Donnerstag, 25. August 2016

Nach Erdbeben: Kritik an schlechter Bauqualität

Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien in der Nacht auf Mittwoch haben Experten scharfe Kritik an der Qualität der Bausubstanz in Gebieten mit erhöhtem Erdbeben-Risiko geübt. In Italien gebe es keine Kultur der Prävention, beklagte der nationale Verband der italienischen Geologen.

Zahlreiche Häuser in den Erdbeben-gefährdeten Gebieten Italiens sind immer noch nicht sicher gebaut - so auch in Amatrice.
Zahlreiche Häuser in den Erdbeben-gefährdeten Gebieten Italiens sind immer noch nicht sicher gebaut - so auch in Amatrice. - Foto: © LaPresse

Italien müsse sich an Kalifornien und Japan ein Beispiel nehmen, die mit dem Problem wiederholter Erdbeben leben und massiv in die Sicherheit der Gebäude investiert haben, meinten angesehene Experten.

45 Prozent der Italiener leben in Erdbeben-gefährdetem Gebiet

Der Vulkanologe und Erdbebenexperte Enzo Boschi kritisierte, dass in Italien nur nach schweren Erdbeben nach erdbebensicheren Standards gebaut werde.

Er brachte das Beispiel der umbrischen Stadt Norcia. Hier waren bei einem Erdbeben 1979 fünf Menschen ums Leben gekommen worden. Danach wurden Häuser nach modernsten Sicherheitsstandards neu aufgebaut. Die umbrische Kleinstadt hat bei dem Erdbeben am Mittwoch kaum Schäden erlitten.

Fast 26 Millionen Menschen leben in Italien in Gebieten mit erhöhtem Erdbeben-Risiko, das sind 45 Prozent der Bevölkerung, berichteten italienische Medien.

Sieben Millionen Gebäude sind gefährdet, sollte es zu einem stärkeren Erdstoß kommen. 80.000 öffentliche Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser wurden nicht nach den modernen Sicherheitsstandards errichtet.

Wissen vorhanden, an der Umsetzung fehlt es

Auch wenn es keine hundertprozentige Erdbebensicherheit geben könne, so kenne die Wissenschaft doch Mittel und Wege, die Situation wesentlich zu verbessern, betonten italienische Experten. Das Wissen sei vorhanden, woran es fehle sei die Umsetzung.

Dabei seien nicht so sehr Neubauten das Problem, als vielmehr ältere Gebäude oder Brücken. Die Experten regten an, die heimische Erdbebensicherheit mittels eines Mehrstufen-Planes zu verbessern.

apa

stol