Im Interview erzählt er, wie er das Drama erlebt hat, wie es weitergeht und warum er nicht aufgibt. <BR /><BR /><b>Herr Pircher, wie haben Sie den Moment des Felssturzes erlebt, der am Sonntag Ihren Stall und Stadel vernichtet und fast alle Tiere darin getötet hat?</b><BR />Rudolf Pircher: Wir saßen in der Stube mit Bekannten und hörten einen Pumperer. Wir haben uns nichts dabei gedacht. Dann ging ein Bekannter hinaus und sah, dass der Stall zusammengebrochen war. Wir haben gleich die Feuerwehr gerufen.<BR /><BR /><b>Es war wohl ein richtiges Schlachtfeld in dem eingedrückten Gebäude?</b><BR />Pircher. Ja, es sind 47 Schafe und eine Ziege verendet. Der Schaden ist groß. Wir verkaufen Lammfleisch. Man hat nicht gesehen, dass sich hinter dem Stall in der Felswand etwas entwickelt. Auf einmal ist alles explodiert. Es ist wahnsinnig. Zum Glück kam kein Mensch zu Schaden.<BR /><BR /><b>Ist der Schaden durch die Versicherung gedeckt?</b><BR />Pircher: Nein, die Versicherung bezahlt leider nicht. Es handelt sich um höhere Gewalt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001815_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie geht es jetzt am Greiterhof weiter?</b><BR />Pircher: Jetzt wird an der Felswand ein Sicherheitswall errichtet und es werden Netze gespannt. Dann werde ich den Stall wieder aufstellen. Ich habe den Greiterhof heuer meiner Nichte übergeben. Die Landwirtschaft wird weitergehen. Ich werde mich auf die Suche nach Förderungen machen.<BR /><BR /><b>Sie stellen den Stall an derselben Stelle auf?</b><BR />Picher: Ja, die Stelle ist normalerweise sicher. Das hat sich niemand gedacht, dass das passieren kann. Wir haben den Stall 1994 neu errichtet. Er ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001818_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was ist mit den Tieren passiert, die überlebt haben?</b><BR />Pircher: Die Schafe sind auf Gigglberg, die Ziege in Partschins. Der Pfau, die 2 Enten und die 13 Hühner sind hier geblieben. Die Hühner legen auch schon wieder Eier. Eine der Katzen war 5 Tage verschwunden. Jetzt ist sie zurückgekommen.<BR /><BR /><b>Der eingedrückte Stall ist nicht der erste Schicksalsschlag, den Sie am Greiterhof erlitten haben.</b><BR />Pircher: Nein, 2013 ist das Wohngebäude abgebrannt. Ich war zu dem Zeitpunkt mit meinem Bruder im Passeiertal. Meine Schwester hat das Feuer von Gigglberg aus gesehen und mich angerufen.<BR /><BR /><b>So eine Nachricht zieht einem wohl den Boden unter den Füßen weg?</b><BR />Pircher: Wir hatten nichts mehr, außer das, was wir am Körper getragen haben. Alle Erinnerungen waren weg. Die Münzsammlung ist geschmolzen, alle Familienfotos in Schutt und Asche. Aber glücklicherweise ist keinem Menschen etwas passiert.<BR /><BR /><b>Und Sie haben alles wieder aufgebaut.</b><BR />Pircher: Man darf nicht lange überlegen, man muss wieder anfangen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001821_image" /></div> <BR /><BR /><b>2011 hat ein Felssturz in der Longar die Straße zu ihrem Hof weggerissen.</b><BR />Pircher: Unsere Hofzufahrt war jahrelang unterbrochen. Weil wir die Seilbahn hatten, ging nichts weiter. Erst als wir entschieden haben, nach dem Brand das Haus wieder aufzubauen, wurde die Straße wiederhergestellt. Danach ist es uns gut gegangen. Es sind viele Gäste gekommen. Jetzt ist das Gasthaus zu, weil wir kein Personal finden.<BR /><BR /><b>In der Longar sind bereits vor 2011 immer wieder größere Steine abgegangen. Jetzt ist die Felswand auf den Stall gestürzt. Leben Sie nicht an einem zu gefährlichen Ort?</b><BR />Pircher: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich an einem gefährlichen Ort lebe. Die Hofstelle steht da seit 450 oder 500 Jahren. Die Alten haben sicher gebaut. Aber natürlich kann alles passieren. Aber woanders passiert auch viel: Wasser ist besonders schlimm. Überall ist etwas. So ist das Leben. Die einen trifft es öfter, die anderen weniger oft. Man muss doch zufrieden sein.<BR /><BR /><b>Was macht den Greiterhof so lebenswert für Sie?</b><BR />Pircher: Die Aussicht ist schön. Es kommen Besucher, es ist immer Leben am Hof. Man ist nicht allein. Schön ist auch, dass meine Nichte jetzt weitermacht und ich ihr helfe.<BR /><BR />HINTERGRUND<BR /><BR />Der Greiterhof liegt idyllisch auf 1357 Metern Meereshöhe am Sonnenberg. Wer heute mit dem Auto hinauffährt, dem fällt kurz vor der Hofstelle bergseitig eine massive Betonwand auf. Dort, in der sogenannten Longar, sind im August 2011 bis zu 80.000 Kubikmeter Material bei einem Felssturz abgerutscht. Die Hofzufahrt zum Greiterhof wurde weggerissen. Dieses Großereignis hatte sich schon länger angekündigt, war aber nicht zu verhindern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001824_image" /></div> <BR /><BR /> Im August 2013 brannten Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude des Greiterhofs ab. Die Brandursache konnte nicht geklärt werden. Die Gebäude wurden wiedererrichtet. Am Sonntag vor einer Woche haben Wassereintritte die Felswand hinter dem Stall nach vorne gedrückt. Das Gebäude mitsamt den Tieren darin wurde unter 400 Kubikmeter Geröll begraben.