Freitag, 02. November 2018

Nach Tod einer Patientin: Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Wegen des tragischen Todes einer 76-Jährigen aus Bozen im Jahr 2014 müssen sich ein Mitarbeiter der Landesnotrufzentrale und ein Sanitäter vor Gericht verantworten. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung.

Einem Gutachten zufolge hätte die Patientin bei sofortiger Einlieferung gute Chancen gehabt, gerettet werden zu können.
Badge Local
Einem Gutachten zufolge hätte die Patientin bei sofortiger Einlieferung gute Chancen gehabt, gerettet werden zu können. - Foto: © shutterstock

Wie die Hinterbliebenen in ihrer Anzeige angaben, hätten sie den Arzt des Wachdienstes kontaktiert, als die Frau heftige Magenschmerzen und durchfallartigen schwarzen Stuhl hatte.

Der Arzt habe zur Einlieferung ins Spital geraten, die Familie solle die Landesnotrufzentrale kontaktieren. Letzteres wollen die Hinterbliebenen dem Mitarbeiter der Notrufzentrale auch gesagt haben. Diese habe dann einen Rettungswagen ohne Arzt entsandt, beklagten die Hinterbliebenen. Das Krankheitsbild sei demnach unterschätzt worden, so der Verdacht – auch vom Sanitäter vor Ort, der die Lage oberflächlich bewertet und den Verdacht auf Bauchgrippe geäußert habe. Die Frau wurde dann auch nicht eingeliefert.  Als sich ihr Zustand verschlechterte, schlugen die Verwandten tags darauf erneut Alarm. Doch der Notarzt konnte die 76-Jährige nicht mehr retten. Sie war – wie sich später erwies – inneren Blutungen erlegen.

Gegendarstellung der Beschuldigten

Die Beschuldigten reichten eine Gegendarstellung ein. Dem Sanitäter zufolge hätten ihn weder die Patientin noch deren Verwandte darüber informiert, dass der Arzt des Wachdienstes für eine Einlieferung ins Spital gewesen sei. Die Patientin habe ihm gesagt, dass sie eine Darmgrippe hinter sich habe, an Durchfall leide und vom Hausarzt betreut werde, der ihr auch Medikamente verschrieben habe. Man sei übereingekommen, zumindest vorerst von einer Einlieferung abzusehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall zu den Akten legen wollen, doch die Hinterbliebenen erhoben Einspruch. Dem hatte der U-Richter im Jänner stattgegeben und eine zwangsweise Anklageerhebung verfügt. Einem Gutachten zufolge hätte die Patientin bei sofortiger Einlieferung gute Chancen gehabt, gerettet werden zu können.

D/rc

stol