Die Stimmung unter den Bauern im Pustertal ist getrübt, wie eine Umfrage zeigt. Und es bleibt die Frage: Wie wird der Almsommer 2024?<BR /><BR />„Der Wolf hat heuer wüst gewütet“, erklärt der Terner Bauernbundobmann Johann Klapfer verärgert. „So kann es nicht weitergehen. Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, werden sich die Bauern sehr überlegen, ihr Vieh noch auf eine Alm zu bringen.“ Entsprechend hatte er bei dem Trauerzug am Samstag auf seinem Wagen 2 Tafeln angebracht: „Die Almwirtschaft geht verloren“ hieß es auf der einen Tafel, „Schützen wir unsere Almen“ auf der anderen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-61762139_quote" /><BR /><BR />„Ja, eine Lösung muss dringend her, sonst steht die Almwirtschaft vor dem Aus“, sagt Hannes Mair, Mairamhof in <b>Terenten</b>, zu dem die Hofalm gehört. „Aus Angst vor dem Wolf wurden heuer nur mehr 50 Jungtiere aufgetrieben und von den 70 Schafen sind mehr als 50 dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch ein Kalb wurde gerissen.“ Dessen Überreste wurden beim Trauerzug am Samstag in einem gläsernen Sarg mitgeführt.<BR /><BR />Wie aber wird es nun im kommenden Jahr weitergehen? „Die Almbauern hoffen, dass der Wolfsbestand möglichst rasch reguliert wird. Wenn nicht, dann wird wohl viel Vieh im Tal bleiben“, schätzt Mair. Ein Herdenschutzzaun sei nämlich für die Alm u.a. wegen des felsigen Geländes nicht machbar. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61762138_quote" /><BR /><BR />Weniger Vieh wurde heuer auch auf die <b>Pragser</b> Almen Stolla, Plätz und Rossalm gebracht. Von Wolfsrissen blieb man zwar verschont, „aber nach den zahlreichen Rissen im Sommer des vorigen Jahres haben die Bauern aus Angst vor Wolfsangriffen heuer weniger Vieh aufgetrieben“, sagt Johann Jaeger, der Präsident der Alminteressentschaft Plätz. „Gibt es nicht rasch eine Lösung für das Wolfsproblem, dann ist die Almwirtschaft im Land vor dem Ende.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-61762440_quote" /><BR /><BR />In dieselbe Kerbe schlägt der <b>Sextner</b> Almenpräsident Siegfried Holzer Tschurtschenthaler. „So wie heuer geht es sicher kein zweites Jahr“, erklärt er. Nach den ersten Wolfsrissen seien alle Schafe und Ziegen ins Tal gebracht worden. „Ich weiß von 3 Sextner Bauern, die ihre Ziegen und Schafe bereits verkauft haben und nicht mehr weitermachen wollen“, erklärt er. Wie es im nächsten Jahr weitergehen wird, werde demnächst in einer gemeinsamen Sitzung geklärt. „Aber ich fürchte, dass noch mehr Bauern abspringen werden, wenn sich nicht schnell etwas tut.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-61762441_quote" /><BR /><BR />Einen weiteren Almsommer wie den heurigen will auch Armin Huber vom Wieserhof in <b>Pfunders</b> nicht mehr durchmachen. Auf seiner Gampisalm hat der Wolf 15 Schafe, 5 Ziegen und ein Kalb gerissen. „Die Alm aufgeben werden wir deshalb sicher nicht“, gibt er sich kämpferisch, aber Kleinvieh werde er wohl nicht mehr auftreiben, wenn sich nichts ändert. Die wenigen verbliebenen Ziegen habe er inzwischen weggegeben, bei den Schafen überlege er noch, weil er die Tiere so gern habe. „Auf die Alm kommen aber nur mehr Melkkühe und anderes Vieh, das in der Nacht in den Stall getrieben werden kann.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-61762442_quote" /><BR /><BR />Im Sommer 2022 hatte Ewald Reichegger wie gewohnt seine Schafe auf die Alm in <b>Mühlwald</b> gebracht. Als dort aber der Wolf zuschlug und 10 seiner Schafe riss, brachte Reichegger die noch verbliebenen Tiere auf eine Alm in Prettau. Im heurigen Sommer wich er mit seinen Schafen auf die Jagdhausalm im Osttiroler Defereggental aus, „weil diese“, wie er erzählt, „bislang vom Wolf verschont geblieben ist.“ Vor 2 Wochen hat Reichegger die Tiere wieder nach Hause geholt. Seither weiden sie tagsüber auf der Wiese, am Abend werden sie in einen umzäunten Pferch gebracht. Reichegger hofft, „dass sie dort sicher sind“, aber frei von Sorge ist er nicht, „denn beim Wolf weiß man nie“, sagt er. <BR /><BR />Das Thema Wolf beschäftigt nicht nur die Menschen des Pustertales, sondern die Bevölkerung im ganzen Land, wie die <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/almwirtschaft-in-suedtirol-in-gefahr-was-sagen-sie-dazu" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Frage des Tages auf Südtirol Online </a>zeigt.