Mittwoch, 05. Januar 2022

Nach Covid-19-Infektion: Kinder mit Komplikationen auf Intensivstationen

Auf den Kinderstationen macht sich Corona zunehmend bemerkbar. Obwohl Kinder seltener schwer an Covid-19 erkranken, sind im vergangenen Jahr vermehrt Fälle einer überschießenden Entzündungsreaktion aufgetreten. Die Primarin der Bozner Pädiatrie, Dr. Laura Battisti, warnt davor: „MIS-C kann schwerwiegend sein. Haben Sie keine Angst vor der Impfung.“

Hohes Fieber und rote Flecken gelten als Warnzeichen für MIS-C: Etwa 2 bis 6 Wochen nach einer Covid-Erkrankung kann die Komplikation bei Kindern auftreten.
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Hohes Fieber und rote Flecken gelten als Warnzeichen für MIS-C: Etwa 2 bis 6 Wochen nach einer Covid-Erkrankung kann die Komplikation bei Kindern auftreten. - Foto: © shutterstock
Heute veröffentlichte Daten aus Innsbruck zeigen: Alleine im November 2021 mussten 17 Kinder im Bundesland Tirol wegen Corona stationär behandelt werden, fast so viele wie im gesamten Jahr 2020. In dem Jahr wurden 40 Kinder wegen Corona im Krankenhaus behandelt, 2021 waren es schon 121. 5 Prozent davon benötigten im Vorjahr intensivmedizinische Behandlung. Grund dafür ist oft das „PIMS-Syndrom“ oder „MIS-C“.



Der Überbegriff MIS-C steht für ein Multi-Entzündungssyndrom bei Kindern, das nach einer Covid-Infektion auftreten kann. Ursache für die Entzündungsprozesse ist vermutlich eine verzögerte Überreaktion des Immunsystems auf persistierende Virusbestandteile. Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die diesem Syndrom zugeordnet werden, steigt in jeder Welle an. Alleine zwischen Ende Dezember 2021 und Anfang Jänner 2022 wurden 6 Patienten in Innsbruck mit dem Syndrom behandelt. Keiner der Corona- bzw. MIS-C-Patienten, die bis 18 Jahre alt waren, war geimpft.

Bisher 15 bis 20 MIS-C-Fälle in Südtirol: „Kann schwerwiegend sein“

In der vergangenen Woche musste im Bozner Krankenhaus ein Kind wegen dieser Komplikation behandelt werden. „Seit Pandemiebeginn waren es etwa 15 bis 20 Fälle. Einige davon mussten auch auf die Intensivstation“, sagt die Primarin der Bozner Pädiatrie, Dr. Laura Battisti. Sie blickt mit Sorge auf die nächsten Wochen: „Etwa ein Prozent der mit Corona infizierten Kinder entwickelt diese Komplikation. Aber bei hohen Fallzahlen sind ein Prozent unter Umständen viele Kinder.“

MIS-C könne sehr schwerwiegend sein und auch Kinder betreffen, die einen asymptomatischen Covid-Verlauf durchmachen, erklärt die Kinderärztin: „Das Herz oder das Gehirn können betroffen sein. Das ist keine Bagatelle.“ Zur Therapie werde hochdosiertes Cortison eingesetzt. Vieles sei noch nicht bekannt: Gerade die Langzeitfolgen der Omikron-Variante seien noch wenig erforscht.

Dr. Battisti appelliert an Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen: „Haben Sie keine Angst vor der Impfung. Sie ist sicher – für Kinder und für Erwachsene.“ Das Virus zirkuliere, Kinder seien nun besonders betroffen, dabei reagiere ihr Immunsystem besonders gut auf die Impfung: „Die Komplikation ist mit der Krankheit verbunden. Je mehr Kinder geimpft sind, je weniger das Virus zirkulieren kann, desto seltener kann diese Komplikation entstehen.“ Sie fügt hinzu: „Ich fürchte mich vor den nächsten Wochen: Wenn es sehr viele Fälle gibt, kann das auch eine Belastung für unsere Station werden – und es gibt dann weniger Platz für andere Patienten.“

kn/apa