Der Tod von zwei Mädchen (13 und 16 Jahre) und einem jungen Mann im Innsbrucker Drogenmilieu kann sich jederzeit wiederholen ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/toedliche-serie-im-innsbrucker-drogenmilieu-juengstes-opfer-war-13" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">STOL hat berichtet</a>). Das befürchtet Gerhard Jäger, Leiter der Drogenberatungsstelle Z6 in Innsbruck: „Ich bin erschüttert und mache mir Sorgen“, sagt der studierte Pädagoge.<BR /><BR /><BR />Eine der drei Verstorbenen war in der Innsbrucker Einrichtung bekannt. „Und wir kennen noch einige andere Mädchen, die ebenso gefährdet sind, denen Ähnliches passieren könnte“, erzählt Jäger. Sie seien in denselben Kreisen unterwegs, teilweise befreundet gewesen, würden möglicherweise im Austausch für Substanzen ausgenutzt. „Die wissen jetzt natürlich nicht, wie sie mit alldem umgehen sollen“, sagt er. „Uns treibt aktuell hauptsächlich die Frage um, wie ihnen akut geholfen werden kann. Wir hoffen, dass es nicht noch mehr Tote gibt.“<BR /><BR />Zeliha Arslan, Landtagsabgeordnete und Frauensprecherin der Grünen, weiß von „120 Kindern und Jugendlichen, die aktuell im Bundesland Tirol harte Drogen konsumieren“. Der Großteil macht das in Innsbruck. „Wir sprechen hier von jungen Menschen, die teilweise schon mit zwölf oder 13 Jahren suchtkrank sind.“<h3> Schon Zwölfjährige spritzen sich Drogen</h3> <h3> </h3>Jäger weist darauf hin, dass immer mehr junge Frauen zu Drogen greifen. „Das hat sich über die vergangenen fünf Jahre richtig zugespitzt“, so Jäger. „Inzwischen kommen sogar 12- und 13-Jährige mit intravenösem Konsum zu uns.“ Was heißt, dass sich diese Kinder die Substanzen spritzen. Alle Minderjährigen, die sich im Vorjahr mit einem solchen Verhalten an die Innsbrucker Beratungsstelle gewandt haben, waren weiblich, 17 an der Zahl.<BR /><BR /><BR />Jede von ihnen sei schwer traumatisiert gewesen, habe Hilfe gebraucht und „diese Hilfe in den Drogen gefunden. Ein schneller, vermeintlich einfacher Ausweg aus dem Schmerz“, sagt Gerhard Jäger. Befeuert werde die Entwicklung durch die gestiegene Verfügbarkeit von Heroin, Kokain und Co. über das Internet. „In manchen Fällen gibt es auch den Verdacht, dass Männer die Mädchen bewusst abhängig gemacht haben, um sexuelle Gefälligkeiten von ihnen zu erlangen.“ Auch Arslan weiß von „jungen Menschen, die in Ausbeutungsstrukturen wie Zwangsprostitution geraten“. In dem Punkt sei die Polizei gefragt, meint der Leiter der Z6-Drogenberatung: Sie müsse Tätern, die Mädchen mit Suchtmitteln ködern, das Handwerk legen.<h3> Sparmaßnahmen sind keine Lösung</h3>„Mittelfristig müssen wir schauen, dass wir süchtige Jugendliche in unserem Land gut auffangen, sie in passenden Programmen unterbringen können, wo sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche betreut werden“, schlägt der Sozialarbeiter vor. Nur mit Sparmaßnahmen sei das Problem nicht zu lösen.<BR /><BR />Die Landtagsabgeordnete wünscht sich einen Jugendkonsumraum, „der jungen Menschen einen geschützten Rahmen und gleichzeitig einen niederschwelligen Zugang zu Beratung, medizinischer Versorgung und sozialer Unterstützung bietet“. Österreich sei im deutschsprachigen Raum das einzige Land ohne Drogenkonsumräume.