Mit Ausnahme der heißen Tage Mitte Juni war die Witterung heuer nicht ideal für den Borkenkäfer, sagt Günther Pörnbacher. „Zudem nehmen die Antagonisten, also die natürlichen Feinde des Käfers, zu.“ <BR /><BR />Auch die hohe Befallsdichte habe den Käfern geschadet – sie hätten sich in ihrer Entwicklung gegenseitig behindert. „Alles in allem spricht vieles dafür, dass dem Borkenkäfer langsam die Puste ausgeht und sich der Befall auf Normalmaß einpendelt.“<h3> </h3> <h3> Der Klimawandel als Treiber</h3>Doch Gernot Hoch vom österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) mahnte zur Vorsicht: „Nach dem Käfer ist vor dem Käfer“, sagte er. Der Klimawandel sei ein Treiber. „Trockenheit und Hitze schwächen die Abwehrkräfte der Bäume, während sie Insekten beflügeln – ihr Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, ihre Vermehrung beschleunigt sich“, erklärte Hoch. <BR /><BR />Im Vorjahr waren in Österreich 2,7 Millionen Festmeter Holz vom Borkenkäfer befallen – Tendenz aber rückläufig. Hoch erläuterte das integrierte Borkenkäfermanagement und stellte insektizidfreie Methoden zur Behandlung von Käferholz vor – von der Entfernung oder Beschädigung der Rinde über die Lagerung unter Beregnung bis hin zur Verpackung in Silofolie und Bauvlies. <h3> Freunde und Feinde des Borkenkäfers</h3>Auch Hannes Schuler vom Kompetenzzentrum für Pflanzengesundheit an der Universität Bozen warnte: „Das war sicher nicht der letzte massive Schädlingsausbruch bei uns.“ Im vom Land Südtirol finanzierten Forschungsprojekt „Controlips“ wurden Strategien zur Eindämmung des Fichtenborkenkäfers untersucht. <BR /><BR />Ziel war es, seine Biologie besser zu verstehen, um Populationsentwicklungen vorherzusagen und natürliche Gegenspieler zu identifizieren. Solche Feinde des Borkenkäfers seien etwa Vögel, Schlupfwespen und Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze. „Einige dieser Mikroorganismen wirken allerdings auch positiv auf den Käfer“, so Schuler. „Wir müssen den Borkenkäfer als Teil eines komplexen Ökosystems begreifen, über das wir teilweise noch viel zu wenig wissen.“<BR /><BR />In Osttirol hat sich der Borkenkäfer explosionsartig ausgebreitet – langsam entspannt sich die Lage auch dort. Bezirksförster Thomas Gradnig berichtete, dass bisher rund 4,5 Mio. Festmeter durch Windwurf, Schneedruck und Borkenkäfer geschädigtes Holz aufgearbeitet worden seien. <BR /><BR />„Dürrholz erzielte heuer gute Preise, deshalb wurde viel Schadholz aus dem Wald geholt.“ Dennoch sei noch rund eine Million Festmeter Dürrholz aufzuarbeiten. Parallel dazu läuft die Wiederbewaldung: Neben klimafitten Baumarten kommen im Rahmen eines Arge-Alp-Projekts auch Drohnen und Roboter zum Einsatz, um schwer zugängliche Flächen zu bepflanzen.<BR /><BR />Eine Aufforstungspflicht wie in Osttirol gibt es in Südtirol nicht. Hier setzt man vor allem auf Naturverjüngung. „Wir raten Waldbesitzern aber, ergänzend dazu klimafitte Baumarten wie Birke, Bergahorn, Buche, Bergulme oder Esche zu pflanzen“, erklärt Pörnbacher.