürlich auch von Rettungsorganisationen in den Nachbarländern, dass es dort teils deutlich schlimmer ist.<BR /><BR /><b>Das heißt, Sie würden sagen: In Südtirol ist die Situation im Vergleich zu anderen Regionen nicht „dramatisch“?</b><BR />Schmid: Ja, das würde ich so sagen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land, aber insgesamt ist es bei uns weniger extrem als anderswo.