Aber bevor er hinter den Bergen verschwand, warf das ein- bis maximal zweijährige Männchen noch einen Blick zurück – als wolle es sich bei Florian Gamper und Willy Campei, den beiden Chefs des Pflegezentrums, für ihre Fürsorge bedanken. Die beiden bekannten Ornithologen wildern zwar regelmäßig gesund gepflegte Vögel aus, doch diese Freilassung war auch für sie ein seltenes Ereignis.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1321599_image" /></div> <BR /><BR />Schwer verletzt und hilflos war der Steinadler am Pfitscher Joch gefunden und anschließend ins Pflegezentrum nach Dorf Tirol gebracht worden. „Der Vogel hatte einen Flügel verdreht – sozusagen wie ausgerenkt“, erklärte Florian Gamper. „Eine solche Verletzung hatten wir noch nie. Es handelte sich auf jeden Fall nicht um eine von einem anderen Adler zugefügte Verletzung. Die häufigste Todesursache in freier Wildbahn ist, dass ein ausgewachsener, territorialer Adler einen anderen Adler tötet.“ <BR /><BR />Vom Team des Vogelspitals wurde die Verletzung behandelt. „Die Sehnen haben sich eingestellt und er ist wieder topfit, weshalb wir den jungen Steinadler nun Gott sei Dank auswildern konnten“, sagte Gamper. „An der Federfärbung konnte man erkennen, dass das Tier noch kein geschlechtsreifer Vogel war. Das ist am Steinadler an der Federfärbung abzulesen – wenn die Schwanzwurzel noch weiß ist und man an den Unterflügeln weiße Flecken findet.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1321602_image" /></div> Junge Adler sind laut dem Vogelexperten Gamper wie Nomaden: „Sie fliegen durch die Gegend. Und dann dringen sie auch in Gebiete ein, in denen Adlerpärchen brüten. Wir haben gerade Brutzeit und der Steinadler ist extrem territorial.“ Deshalb könnte es sein, dass der gesund gepflegte Adler aus dem Revier eines Adlerpärchens verjagt worden sei. „Und bei dieser Vertreibung dürfte es dann zu einem Unfall gekommen sein“, vermutete Florian Gamper. <BR /><BR />„Was genau passiert ist, kann ich aber nicht sagen. Wir denken, dass der nun wieder in die freie Wildbahn entlassene Steinadler irgendwo mit Wucht dagegengeflogen war. Und dabei wurde ein Flügel verdreht.“<BR /><BR /> <video-jw video-id="4UE2ixKB"></video-jw> <BR /><BR />Mit der Vertreibung aus einem Revier sind junge Adler immer wieder konfrontiert – bis zu ihrer Geschlechtsreife, wenn sie überleben. „Dann kommt es zur Pärchenbildung“, erklärte er. „Der Steinadler-Bestand in Südtirol ist relativ sicher. Die Reviere sind nicht überfüllt, aber voll.“ Bei der Freilassung mit dabei waren auch Jagdaufseher Florian Winkler, der den verletzten Adler gefunden hatte, sowie Förster Manfred Messner vom Landesamt für Wildtiermanagement. Wer die Arbeit des Pflegezentrums unterstützen will, kann dies mit einer Spende oder durch die Zuweisung der fünf Promille (Einkommenssteuer) tun.