Samstag, 26. November 2016

Nach Vergewaltigungsvorwürfen: Britischer Fotograf tot

Der britische Fotograf David Hamilton ist tot in seiner Pariser Wohnung aufgefunden worden. Offenbar starb der 83-Jährige am Freitagabend nach der Einnahme von Medikamenten an Herzversagen. Hamilton war in den 60er und 70er Jahren durch Nacktaufnahmen von jungen Mädchen berühmt geworden.

Der britische Fotograf David Hamilton wurde tot in seiner Wohnung in Paris aufgefunden.
Der britische Fotograf David Hamilton wurde tot in seiner Wohnung in Paris aufgefunden. - Foto: © APA/DPA

Einige seiner früheren Kindermodels warfen ihm nun sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung vor. Er hatte das vehement bestritten.

Nach Angaben eines Vertreters der Rettungsdienste wurde die Feuerwehr kurz nach 20.30 Uhr zu Hamiltons Wohnung gerufen, wo der Fotograf einen Herz-Kreislaufstillstand erlitten hatte. Eine Stunde später wurde er demnach für tot erklärt, in der Nähe seiner Leiche wurden Medikamente entdeckt. Medien sprachen von einem Selbstmord.

Zunächst gepriesen, dann kritisiert

Hamilton wurde vor allem mit seinen mit Weichzeichner bearbeiteten Nacktaufnahmen von jungen Mädchen berühmt, zu seinen bekanntesten Werken zählt aber auch der Erotik-Film „Bilitis“ aus dem Jahr 1977. Seine Fotobücher wurden millionenfach gekauft. Um die Jahrtausendwende wandelte sich jedoch die Einstellung zur Darstellung der nackten Körper ganz junger Mädchen, und seine Aufnahmen sorgten für Kontroversen. Einige bezeichneten sie nun als verstörend.

„Meine Arbeit hat nichts mit der Vulgarität unsere derzeitigen Epoche zu tun“, verteidigte sich der Brite noch im Jahr 2015 in einem Interview mit dem Promimagazin „Gala“. Um Hamilton wurde es still.

Ehemalige Models erhoben schwere Vorwürfe

Erst in den letzten Wochen tauchte sein Name wieder in den Medien auf. Einige seiner damaligen Models erhoben schwere Anschuldigungen gegen ihn: Demnach soll er sich an ihnen vergangen haben, als sie noch minderjährig waren.

Auslöser der jüngsten Kontroverse war ein Buch der französischen Fernsehmoderatorin Flavie Flament, in dem sie – ohne Namensnennung – schildert, wie sie als 13-Jährige am Rande eines Foto-Shootings von einem international bekannten Fotografen vergewaltigt wurde.

Nachdem daraufhin drei weitere ehemalige Models ähnliche Vorwürfe erhoben, bestätigte die inzwischen 42-Jährige Mitte November, dass es sich um Hamilton gehandelt habe. Wegen Ablauf der Verjährungsfrist bei derartigen Vergehen habe sie seinen Namen nicht genannt, weil sie eine Verleumdungsklage befürchtet habe, sagte sie.

„Hamilton: Habe nichts getan“

Hamilton bestritt die Vorwürfe. „Ich habe nichts Ungehöriges getan. Ich habe gar nichts getan“, sagte er am vergangenen Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Er warf den Medien vor, die Vorwürfe „als Wahrheit“ zu behandeln und kündigte an, die „für die Diffamierungen Verantwortlichen“ zu verklagen.

apa/afp/reuters

stol