Mittwoch, 06. Juni 2018

Nach Monaten im Krankenhaus: Baby darf nach Hause

Es ist eine schöne Nachricht, die aus der Kinderabteilung am Meraner Krankenhaus kommt: Der kleine Abdourahmane hat sich stabilisiert und darf wieder nach Hause. Gleichzeitig mischt etwas Wehmut mit.

Ein kleiner Junge hat das Herz des Pädiatrie-Personals (Mitte: Koordinatorin Stefania Casarotto, hinten: Primar Helmuth Egger) gewonnen. - Foto: Krankenhaus Meran
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Ein kleiner Junge hat das Herz des Pädiatrie-Personals (Mitte: Koordinatorin Stefania Casarotto, hinten: Primar Helmuth Egger) gewonnen. - Foto: Krankenhaus Meran

Ein kleiner Junge hat das Herz des Pädiatrie-Personals gewonnen: Abdourahmane, ein Baby mit 7 Monaten, lacht und strampelt wie andere Babys auch – und doch ist das bereits ein Wunder. Denn der kleine senegalesische Junge hatte so gut wie gar keine Überlebenschancen, mehrmals stand er an der Schwelle zum Tod. „Doch Abdourahmane ist ein Kämpfer und trotz riesiger Narben am Brustkorb ist er fröhlich wie andere Kinder auch. In diesen Tagen kann Abdourahmane nach Hause, in den Senegal“, heißt es aus dem Meraner Krankenhaus.

Ein kleiner Kämpfer

Abdourahmanes Mutter, eine Wissenschaftlerin aus Dakar (Senegal) hielt sich im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft in Europa auf – zuerst besuchte sie Freunde in Frankreich, dann kam sie zu Onkel und Tante nach Meran. Hier tauchten plötzlich gesundheitliche Probleme auf und die junge Frau begab sich ins Krankenhaus.

Nach eingehenden Untersuchungen, die im Krankenhaus Bozen fortgesetzt wurden, stand leider fest: Das Ungeborene leidet an einer schweren Form einer Herzfehlbildung.

Die Schwangere wurde in eine Spezialklinik nach Padua gebracht, wo im September 2017 der kleine Abdourahmane das Licht der Welt erblickt. Sein Start ins Leben ist alles andere als leicht: Gleich zu Beginn sind 3 kardiochirurgische Eingriffe notwendig, außerdem stellt sich heraus, dass der kleine Junge an Sichelzellanämie, einer genetischen Erkrankung, die besonders im südlichen Sahara-Raum häufig auftritt, leidet. 

Abdourahmane erlebte immer wieder gesundheitliche Krisen, die den behandelnden Ärzten und Pflegern große Sorgen bereiteten. Beatmet, künstlich ernährt, mit Antibiotika vollgepumpt, unter Sauerstoff- und pharmakologischer Therapie, meisterte er trotz allem die kritischen ersten Monate im Krankenhaus von Padua.

Von Padua nach Meran

Die junge Mutter begab sich nach dieser schwierigen Phase wieder zu ihren Verwandten nach Meran, doch Abdourahmane – anfällig aufgrund seiner Vorgeschichte – musste immer wieder ins Krankenhaus, zwischenzeitlich sogar auf die Intensivstation nach Verona.

Das Pädiatrie-Team im Meraner Krankenhaus nahm Abdourahmane und seine Mutter auf der Bettenstation auf – und dort startete eine Aktion, die bis nach Afrika reichte: Abdourahmane wurde nicht nur gepflegt und versorgt, es wurde auch alles getan, um seinen Start ins Leben zu erleichtern.

Es folgten physiotherapeutische Einheiten, logopädische Therapie und Beratung zur Verbesserung des Schluckens und Hörens, Besuche der Diätistin, der Orthoptikerin und der Audiologin. Aufgrund der Komplexität der verschiedenen Erkrankungen wurde sogar ein Kinderpalliativteam kontaktiert.

Das Pflegeteam um Koordinatorin Stefania Casarotto sammelte Babykleidung für Abdourahmane und etwas Geld, um Mutter und Kind eine angemessene medizinische Versorgung im Senegal zu ermöglichen. Es wurde Kontakt aufgenommen mit einer Wohltätigkeitsorganisation, die spontan die Rückflugkosten für Abdourahmane und seine Mama übernahm.

Sozialassistenten, Ärzte, Therapeuten, Behörden – alle arbeiteten zusammen und suchten fieberhaft nach Lösungen, damit die Betreuung von Abdourahmane nicht an der Landesgrenze endet. „Wir haben somit eine geschützte Entlassung, wie wir sie täglich machen, nach Afrika gemacht – wohl ein geografischer Rekord“, freut sich Casarotto über die gelungene Aktion.

2 Monate lang im Krankenhaus Meran

Wenn Abdourahmane das Krankenhaus in diesen Tagen verlassen wird, lässt der junge Mann wohl nicht zum ersten Mal gebrochene Herzen zurück: Rund 2 Monate waren Mutter und Kind Tag und Nacht auf der Kinderstation, alle haben die Kleinfamilie lieben gelernt.

Doch zum weinenden Auge gesellt sich auch das lachende Auge: Alle sind froh, dass Abdourahmane sich nun gut erholt hat, selbstständig atmet, isst und trinkt und auch zugenommen hat. Zwar wird er auch in Zukunft Betreuung brauchen, denn seine Krankheit ist nicht heilbar. Doch das Gefühl, dass ein kleiner todkranker Junge aus Afrika nun zu seiner Familie nach Hause kann, ist für das Team in Meran unbezahlbar.

stol

stol