Montag, 20. August 2018

Nach Genua: Skrupellose Brief-Fälschung eines Vaters

Die 28-jährige Marta Danisi aus Sizilien und ihr 32-jähriger Freund Alberto Fanfani waren auf der Reise nach Sardinien, als sie durch den Brückeneinsturz in Genua ums Leben kamen. Auf Facebook nimmt der Vater der jungen Frau mit herzzerreißenden Worten Abschied von seiner Tochter - scheint so. Dabei handelt es sich aber um eine geschmacklose Fälschung, denn Danisis Vater ist seit einigen Jahren tot. Das hat ihre Familie selbst klar gestellt. Der Verfasser des gefälschten Briefes ist unbekannt.

Für Marta Danisi und ihren Freund war es die letzte Reise. - Foto: Facebook/Marta Danisi
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Für Marta Danisi und ihren Freund war es die letzte Reise. - Foto: Facebook/Marta Danisi

„Du hattest mich so lange gebeten, mit deinem Freund nach Sardinien zu reisen. Laut mir wärst du nicht gefahren, aber du hattest solch eine Freude, beim Organisieren und Planen der gemeinsamen Tage am Meer“, erinnert sich der Vater. „Ich hatte dir gesagt: Schreib mir, wenn du gut angekommen bist, es war meine Art, dir zu sagen, dass ich dich lieb habe.“ Emotionale Worte eines trauernden Vaters - und so glaubhaft. Bei dem Brief handelt es sich allerdings um einen geschmacklose Fälschung im Netz, in der subtil sogar eine politische Positionierung ersichtlich wird. Denn der Vater der verstorbenen jungen Frau ist selbst vor einigen Jahren , im Alter von nur 41 Jahren, gestorben. Ein Facebook-Nutzer hat schamlos die Trauer, Wut und Enttäuschung über das Unglück ausgenutzt.

Die Beschreibungen und die Gefühle wirken täuschend echt: „Erst habe ich ein Dröhnen gehört – sehr stark. Ich versuchte herauszufinden, woher es kam. Dann erfuhr ich von der Tragödie. Ich hatte gehofft dass du mich weinend anrufst und sagst: ,Papa, hast du gesehen, ein Einsturz, aber ich hatte Glück, wir sind bereits darüber gefahren.‘ Ich hätte über die Politiker und die Instandhaltung geschimpft aber ich wäre glücklich gewesen, wieder in deine Augen sehen zu können. Ich hatte gehofft, dass eure Namen nicht auf der Opferliste stehen, ich hatte gehofft, dass ihr nicht auf eine Zeile in einer Zeitung reduziert werdet.“

Der anscheinend trauernde Vater überlegt, wie es Danisi in den letzten Minuten ihres Lebens ergangen sein könnte: „Wer weiß, was du gefühlt hast, welche Panik du hattest. Niemals hätte ich gedacht, dass du keine Möglichkeiten mehr haben könntest, dass es kein ‚Papa, ich schreib dir, wenn ich angekommen bin‘ mehr geben wird.“

„Schreib, wenn du im Himmel bist“

Dann zieht der Verfasser den Leser subtil auf die politische Schiene: „Während andere hinter Schreibtischen über Impfungen und Einwanderern diskutieren, geht Italien zu Bruch. So bete ich weinend zu Gott, dass ich morgens mit derselben Lebenslust aufwache, wie du sie immer hattest. Ruhe in Frieden mein Kind. Schreib mir wenn du im Himmel bist, schreib, wenn du dort bist.“

stol/ape

stol