Donnerstag, 19. November 2015

Nach dem Terror von Paris: Was wir wissen – und was nicht

Die Terrorangst bleibt: Obwohl die Ermittler knapp eine Woche nach den Attentaten in Paris Fortschritte machen, sind viele Fragen noch offen.

Foto: © APA/EPA

WAS WIR WISSEN:

  • Der mutmaßliche Organisator der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, ist tot.
  • Die Anschläge am 13. November wurden von drei Terrorkommandos verübt. Sie schlugen an sechs Orten in Paris und in Saint-Denis koordiniert zu, schossen wahllos auf Menschen und sprengten sich selbst in die Luft.
  • Die meisten Opfer gab es beim Überfall auf die Konzerthalle Bataclan. Die Terroristen wollten auch im Stadion ein Massaker anrichten, gelangten aber nicht hinein.
  • Mindestens 129 Menschen wurden getötet, 352 weitere teils lebensgefährlich verletzt. Alle 129 Todesopfer sind identifiziert.
  • Sieben Attentäter starben. Vier von ihnen wurden identifiziert, allesamt Franzosen: Omar Ismail Mostefai (29) und Samy Amimour (28), die zu den Geiselnehmern im Bataclan zählten, Brahim Abdeslam (31), der sich vor einem Lokal in die Luft sprengte, sowie Bilal Hadfi (20), der sich vor dem Stade de France in die Luft sprengte. In der Nähe eines weiteren Selbstmordattentäters vor dem Stadion fand sich ein syrischer Pass auf den Namen Ahmed al-Mohammed (25) – allerdings gibt es Zweifel, dass dies die echte Identität des Terroristen ist.
  • Mindestens ein Terrorverdächtiger ist auf der Flucht. Der 26-jährige Salah Abdeslam, ein Bruder eines der Selbstmordattentäter, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach dem Anschlag geriet er nahe der belgischen Grenze in einem grauen VW Golf mit zwei Mitreisenden in eine Kontrolle, durfte aber weiterfahren.
  • Möglicherweise gelang noch mehr Angreifern die Flucht. Ermittler stellten östlich von Paris einen schwarzen Seat sicher, aus dem heraus die Attentäter die Cafes und Restaurants beschossen hatten. In dem Auto fanden die Ermittler drei Kalaschnikows.
  • Unter dem nach der Mordserie ausgerufenen Ausnahmezustand gab es in Frankreich bis Mittwoch (aktuellste Daten) 414 Hausdurchsuchungen. 64 Menschen wurden vorläufig festgenommen, 60 kamen in Polizeigewahrsam. 118 Menschen wurden unter Hausarrest gestellt.
  • Die Polizei nahm im belgischen Molenbeek am Wochenende sieben Verdächtige fest. Zwei von ihnen sind die Männer, mit denen Salah Abdeslam im Auto unterwegs war: die Belgier Mohammed Amri (27) und Hamza Attouh (21). Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen.
  • Am Donnerstag hat die Polizei in Belgien nach Antiterror-Razzien neun weitere Verdächtige zu Verhören mitgenommen. Durchsucht wurden Häuser von Freunden und Angehörigen des Attentäters Bilal Hadfi.

WAS WIR NICHT WISSEN:

  • Offen ist, wie viele Terroristen und Komplizen es insgesamt gab – und damit auch, wie viele Täter noch auf freiem Fuß sind. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass bei den Anschlägen selbst drei Kommandos mit je drei Terroristen zur Tat schritten.
  • Zwei der getöteten Attentäter sind noch überhaupt nicht identifiziert. Woher kamen sie? In welcher Verbindung standen die Terroristen zueinander, wie organisierten sie sich?
  • Fragen wirft auch der syrische Pass auf, der bei dem als Ahmed al-Mohammed benannten Attentäter gefunden wurde.
  • Die Identität des zweiten Toten beim Polizeieinsatz in Saint-Denis ist noch offen. Medienberichten zufolge, nach denen es sich um die Cousine von Abaaoud handelt, wurden zunächst nicht bestätigt.
  • Die Ermittlungen haben ans Licht gebracht, dass der Flüchtige Salah Abdeslam vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Was wollte er dort? Die Rede ist von zwei Begleitern – wer waren sie?

apa/dpa

stol