Wie er die dramatischen Minuten erlebt hat, welche Nummer er aus der Spalte heraus wählte und warum er heute von mehreren Schutzengeln spricht, hat er uns geschildert.<BR /><BR /><b>von Irene Rapp (tt.com)</b><BR /><BR /><BR />Kals am Großglockner – Erst im Vorjahr stand Rolf-Peter Lacher mit einem Bergführer auf dem Gipfel des Großglockners. „Das war am 25. August“, erzählt der 82-jährige gebürtige Oberösterreicher, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt. Lacher verfügt also über Glockner-Erfahrung und ist trotz seines Alters viel in den Bergen unterwegs.<BR /><BR />Was ihm am 1. August 2026 am Glockner passierte, hatte daher weniger mit den Lebensjahren, als mit einer Fehleinschätzung der Situation zu tun. Vereinbart war, dass sich Locher mit zwei seiner Enkel am 2. August am Lucknerhaus/Kals trifft, um mit ihnen einige Tage später auf den 3798 Meter hohen Gipfel zu gehen.<h3> Warnzeichen missachtet</h3>„Ich wusste ja vom Vorjahr, wie wichtig gute Akklimatisation ist“, erzählt Lacher, deswegen wollte er „ein bisschen in die Höhe gehen“. Mit Start auf der Stüdlhütte (2801m) ging es daher in Richtung der Schutzhütte Adlersruhe (3454m).<BR /><BR />Am Ködnitzkees missachtete er jedoch erste Warnzeichen: „Es rann überall Wasser herab, der Schnee war weich“. Und dann sei alles schnell gegangen: „Ich bin hinuntergerauscht, das war in einer Minute passiert“, erzählt Lacher von seinem Sturz in eine Gletscherspalte.<BR /><BR />Im ersten Moment dachte er noch, sich selbst wieder befreien zu können, dann rutschte er weiter hinab. „Kurz dachte ich, es ist vorbei“. Trotz größter Panik gelang ihm in der engen Spalte der Griff zu seinem Handy in der Hosentasche, danach wählte er die Nummer „122“ - die der Feuerwehr. „Ich hatte keine andere Nummer im Kopf“, sagt Lacher.<h3> Mehrere Schutzengel</h3>Ein Mann sei am anderen Ende der Leitung gewesen, der hätte bis zu seiner Bergung durch die Kalser Bergretter immer mit ihm gesprochen. Eine gefühlte Ewigkeit später hörte er einen Hubschrauber über sich. „Da habe ich immer mitgeteilt, ob der Hubschrauber weiter entfernt oder in der Nähe ist.“ Und dann kam die Rettung von oben –sprich ein Bergretter, der dem 82-Jährigen einen Gurt um den Oberkörper anbrachte, weswegen er nach oben gezogen werden konnte.<BR /><BR />Gleich von mehreren Schutzengeln, die Lacher hatte, spricht Peter Tembler, Leiter der Bergrettungs-Ortsstelle Kals. „Die Spalte ging weiter runter – an dieser Stelle sind Tiefen von 25 bis 30 Metern möglich“, sagt er. Weiter unten wäre aber kein Anruf mehr möglich gewesen. Auch die Suche nach dem vom Eis Verschluckten war relativ schnell von Erfolg gekrönt: „10 bis 15 Minuten“, schätzt Tembler.<BR /><BR />Noch vor Ort wurde Lacher die nasse Kleidung ausgezogen, die Bergretter hüllten ihn in eine Wärmedecke. Auch Blutdruck und Puls wurden kontrolliert. Lacher jedoch beschäftigte vor allem eines: „Ich habe immer wieder gesagt, dass es mir leid tut, dass wegen meiner Dummheit so viele Leute beschäftigt sind. Doch es hat mir niemand Vorwürfe gemacht.“ Für Tembler ist die Angelegenheit hingegen klar: „Uns steht nicht zu, jemanden zu belehren oder zu schimpfen“. Seine Bergrettungs-Kollegen und er hätten sich jedoch über ein Dankes-Mail von Lacher sehr gefreut.<h3> Neuer Termin für die Glockner-Besteigung</h3>Einige Tage später kann Lacher mit Erleichterung auf das Geschehene zurückblicken. Eine Nacht musste er im Krankenhaus Lienz bleiben, zum Glück erlitt er keine Verletzungen. Auch seelisch sei der Sturz ohne Folgen geblieben. Im Gegenteil: Er hat für sich und seine Enkel Ende August bereits einen neuen Termin für die Besteigung des Glockners ausgemacht, mit Bergführer.<BR /><BR />Tembler wiederum gibt noch einen Tipp für den Glockner – und speziell die Querung des Ködnitzkees auf dem Weg zur Adlersruhe: „Weicher Schnee zwischen eisigen Platten könnte ein Hinweis auf eine Spalte sein“, sagt er.