Der tödliche Schuss fiel am Freitagabend direkt vor dem Pub „O Scrusciu“, das Taormina gemeinsam mit seiner Schwester führte ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/palermo-durch-kopfschuss-vor-lokal-seiner-eltern-getoetet-taeter-gestaendig" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). Nach ersten Ermittlungen hatte Taormina einem Jugendlichen helfen wollen, der von einer Gruppe von rund zehn Personen attackiert wurde. Während er versuchte, dazwischenzugehen, soll jemand eine Pistole auf ihn gerichtet und abgedrückt haben. Der 21-Jährige wurde am Kopf getroffen und starb noch an Ort und Stelle.<BR /><BR /><i>In Palermo fand am Wochenende ein Fackelumzug im Gedenken an das Mordopfer statt.</i><BR /><BR /><embed id="dtext86-71835756_gallery" /><h3> Verdächtiger legt Geständnis ab</h3>Die Polizei nahm kurz darauf einen Verdächtigen fest: den jungen Mann Gaetano Maranzano, der den Schuss laut Ermittlern abgegeben haben soll. Medienberichten zufolge legte Maranzano ein Geständnis ab.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1224819_image" /></div> <BR /><BR /> Er gab an, er habe Taormina in der Vergangenheit beschuldigt, seine Partnerin belästigt zu haben. Als er ihn in der Tatnacht zufällig sah, habe er „die Kontrolle verloren“. Der genaue Ablauf des Geschehens wird derzeit anhand von Aufnahmen der Überwachungskameras rekonstruiert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1224822_image" /></div> <h3> Bürgermeister Lagalla: „Man kann die Stadt nicht militarisieren“</h3>Palermos Bürgermeister, Roberto Lagalla, suchte am Samstag den Tatort auf und wurde dort von Anwohnern und Passanten lautstark kritisiert. Er sprach sich gegen eine rein repressive Sicherheitsstrategie aus. <BR /><BR />„Man kann die Stadt nicht militarisieren“, erklärte Lagalla. „Natürlich kann man restriktive Maßnahmen wie die Einrichtung sogenannter roter Zonen erwägen, doch es bleibt immer ein gewisses Maß an Unvorhersehbarkeit. Wir müssen langfristig sozial und erzieherisch ansetzen. Die Aufwertung der Vororte ist ein zentraler Teil dieser Strategie – aber niemand kann das Risiko ganz ausschließen.“<h3> Palermo zwischen Angst und Empörung</h3>Der Mord an Paolo Taormina reiht sich in eine Serie von Gewalttaten ein, die Palermo in den vergangenen Monaten erschüttert haben. Mitte September wurde ein Angestellter einer Apotheke erschossen, Ende des Monats kam es in zwei benachbarten Stadtvierteln zu Schusswechseln, bei denen eine Frau verletzt wurde. <BR /><BR />Bereits im Frühjahr waren in Monreale drei junge Männer getötet worden – mutmaßlich von Jugendlichen aus dem Problemviertel Zen. Immer wieder kommt es zu Schlägereien in der Innenstadt, zu Angriffen auf Touristen und zu Zwischenfällen in der Partyszene.<BR /><BR />Angesichts dieser Lage fordert die Gewerbeorganisation Confartigianato und die Gruppe „Lavoriamo per Palermo“ die Präsenz des Militärs in den Straßen. Palermo sei, so heißt es, von Jugendbanden und zunehmender Alltagsgewalt geprägt, die sich in Raubüberfällen, Drogenhandel und bewaffneten Auseinandersetzungen zeige.<h3> Kirche und Politik mahnen zu entschlossenem Handeln</h3>Auch Erzbischof Corrado Lorefice hatte bereits im Juli beim traditionellen Fest zu Ehren der Stadtpatronin Santa Rosalia vor der zunehmenden Gewalt gewarnt. „Palermo ist gequält“, sagte er damals. „Die Gewalt breitet sich auf Straßen, in Geschäften und in unseren Häusern aus – und sie wird zunehmend von jungen Menschen als Wert betrachtet, weil sie keine Zukunftsperspektive sehen.“<BR /><BR />Der Präsident der Regionalen Antimafia-Kommission, Antonello Cracolici, kritisierte, dass zu viele Waffen im Umlauf seien, insbesondere unter Jugendlichen. Er kündigte an, die Kommission im Stadtviertel Zen einzuberufen. Auch Elisabetta Piccolotti, Abgeordnete von Alleanza Verdi e Sinistra, forderte Innenminister Matteo Piantedosi auf, rasch „außerordentliche Maßnahmen gegen die illegale Verbreitung von Waffen“ zu ergreifen.<BR /><BR />Der Sekretär der CGIL Palermo, Mario Ridulfo, reagierte mit scharfer Kritik: „Wie lange will man uns noch mit Statistiken und Wahrnehmungsdebatten abspeisen?“, fragte er. Der Vorsitzende der Partei Azione, Carlo Calenda, bezeichnete Palermo als „neuen Wilden Westen“. „Es ist eine tickende Zeitbombe – zwischen Kriminalität, marodem Gesundheitssystem, Korruption und Misswirtschaft. Die Regierung muss endlich eingreifen“, so Calenda.